WORTWUCHS | Literaturlexikon

Pyrrhichius

Der Pyrrhichius (auch Pyrrhichios) ist ein antiker Versfuß, der aus zwei kurzen Silben gebildet wird. Diese Kürzen stellen wir für gewöhnlich durch die Schreibung υ υ dar (→ Versmaß). Da ein Versfuß mindestens aus zwei Silben besteht und der Pyrrhichius lediglich aus zwei Kürzen besteht, ist er der kürzeste Versfuß, der sich bilden lässt.

Prinzipiell unterscheiden wir in der deutschen Sprache zwischen Jambus, Trochäus, Anapäst und Daktylus und sparen den Pyrrhichius dabei aus. Die Begründung scheint, dass wir uns auf eine akzentuierende Mertrik beziehen und eben keine quantitierende annehmen, was vornehmlich im Altgriechischen und Lateinischen der Fall ist.

Das bedeutet, wir unterscheiden Versfüße aufgrund ihrer Taktschläge, also aufgrund betonter und unbetonter Silben und differenzieren nicht zwischen Kürzen und Längen innerhalb eines Verses, was allerdings das eindeutige Merkmal des Pyrrhichius ist.

Würden wir das Prinzip des Pyrrhichius übertragen, müssten wir folglich die Kürzen mit unbetonten Silben gleichsetzen, was allerdings in der Verslehre häufig gemacht wird.

Vorkommen des Pyrrhichius

Der Pyrrhichius ist als durchgängiger Versfuß kaum auszumachen, da es unwahrscheinlich und nahezu unmöglich scheint, über mehrere Verse hinweg lediglich unbetonte Silben zu verwenden, da dieses Phänomen durch unsere Sprache ausgeschlossen wird.

Denkbar ist allenfalls, dass eine grundsätzliche Struktur durch ein anderes Versmaß gegeben wird und dieses durch den Einsatz des Pyrrhichius aufgebrochen wird oder der Pyrrhichius dem eigentlichen Versmaß vorangestellt wird. Schauen wir als Beispiel auf einen Vers aus Lohensteins Werk „Sophonisbe“ und kennzeichnen die unbetonten und betonten Silben..

Ja wür de Ma sa niß | uns mit sammt un sern Flamm en

Das Problem ist hierbei, dass die erste betonte Silbe im zweiten Halbvers auf das Wort „mit“ fällt, wenn wir die jambische Struktur des Lohensteinschen Werks fortführen. Allerdings klingt das rhythmisch sehr unschön und ist schwierig zu sprechen.

Eine Sprachrhythmik oder eben Sprechbarkeit ließe sich allerdings herstellen, wenn wir nach der Zäsur, also ab „uns“, einen Pyrrhichius annehmen. Das Ganze würde dann folgendermaßen aussehen:

| uns mit sammt un sern Flamm en
υ υ – – υ – υ

Hierbei hätten wir den Jambus im zweiten Halbvers durch einen Pyrrhichius vertauscht und im zweiten Takt einen gegenmetrischen Rhythmusakzent, der der Struktur des restlichen Alexandriners entgegensteht.

Hinweis: Dennoch macht das Auffinden eines Pyrrhichius im Deutschen nur bedingt Sinn, da es grundsätzlich um lange und kurze Silben geht und wir dieses Prinzip in unserer Sprache nicht anwenden. Der vorgestellte Vers ist also nur als Beispiel für den Pyrrhichius zu betrachten.

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