Die Redeanalyse ist eine Form der Textanalyse, die in unterschiedlichen Fachbereichen eine Rolle spielt. Dabei ist die Redeanalyse folglich nicht auf den Fachbereich Deutsch beschränkt, sondern ist auch ein wichtiger Baustein im Englisch- oder Geschichtsunterricht. Dennoch ist die Herangehensweise in allen Fächern ähnlich und unterscheidet sich nur in wenigen Details.

Im Fachbereich Deutsch wird oft ein Schwerpunkt auf die verwendeten rhetorischen Mittel (→ Stilmittel) des Redners gelegt, wohingegen die Geschichtswissenschaft einen stärkeren Fokus auf den historischen Kontext legt. Im Bereich der Fremdsprachen sind die Anforderungen an die Redeanalyse vergleichsweise gering, da das sprachliche Niveau selbstverständlich um ein Vielfaches geringer ist.

Hinweis: In diesem Beitrag möchten wir Ihnen zeigen, wie Sie selbst eine Redeanalyse schreiben, auf welche Dinge es dabei zu achten gilt. Weiterhin stellen wir Ihnen einen möglichen Aufbau der Analyse vor und geben Ihnen zahlreiche Tipps, um die Analyse zu verfeinern.

Worum geht es in einer Redeanalyse?

Der Gegenstand einer Redeanalyse ist natürlich das gesprochene Wort, also die Rede. Wer eine Rede hält, ist ein Redner und bedient sich rhetorischer Mittel. Rhetorik lässt sich mit Redekunst oder Kunst der Beredsamkeit übersetzen. Es ist demnach eine Kunst, eine Rede zu halten.

Folglich ist nicht jede mündliche Mitteilung gleich eine Rede. Von einer Rede spricht man bei einer im Voraus überlegten, mündlichen Mitteilung, die der Redner an ein Publikum richtet und dabei in der Regel einen Zweck verfolgt. Häufig begegnen uns Reden in der Politik und sind demnach meist politischer, aber auch sozialer und moralischer Natur.

Schreiben wir eine Redeanalyse bedeutet es, dass wir ein Objekt in seine kleinsten Teile zerlegen, diese ordnen, bewerten und unter die Lupe nehmen. Dieses Objekt ist in unserem Fall die Rede, die wir in Einzelteile zerlegen müssen. Auf diesen Schritt folgt häufig die Interpretation der Analyse-Beobachtungen. Das bedeutet, wir schauen, was die einzelnen Ergebnisse bedeuten könnten. (vgl. Gedichtinterpretation)

Wenn wir eine Redeanalyse schreiben, nehmen wir die Rede demnach wortwörtlich auseinander und zerlegen sie in ihre Bestandteile, die wir im Anschluss an die Untersuchung bewerten. Mitunter ist die anschließende Interpretation nicht erforderlich und wir beschränken uns auf die reine Analyse.

Die Redeanalyse vorbereiten

Bevor es nun ans eigentliche Schreiben geht, macht es Sinn, das Ganze vorzubereiten, sodass wir beim Formulieren des Aufsatzes keine wichtigen Dinge vernachlässigen oder vergessen.

  • Lesen Sie sich die jeweilige Rede vor der Bearbeitung durch. Idealerweise gleich mehrere Male, um auch wirklich alle Kleinigkeiten zu erfassen. Liegt die Rede nicht in Textform vor, hören Sie sich das Ganze mehrfach an.
  • Legen Sie sich dafür verschiedenfarbige Textmarker zurecht. So können Sie Auffälligkeiten umgehend notieren und Unklarheiten am Rand festhalten.
  • Sollten Ihnen beim erstmaligen Lesen oder Hören Besonderheiten auffallen, machen Sie sich umgehend Notizen dazu oder markeiren Sie diese mit den Markern. Vielleicht gibt es besondere Stilmittel, die der Redner verwendet oder eine eingängige Art und Wiese zu sprechen. Jedes Detail, das Sie hier festhalten, kann später nützlich sein.
  • Vielleicht können Sie das Ganze nun schon zeitlich einordnen und eine ungefähre Jahreszahl notieren oder einen historischen Kontext am Rande der Arbeit skizzieren (Das entfällt natürlich, wenn ein Datum oder Kontext angegeben ist.) → Literaturepochen


  • Wichtig! Seien Sie bei diesen Vorarbeiten gründlich. Auch dann, wenn Sie die Redeanalyse unter Zeitdruck schreiben müssen (Prüfungen, Tests etc.). Die detaillierte Vorbereitung ist in jedem Fall wertvoller als eine Arbeit, die letzten Endes in die falsche Richtung geht.

Grobe Gliederung der Redeanalyse

Wenn wir eine Rede systematisch analysieren, macht es Sinn, eine ungefähre Gliederung zu nutzen. Schauen wir auf eine grobe Einteilung der Analyse und widmen uns dann den Details.

