Als Polemik wird ein scharfer, oftmals unsachlicher Meinungsstreit bezeichnet. Der Begriff meint also eine Kontroverse, die teils von persönlichen Angriffen durchwachsen ist. Polemische Streitgespräche finden auf literarischer, wissenschaftlicher, religiöser, philosophischer und auch politischer Ebene statt. Ursprünglich meinte Polemik die Streitkunst, also eine wissenschaftliche Fehde, welche vor allem zwischen Gelehrten ausgetragen wurde. Polemische Literatur meint Streitschriften aller Art.

Der Begriff geht auf das griechische Nomen pólemos (πόλεμος) zurück, das sich mit Krieg, aber auch Streit übersetzen lässt. Auch das Adjektiv polemikós (πολεμικός), welches feindselig bedeutet, ist mit dem Begriff verwandt. Demnach verweist bereits die Übersetzung darauf, worum es hierbei geht: denn wer polemisiert, der streitet und tritt seinem Gesprächspartner mitunter sehr feindselig gegenüber.

Der Polemiker versucht, seinen Gesprächspartner in einem rhetorischen Duell zu bezwingen und dabei die eigenen Argumente für eine Sache durchzubringen. Hierbei geht es nicht in erster Linie darum, den Konsens, also eine Übereinstimmung, zu finden, sondern darum, als Sieger aus einem Streitgespräch hervorzutreten. Der Polemiker bedient sich dabei mitunter auch sachlicher Argumente, zielt allerdings sehr häufig auf die Persönlichkeit seines Gegenübers ab, wobei beispielsweise dessen Glaubwürdigkeit infrage gestellt wird.

Ziel der Polemik ist es also, die eigenen Argumente zu präsentieren, wobei teils auf scharfe, spitze und auch direkte Äußerungen gesetzt wird, die den Gesprächspartner oder Adressaten demaskieren sowie bloßstellen sollen. In der Rhetorik wird ein solches Streitgespräch als Disputation bezeichnet (vgl. Disput). In diesem Streitgespräch treten Proponent und Opponent aufeinander, um ihre Argumente darzulegen.

Der Proponent stellt zu Beginn eines solchen Gesprächs eine Behauptung (These) auf, wobei der Opponent versucht, diese argumentativ zu widerlegen. Die Rolle des Polemikers ist somit häufig die des Opponenten, also desjenigen, der versucht, die These zu widerlegen und die eigenen Argumente als richtig darzustellen. Allerdings ist die rhetorische Disputation in der Regel frei von polemischen Äußerungen.

Hinweis: Demzufolge verstand man unter Polemik ursprünglich die Streitkunst, was auch für die Rhetorik von Bewandtnis war. Folglich konnte ein streitender Disputant als eloquenter Redner gelten. Heutzutage meint der Begriff zumeist einen Streit, der persönlich wird, unsachlich erscheint und einen angreifenden Charakter hat. Der Begriff ist nun durchaus negativ konnotiert und unterlag einem Bedeutungswandel.

Polemik und Kontroverstheologie

Viele frühchristliche Schriftsteller sind uns als Kontroverstheologen bekannt. Die Kontroverstheologie befasst sich mit inhaltlichen Fragen in Bezug auf das innere und äußere Wesen der Kirche und ist sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche eine Erscheinungsform.

Bekannte Kontroverstheologen sind beispielsweise die Kirchenväter Hieronymus (347 – 420) sowie Irenäus (um 135 – 202). Beide verfassten zahlreiche Abhandlungen, die häretische Lehren (Lehre, die im Widerspruch zur Lehre einer christlichen Kirche steht) kontrovers diskutierten. Ihre Schriften trugen häufig ein Adversus im Titel, was darauf verweist, dass diese gegen etwas gerichtet sind (bspw. Adversus haereses).

Synonym zum Begriff der Kontroverstheologie taucht im Umfeld der christlichen Theologie auch der Begriff der Polemik auf. Diese theologische Polemik richtete sich vor allem gegen Atheisten sowie andere Gruppen, die außerhalb eines christlichen Weltbildes standen, wie etwa Heiden, Naturalisten, Indifferentisten und Juden, Papisten oder Calvinisten etc. Im 18. Jahrhundert erlebten polemische Schriften im Christentum ein Hoch.

Die Polemik kann also durchaus als sorgfältig bearbeiteter Teil der christlichen Theologie zwischen Mittelalter und dem ausgehenden 18. Jahrhundert betrachtet werden. Sie hatte das erklärte Ziel, christliche Grundsätze zu verteidigen und deren Gegner anzugreifen. Heutzutage hat man sich von einer solchen Praxis distanziert und versucht eher durch die Apologetik, also die wissenschaftliche Verteidigung von Glaubenssätzen, die Grenzen und Grundlagen des Glaubens zu skizzieren, aber eben auch zu verteidigen.

Dieses Verteidigen von theologischen Grundsätzen ist jedoch eher integrativ, also als eine Eingliederung in ein größeres Ganzes, zu verstehen. Die Apologetik ist demnach nicht, wie es beispielsweise der Polemik zu Eigen ist, konfrontativ, also auf das Herbeiführen von Auseinandersetzung, ausgerichtet.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

  • Die Polemik bezeichnete ursprünglich die Streitkunst und meint einen scharfen Meinungsstreit, der teilweise auf einer unsachlichen, persönlichen und beleidigenden Ebene ausgetragen wird. Wer polemisch argumentiert, der streitet konfrontativ und sucht demzufolge die sprachliche Auseinandersetzung, um sein Gegenüber bloßzustellen oder zu demaskieren.
  • Die klassische Rhetorik bezeichnet ein solches Vorgehen als argumentum ad hominem, also als Argumentation gegen den Menschen. Es wird versucht, ein Argument dadurch zu entkräften, dass auf persönliche Umstände oder Eigenschaften des Gegenübers eingegangen wird.
  • Polemische Streitgespräche finden auf literarischer, wissenschaftlicher, religiöser, politischer und philosophischer Ebene statt. Früher waren sie außerdem in der christlichen Theologie verankert und sollten Glaubensstreitigkeiten aus der Welt schaffen und eigene Ansichten verteidigen.

  • Hinweis: Polemiker können sich natürlich zahlreicher rhetorischer Stilmittel bedienen. Oftmals finden sich allerdings Ironie und Sarkasmus in polemischen Schriften und Streitgesprächen.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Polemik
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001