WORTWUCHS | Literaturlexikon

Räubersprache

Als Räubersprache wird gemeinhin eine Spiel- und Geheimsprache bezeichnet. Sie hat ihre Wurzeln im Kinderbuch Kalle Blomquist der schwedischen Autorin Astrid Lindgren. Die Räubersprache basiert auf dem Verdoppeln der Konsonanten eines Wortes, woraufhin der Vokal o eingesetzt wird. Im Gegensatz zu anderen Spielsprachen (bspw. Löffelsprache, Hühnersprache) ist es schwierig, die Räubersprache schnell zu sprechen, da das Umformen kompliziert ist. Ein geübter Sprecher ist unverständlich, was nach Kauderwelsch klingt. Die „echte“ Sprache der Räuber heißt übrigens Rotwelsch oder Jargon.

Die Bezeichnung geht auf die Kinderbücher rund um Kalle Blomquist zurück. In den Bücher schwelt seit langer Zeit ein gespielter Krieg zwischen Kindern: der Krieg der Rosen. Hier kämpfen die Mitglieder der Weißen Rose gegen die der Roten Rose. Eva, eine Freundin Kalles, gehört zu den Weißen und hat die Räubersprache von ihrem Grovater erlernt. Die Geheimsprache hilft ihnen, sich zu auszutauschen, ohne verstanden zu werden.Anleitung der Räubersprache aus Kalle Blomquist

Das obige Beispiel verdeutlicht das Prinzip der Spielsprache. Die Konsonanten, auch Mitlaute, werden durch das Kürzel [Konsonant] + O + [Konsonant] ersetzt. Demnach wird aus einem r das Kürzel [R] + O + [R], also ror. Daraus leitet sich auch die Bezeichnung Ror-Sprache für die Räubersprache ab. Die Vokale, also die Buchstaben a, e, i, o, u, Diphthonge (au, ei, ai usw.) sowie Umlaute (ä, ö, ü) bleiben unangetastet.

Alphabet der Räubersprache

Aus den vorgestellten Regeln, die sich aus dem Schaubild ergeben, leitet sich natürlich ein Alphabet ab. Dieses lässt sich recht einfach ableiten, soll aber nachfolgend nochmals tabellarisch dargestellt werden, um etwaige Unsicherheiten beim Lernen und Sprechen der Sprache zu vermeiden.

BuchstabeRäuberspracheBuchstabeRäubersprache
aannon
bboboo
ccocppop
ddodqqoq
eerror
ffofssos
ggogttot
hhohuu
iivvov
jjojwwow
kkokxxox
llolyyoy
mmomzzoz
Hinweis: Das Alphabet lässt sich demzufolge einfach erlernen. Konsonanten werden umgebildet, Umlaute, Vokale und Diphthonge nicht. Unterschiede gibt es beim ch und beim sch. Einige Sprecher trennen es in coc-hoh und sos-coc-hoh, andere machen ch-o-ch oder sch-o-sch daraus. Entscheiden Sie einfach selbst.

Räubersprache lernen

Wie bereits beschrieben, basiert diese Spielsprache auf dem Austauschen der Konsonanten, wobei es keine Ausnahmen gibt. Lediglich die Umlaute, Diphthonge und Vokale bleiben unangetastet. Dennoch ist die Räibersprache schwierig zu lernen, jedenfalls dann, wenn sie gesprochen werden soll.

Deshalb wird sie von den meisten Sprechern buchstabenweise gesprochen. Das bedeutet, dass die einzelnen Buchstaben buchstabiert werden und nicht beim Sprechen zusammengezogen werden. Das Wort Hallo wird also als Hoh | a | lol | lol | o gesprochen und eben nicht Hohalollolo.

Natürlich ist es ebenfalls möglich, die Räubersprache silbenweise zu sprechen und folglich die Buchstaben zusammenzuziehen. Jedoch ist das recht kompliziert, wenn die Wörter erst in Gedanken umgeformt werden müssen, weshalb sich das Buchstabieren bewährt hat. Wer das Ganze vorab aufschreibt, kann natürlich schneller sprechen, wobei er dann Gefahr läuft, selbst von Eingeweihten, nicht verstanden zu werden.

Der wichtigste Punkt ist allerdings, wenn wir diese Spielsprache lernen, ein ständiges Üben. Umso häufiger die ungewohnten Laute gebildet werden, umso einfacher fällt es später, im Kopf umzudenken. Außerdem wird das Ganze unverständlicher, umso schneller gesprochen wird, was der Sinn einer Geheimsprache ist.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Spielsprache im Überblick

  • Die Räubersprache ist eine Spiel- sowie Geheimsprache, die ihre Ursprünge in Kinderbuchreihe Kalle Blomquist hat. Sie basiert auf dem Austauschen von den Konsonanten eines Wortes durch ein festgelegtes Kürzel und ist für Außenstehende zumeist unverständlich.
  • Dabei wird ein Konsonant durch [Konsonant] + O + [Konsonant] ersetzt. Aus dem Buchstaben b wird in der Räubersprache also bob, aus dem d wird dod. Umlaute, Diphthonge sowie Vokale bleiben allerdings unangetastet, werden also beibehalten.

  • Hinweis: Es gibt neben dieser Spielsprache noch weitere bekannte Geheimsprachen, die vor allem bei Kindern beliebt sind. Diese basieren zumeist auf dem Austauschen der Vokale: Beispiele sind unter anderem die Löffelsprache und die Hühnersprache.