  • Grobe Gliederung der Redeanalyse
    • Formale Aspekte der Rede (wer, wann, wo, warum etc → W-Fragen)
    • Redesituation (Ort und Zeit, politischer Hintergrund des Redners)
    • Inhalt der Rede (Thema der Rede und wichtige Kernaussagen)
    • Absicht des Redners (Welche Intention gibt es? Warum wird die Rede gehalten?)
    • Struktur (Aufbau der Rede) und verwendete rhetorische Mittel (→ Stilmittel)
    • Wie wird die Rede vorgetragen? Welche Wirkung erzielt das?
    • Bewertung der Rede

Hinweise zur Gliederung: Diese Punkte sind als Grundkategorien der Redeanalyse zu verstehen. Das bedeutet, dass es sich hierbei um die Aspekte handelt, die unbedingt in der Analyse Verwendung finden sollten. Dabei können wir allerdings einen eigenen Schwerpunkt setzen und die Reihenfolge der einzelnen Punkte variieren. Schauen wir nun auf einen detaillierten Leitfaden für die Redeanalyse.

Detaillierter Aufbau der Redeanalyse

Schauen wir nun auf den exemplarischen Aufbau einer Redeanalyse. Die folgende Gliederung ist dabei als Leitfaden zu verstehen und sollte dem eigenen Vorhaben angepasst werden.

  • Einleitung der Redeanalyse

    • Formale Merkmale (knapp angeben!)
      • Wer hält die Rede? (Redner)
      • Zu welcher Zeit wurde die Rede gehalten?
      • Wo wurde die Rede gehalten?
      • Welcher Redetypus liegt vor (monologisch, dialogisch etc.)
      • An wen richtet sich die Rede? (Adressat)
      • Warum wird die Rede gehalten? (Anlass)
      • Was ist das Thema der Rede?
    • Redesituation
      • Ist der Ort der Rede besonders? Wie stellt sich der Redner darauf ein?
      • Raumsituation: Hat der Redner zu den Anwesenden Blickkontakt? Ist der Redner in die Menge integriert oder wird er sogar hervorgehoben (Rednerpult etc.)? Gibt es ein symbolhaftes Ambiente (Fahnen, Banner, Uniformen)?
      • Wie ist das Publikum: Ist es interessiert? Ist es sozial, bildungsmäßig oder aufgrund der Weltanschauung gemischt? Stellt er sich besonders darauf ein?
      • Kommen bestimmte Medien zum Einsatz? Wenn ja, welche und was für eine Wirkung hat das?
      • Wie sind die politischen, wirtschaftlichen, sozialen Verhältnisse? Spielt das eine Rolle?
      • Was ist der Redeanlass? (Gibt es einen besonderen Anlass?)
    • Inhalt der Rede
      • Welche Aspekte nennt der Redner? Welche Themen spricht er an?
      • Unter welchem Oberbegriff lassen sich diese Themen einordnen?
      • Was sind die Kernaussagen der Rede?
      • Wird die Weltanschauung des Redners ersichtlich? Wenn ja, welche hat er?
    • Intention der Rede (Redeabsicht)
      • Will der Redner eine Wirkung erzielen? Welche? Woran wird das ersichtlich?
      • Stellt sich der Redner selbst dar? Wenn ja, wie?
      • Hat der Redner eigene Interessen? Legt er sich offen oder sind sie versteckt?
      • Wie wird das Publikum angesprochen? (angreifend, informierend, aufklärend, dementierend etc.)
      • Ist der Inhalt der Rede anerkannt? Regt sie zum Nachdenken an oder verschärft sie einen Umstand noch weiter oder spaltet gar die Zuhörerschaft?
      • Gibt es Begriffe oder Wörter, die immer wieder fallen?
      • An wen richtet sich die Rede? Wen spricht der Redner durch Vorwürfe, Appelle etc. an?
    • Gliederung der Rede und sprachliche Mittel
      • Wie ist die Rede gegliedert (inhaltlich)?
      • Wie wird in der Rede argumentiert? Sind die Argumente schlüssig?
      • Wie werden die vorgetragenen Argumente belegt? Gibt es Beweise? (→ Argumenttypen)
      • Sind die einzelnen Punkte der Rede logisch miteinander verbunden oder wirken sie wahllos?
      • Gibt es besondere sprachliche Gestaltungselemente (rhetorische Mittel → Stilmittel)?
      • Werden Metaphern genutzt? Welche Funktion haben sie? (→ Beispiele für die Metapher)
      • Orientiert sich die Sprache an einer bestimmten Schicht (Umgangssprache, Fachsprache etc.)?
      • Wie ist der Satzbau der Rede (hypotaktisch, parataktisch)?
      • Welche Satzarten liegen vor? (Aussagesätze, Fragesätze, Aufforderungssätze etc.)
      • Gibt es eine auffällige Häufung bestimmter Wortarten (Adjektive, Verben)? Hat das eine Funktion?
      • Sind die verwendeten Wortarten wertend? Richten sie sich gegen eine bestimmte Gruppe?
      • Gibt es Strategien in der Rede, die Aussagen verstärken / abschwächen (→ Klimax, Antiklimax, rhetorische Fragen)
    • Art und Weise des Sprechens (Redeweise)
      • Wie trägt der Redner die Rede vor? (hektisch, langsam, unsicher etc.)
      • Wirkt die Rede stockend, flüssig oder eher abgelesen?
      • Wie sind Gestik und Mimik des Redners? Wie wird dies eingesetzt?
      • Gibt es einen sprachlichen Rhythmus oder ist die Redeweise eher monoton?
      • Wird das Publikum in die Rede einbezogen? Wird auf Zwischenrufe reagiert?
    • Beurteilung und Fazit der Redeanalyse
      • Zusammenfassung der wichtigsten Analyseergebnisse
      • Welche Relevanz hat die Rede im historischen Kontext?
      • Was denken Sie? (Stellungnahme)

