Als Punchline wird im Rap die pointierte Zeile eines Textes bezeichnet, deren Inhalt eine andere Person angreift. Zumeist finden sich solche Punchlines im Battle-Rap, wobei das Angreifen und Diffamieren einer anderen Person sowie das positive Darstellen der eigenen Person, im absoluten Mittelpunkt stehen. Im Englischen bezeichnet das Nomen Punchline aber ganz allgemein eine Pointe, also das überraschende, geistreiche oder auch unerwartete Ende, in dem beispielsweise kleine Erzählungen oder Witze gipfeln. Die Pointe des Witzes ähnelt somit der Punchline im Rap.

Der Begriff setzt sich aus den englischen Nomen punch für den (Faust-)Schlag und line für die (Text-)Zeile zusammen. Folgt man dieser Übersetzung, handelt es sich bei der Punchline wortwörtlich um eine Faustschlagzeile und im übertragenen Sinn um einen Text, welcher den Zuhörer oder Leser wie ein Schlag überrascht, wobei es in Bezug auf den Rap um eine Textzeile, die den Gegner zu Boden streckt, geht.

Im Battle-Rap versucht der Rapper, den jeweiligen Kontrahenten (vgl. Opponent) anzugreifen und zu diffamieren. Dies gelingt dann besonders gut, wenn er sich dabei möglichst fantasivoller Punchlines bedient und diese in technisch möglichst ausgefeiltem Sprechgesang einwandfrei vorträgt. Ein Beispiel:


Rapper komm‘, fragen, ob sie mit mei’m Smartphone ihre Ma anrufen könn‘
Ich sag: „Ja, klar, da, drück‘ einfach Wahlwiederholung.“

Das obige Beispiel stammt von Maeckes, einem deutschen Hip-Hop-Musiker, der unter anderem zum Hip-Hop-Kollektiv Die Orsons gehört, und ist dem Track Schwung in die Kiste entnommen. Die Punchline hat keinen konkreten Gegnerbezug, greift also keine Einzelperson an, dafür aber die gesamte Rap-Szene.

In der ersten Zeile wird angeführt, dass diverse Rapper um das Smartphone des lyrischen Ichs bitten, um ihre Mutter anrufen zu können. Die Antwort des Ichs soll darauf verweisen, dass es die Nummer zuletzt angerufen hat. Diese Aussage soll indirekt darauf verweisen, dass zwischen dem Ich und der Mutter ein (sexuelles) Verhältnis besteht. Angriffe dieser Art sind häufig in der Rap-Musik. Ein weiteres Beispiel:


Heut‘ fragt Kool Savas nach Features, nur um sagen zu könn‘
Dass er die Nummer 1 kennt wie Supermarkt-Kassierer

Diese Beispiel-Lines stammen vom deutschen Rapper Kollegah. Die Zeilen beziehen sich auf Kool Savas. Um die Punchline zu erfassen, ist ein wenig Hintergrundwissen erforderlich. So veröffentlichte Kool Savas im Jahr 2000 die Single King of Rap und setzte sich somit bildlich an die Spitze der Rap-Szene.

Wenn es im Beispiel nun heißt, dass Kool Savas um Features – also eine Zusammenarbeit – bittet, um die Nummer 1 zu kennen, greift Kollegah somit an und setzt sich selbst an die Spitze. Übrigens bietet die Wortfolge Nummer 1 kennt eine kleine Besonderheit. Wird sie nämlich gesprochen, kann sie als Nummer einscannt verstanden werden. Diese Auffälligkeit wird als Homophon bezeichnet. Noch ein Beispiel:


es gab niemanden der diese wirren textzeilen verstand
denn in deiner quali warn sogar mehr zweckreime als drums

Dieses Beispiel ist einem Disstrack von SpongeBOZZ gegen Gio entnommen. Hierbei handelt es sich um SpongeBOZZ‘ Beitrag für das Finale des JBB 2014, in dem dem sich die beiden Rapper gegenüber standen. Diese angeführten Zeilen beziehen sich auf einen vorherigen Beitrag Gios – nämlich auf seine Qualifikation für den Wettstreit – wobei dessen sprachliche Qualität angegriffen wird.

Allerdings besteht SpongeBOZZ‘ Beitrag aus einer enormen Verdichtung solcher Punchlines, die den Kontrahenten diffamieren und das bisherige Schaffen sowie den Werdegang und die Persönlichkeit gezielt angreifen. Diese Dichte von Punchlines auf der einen und Eigenlob auf der anderen Seite ist charakteristisch für den Battle-Rap. Abschließend der Titel als Video – das Zitierte lässt sich ab 3:10 hören.

Kurzübersicht: Das Wichtigste im Überblick

  • Als Punchline wird im Rap die pointierte Zeile eines Textes bezeichnet, deren Inhalt eine andere Person angreift. Zumeist finden sich solche Punchlines im Battle-Rap. Im Englischen bezeichnet der Begriff aber ganz allgemein eine Pointe, also das überraschende, geistreiche oder auch unerwartete Ende einer knappen Erzählung, Anekdote oder eines Witzes.
  • Solche Punchlines können einen direkten Gegnerbezug haben und sich somit unmittelbar auf eine Person beziehen – wie auch im Battle-Rap üblich – oder keinen konkreten Bezug aufweisen und sich demnach an eine Gruppe, Organisation oder auch fiktive Figur richten.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Punchline
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001