Als Pluraletantum, auch Pluralwort, werden Nomen bezeichnet, welche ausschließlich in der Mehrzahl, also im Plural, gebräuchlich sind. Das Gegenstück ist das Singularetantum. Dieses beschreibt Wörter, die es auschließlich im Singular, also in der Einzahl, gibt. Der Plural des Pluraletantums ist übrigens Pluraliatantum oder auch Pluraletantums, obwohl diese Form weitaus seltener in der Literatur zu finden ist. Dabei gibt es außerdem Wörter, die fast nur im Plural gebräuchlich sind, allerdings in einigen Regionen durchaus einen Singular kennen, der woanders aber kaum gebräuchlich ist.

Der Begriff leitet sich von den lateinischen Wörtern pluralis, was sich mit im Plural stehend und tantum, was nur bedeutet, ab. Foglich verweist bereits die Übersetzung des Wortes darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um Wörter, die es ausschließlich im Plural gibt. Schauen wir anschließend auf eine Beispiel-Liste:

Liste mit Beispielen für das Pluraletantum
Allgemeine Pluraliatantum
Aufbauten (bei einem Schiff), Eingeweide, Eltern, Faxen, Gebrüder, Geschwister, Gezeiten, Ländereien, Leute, Miese (Schulden), Möpse (weibliche Brust), Muckis, Piepen (Geld), Schmackes (Hiebe), Tiden, Trümmer (süddeutsch gibt es Trumm), Umschweife, Unkosten, Zicken (Dummheiten)
Beispiele für Pluraliatantum bei Speisen
-kartoffeln (Stampfkartoffeln, Quetschkartoffeln etc.), Kutteln, Mausöhrchen, Mixed Pickles, Teigwaren sind häufig Pluraliatantum: Dalken, Farfeln, Fettuccine, Makkaroni, Schlutzkrapfen, Spaghetti, Spätzle, Tortellini
Pluraliatantum zur Bezeichnung von Zeitabschnitten
römisches Kalendersystem oder römische Feste: Iden, Kalenden, Nonen, Saturnalien, Terminalien; Ferien, auch in Verbindungen: Sommerferien, Werksferien usw.; -jahre: Entwicklungsjahre, Herrenjahre; Jahrmillionen; -stunden: Geschäftsstunden; -wochen: Flitterwochen; -tage: Hundstage
Beispiele für regelmäßige Lehnwortbildungen aus dem Lateinischen
Alkoholika, Aktiva, Annalen, Dissidien (Streitpunkte), Diversa (Vermischtes), Ferien, Fressalien, Funeralien (Trauerfeierlichkeiten), Imponderabilien, Kopialien (Kopiergebühren), Minuzien (Kleinigkeiten), Musikalien, Naturalien, Passiva, Pastoralien (Pfarramtsangelegenheiten), Personalia (Personalien), Preziosen (Kostbarkeiten), Spezialien (Besonderheiten), Sponsalien (Verlobungsgeschenke), Trivia, Varia, Vegetabilien (Nahrungsmittel)
Beispiele für weitere entlehnte Pluraliatantum
Alimente, Amouren (Liebschaften), Basic Needs (Grundbedürfnisse), Cornflakes, Daten, Diäten (Spesen), Drums, Effekten, Ephemera, Finanzen (Geldvermögen), Fisimatenten, Flipflops, Frutti di Mare, Kinkerlitzchen, Knickerbocker, Kosten (Ausgaben), Manieren, Memoiren, Moneten, News, Noten (notierte Musik),
Papiere (Dokumente), Public Relations, Shorts, Sperenzchen, Spesen, Standing Ovations, Trennpunkte, Tropen
Beispiele für zusammengesetzte Pluraliatantum
-arbeiten, -ausgaben, -aussichten, -bedingungen, -beine, -beschwerden, -bezüge, -daten, -dinge, -einnahmen, -einkünfte, -einrichtungen, -farben, -gebühren, -gelder, -gewohnheiten, -gründe, -kräfte, -mittel, -rechte, -sachen, -schwierigkeiten, -spiele, -stiefel, -strahlen, -streitkräfte, -teile, -tropfen, -übungen, -umstände, -verhältnisse, -verluste, -waren, -wege, -werkzeuge, -wirren, -zinsen, -zungen
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

  • Als Pluraletantum wird ein Nomen bezeichnet, das ausschließlich in der Mehrzahl gebräuchlich ist. Zwar gibt es mitunter Ausnahmen, doch die verbreiteteste Verwendung des Wortes ist der Plural. (Bsp.: Man spricht von Trümmern, auch wenn es im Süden den Singular Trumm gibt.)
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Pluraletantum
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001