    • Tipp: Mitunter ist die eigene Sprache lebendiger, wenn wir beim Beschreiben des Redners oder seiner Art zu sprechen verschiedene und vielfältige Adjektive einsetzen. Dafür haben wir Ihnen eine Übersicht von möglichen Eigenschaften zusammengestellt → Charaktereigenschaften (Liste)

Hinweis: Wie geschrieben, stellt dieser Gliederung nur einen möglichen Aufbau der Redeanalyse dar. Natürlich können Sie Punkte auslassen oder auch vernachlässigen, wenn diese in Ihrem Fall überhaupt keine Relevanz haben. Weiterhin können Sie den Aufbau variieren und nach Ihren Vorstellungen anpassen. Verstehen Sie das Ganze als Anregung zur Redeanalyse und nicht als Dogma.

Schluss der Redeanalyse

Einleitung und Hauptteil sind nahezu fächerübergreifend gültig und können nach unserem Vorschlag verwendet werden. Beim Schlussteil gibt es allerdings fachspezifische Variationen.

  • Geschichte: In diesem Fachbereich ist der historischen Kontext im Schlussteil natürlich ein wesentlicher Aspekt und sollte nochmals stark beleuchtet werden. Welche Relevanz hat die Rede im geschichtlichen Zusammenhang und welche Folgen knüpfen sich daran?
  • Deutsch & Fremdsprachen: In diesen Fächern ist es mitunter nicht ganz so wichtig, das Ganze in einen historischen Zusammenhang einzuordnen. Viel wichtiger ist hierbei eine Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse der Redeanalyse.
  • Fachunabhängig: In jedem Fall sollten an diese Punkte allerdings eine begründete Stellungnahme folgen. Hierbei können wir erstmalig unsere eigene Meinung zur Rede kundtun, da der Rest stets sachlich und objektiv verfasst ist.

Abschließende Hinweise zur Redeanalyse

Es sollte ersichtlich sein, dass wir bei den meisten Punkten recht frei bei der Gestaltung sind. Dennoch sollten wir uns an einige grundlegende Dinge halten. Diese wären:

  • Halten Sie sich beim Schreiben der Redeanalyse an den bekannten Aufbau von Einleitung (Nennung der formalen Aspekte), Hauptteil (Redeanalyse) und Schluss.
  • Einleitung und Hauptteil sind stets sachlich und objektiv zu schreiben. Lediglich im Schlussteil können wir unsere persönliche Meinung zur Rede kundtun.
  • Weiterhin ist es nicht möglich, alle Aspekte einer Rede zu beleuchten und jeden einzelnen Satz zu beurteilen. Suchen Sie sich also die wichtigsten Passagen für die Analyse heraus und dann bearbeiten Sie diese en detail und ausführlich.
  • Wenn Sie sprachliche Mittel in der Rede ausmachen können, sollten diese nicht nur genannt, sondern unbedingt auch funktionalisiert werden. Welche Funktion hat also der Einsatz dieses oder jenes Stilmittels?
  • Wichtig: Alle Behauptungen, die wir in die Redeanalyse aufstellen, müssen unbedingt mit Zitaten (Zeilengaben reichen meist) belegt werden, da sie sonst nicht nachvollziehbar sind.

Hinweis: Sollten Sie die Redeanlayse unter Zeitdruck verfassen, nehmen Sie sich ruhig ein Drittel der Zeit für die Vorbereitungen. So vergessen Sie keine wichtigen Details beim Schreiben und schaffen ein rundes und stimmiges Gesamtbild bei der Analyse der Rede.

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Redeanalyse
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001