Als Rauhsatz, auch Rausatz, wird in der Typografie eine Variante des Flattersatzes bezeichnet. Als Flattersatz wird ein Text bezeichnet, der auf einer Seite bündig ist und auf der anderen ungleichmäßig ausläuft, wobei Wörter, wenn sie das Ende einer Spalte erreichen, umgebrochen werden, wodurch Lücken am Ende der Spalte entstehen entstehen können. Der Rauhsatz setzt an ebendieser Steller an, um diese Lücken zu vermeiden. Im Rauhsatz gibt es eine fest definierten Flatterzone, in welcher die Wörter am Zeilenende durch Worttrennung angeglichen werden. Das bedeutet, dass das einzelne Wort getrennt wird und somit kaum ersichtlich ist, dass es sich im Eigentlichen um eine Art Flattersatz handelt, da das Ergebnis im besten Fall auf beiden Seiten bündig erscheint (vgl. Blocksatz).

In Bezug auf den Rauhsatz unterscheidet man grundsätzlich drei Formen: den normalen Rauhsatz, der auf einer definierten Flatterzone basiert und dabei Wörter, die diese erreichen, trennt; den (hand-)korrigierten Rauhsatz, wobei es zwar ebenso eine definierte Flatterzone gibt, aber händisch nachgearbeitet wird, um eine ideales Schriftbild zu erhalten; den Schweizer Rauhsatz, der sich durch eine geringe Flatterzone auszeichnet (meist unter 5%), weshalb er beinahe wie ein Blocksatz erscheint. Nachfolgend einige Beispiele:Beispiel für den Flattersatz (linksbündig und rechtsbündig)

Das obige Beispiel-Bild verdeutlicht den Flattersatz. Dieser ist entweder links, rechts oder links und rechts flatternd. Auf der linken Seite ist der Beispieltext links bündig, flattert allerdings dafür auf der rechten Seite. Dadurch entstehen Lücken am Ende der einzelnen Spalten, was vor allem beim Übergang von der zweiten in die dritte Zeile auffällt (beim Wort sadipscing). Auf der rechten Seite verhält es sich andersherum.

Durch den Rauhsatz wird nun versucht, ebendiese Treppenstruktur zu vermeiden und Wörter, die das Ende der Kolumne erreichen, einfach aufzutrennen. Im Deutschen ist dies zumeist das Mittel der Wahl, da sich das Deutsche aufgrund vieler Komposita – also Wörter, die sich aus mehreren anderen zusammensetzen – nicht für den Flattersatz eignet. Das obige Beispiel könnte im Rauhsatz folgendermaßen aussehen:Der Rauhsatz ist eine Variante des Flattersatzes mit mit fester Flatterzone

Das obige Beispiel basiert auf Fantasiebegriffen, veranschaulicht aber dennoch das grundsätzliche Prinzip. Die einzelnen Wörter, die noch im vorherigen Beispiel – wenn sie zu lang waren, um noch in die Spalte zu passen – umgebrochen wurden, werden hierbei getrennt, um die Spaltenbreite zu nutzen und so das Textbild insgesamt harmonischer erscheinen und keine unnötigen Lücken entstehen zu lassen.

Ein Vorteil des Rauhsatzes, aber auch des Flattersatzes, ist, dass die Abstände zwischen den einzelnen Wörtern zumeist gleichmäßig sind, was sich förderlich auf den Lesefluss auswirkt. Im Gegensatz dazu steht der Blocksatz, der einen Text links und rechts bündig ausrichtet, wobei die Abstände auf Zeilenbreite ausgetrieben werden. Dadurch können unschöne Lücken entstehen. Das ist im folgenden Beispiel ersichtlich:Durch den Blocksatz können zwischen den Wörtern Lücken entstehen

Kurzübersicht: Das Wichtigste im Überblick

  • Als Rauhsatz, auch Rausatz, wird eine Variante des Flattersatzes bezeichnet, wobei es eine fest definierten Flatterzone gibt, in welcher Wörter am Zeilenende durch Worttrennung angeglichen werden, um Lücken am Ende einer Spalte zu vermeiden.
  • Werden die Wörter nicht getrennt, sondern stets am Ende einer Spalte umgebrochen, handelt es sich um einen Flattersatz. Dieser ist in anderen Sprachen verbreitet, bietet sich für das Deutsche aber nicht an, da unsere Sprache zahlreiche Komposita kennt, die sehr lang werden können, wodurch das Textbild zahlreiche Lücken aufweisen würde.

  • Hinweis: Im Internet wird zumeist auf den reinen (auch englischen) Flattersatz gesetzt. Dieser bietet sich an, da es zahlreiche Endgeräte gibt, die unterschiedliche Displaygrößen haben und somit nicht eindeutig ist, an welcher Stelle ein Wort unterbrochen werden müsste. Zwar gibt es Applikationen, die dies realisieren, doch ist die Worttrennung in der Regel nicht optimal.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Rauhsatz
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001