WORTWUCHS | Literaturlexikon

Reiner Reim

Als reiner Reim wird die genaue lautliche Übereinstimmung der Reime bezeichnet. Das bedeutet, dass die Reimsilben nach dem betonten Vokal klanglich identisch sind. Hierbei reimen sich sehr häufig die gleichen Buchstaben in gleicher Reihenfolge aufeinander. Beispielsweise bildet das Substantiv Haus einen reinen Reim mit Maus. Nach dem betonten a folgen die gleichen Buchstaben, nämlich aus und so entsteht ein identischer Laut. Reine Reime können aber auch bei unterschiedlichen Buchstaben entstehen: so bilden Welt und hält einen reinen Reim, da die Reimsilben gleich klingen (elt/ält).

In der mittelhochdeutschen Dichtung meinte die Bezeichnung Reimsilben, die unahängig von der Mundart des jeweiligen Sprechers oder Lesers, also dessen Dialekt, identisch klangen. Heute bezieht sich der Begriff aber zumeist auf eine Aussprache in der Standardsprache und meint in Deutschland demnach die deutsche Standardsprache. Nachfolgend ein Beispiel, dessen Endreime reine Reime sind (vgl. Reimschema).


a
a
b
b
Es gibt zwei Sorten Ratten:
Die hungrigen und satten.
Die satten bleiben vergnügt zu Haus,
Die hungrigen aber wandern aus.

Das obige Beispiel ist die erste Strophe von Gedichts Die Wanderratten von Heinrich Heine, einem deutsch-französischen Dichter der Romantik. Hierbei reimen sich der erste und zweite Vers, aber auch die dritte und vierte Zeile aufeinander. Das Reimschema ist demnach aabb, was sich als Paarreim identifizieren lässt.

Die einzelnen Reimwörter reimen rein, weil ihre Reimsilben identisch klingen. Das wird im Beispiel durch die identische Schreibweise erreicht, die hier auch gleiche Laute bewirkt. Ratten und satten wird nach dem betonten Vokal, dem a, identisch geschrieben. Das Gleiche trifft auf die Wörter Haus und aus zu.

Reiner und Unreiner Reim

Einen Gegensatz zu den reinen bilden die unreinen Reime. Hier sind nach dem letzten betonten Vokal die einzelnen Buchstaben der Reimsilben nicht identisch und klingen nur annäherend gleich. Das fällt vor allem dann auf, wenn sich die Vokale in den Reimsilben unterscheiden, wobei das Vertauschen von ähnlichen Konsonanten mitunter kaum zu hören ist. Nachfolgend ein Beispiel:


Was gibt’s wohl zum Essen heute?
Fragt sich Peter voller Freude.

Auch in diesem Beispiel sind die Endreime paarig angeordnet. Das Wort heute reimt sich auf Freude. Nach dem Doppelvokal (vgl. Diphthong) eu stehen beinahe die gleichen Buchstaben – im ersten Wort findet sich te, im zweiten de. Da das t hart gesprochen wird und ein d weich, gibt es einen geringfügigen, aber hörbaren, lautlichen Unterschied: ein unreiner Reim. Nachfolgend eine Übersicht häufiger unreiner Kombinationen.

Unreiner ReimMerkmal
Komm schnell gucken, Mama
Dort hinten spuckt ein Lama.
lange und kurze Vokale werden gereimt
Ich war heute schon im Wald.
Da wurde mir ganz furchtbar kalt.
Weiche und harte Konsonanten werden gereimt.
Später gibt es Hiebe,
du ungezog’ne Rübe.
Vokale (und Dipthonge) werden auf Umlaute gereimt.
Wo gestern die Verliebten saßen,
seit heute Autofahrer rasen.
stimmhafte und stimmlose Laute werden gereimt.
Und man hört schon die Reichen,
wie sie leise „Bitte!“ keuchen.
Verschiedene Diphthonge werden gereimt.
Ach neige,
Du Schmerzenreiche
Dialekt oder auch Umgangssprache wird gereimt, hierbei ch und g.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Reimart im Überblick


  • Als reiner Reim wird eine Reimart bezeichnet, bei der nach einem betonten Vokal (auch Umlaut und Diphthong) lautlich gleiche Reimsilben folgen. Zumeist werden solche reinen Abfolgen durch die identische Abfolge der Buchstaben realisiert. Aber auch, wenn die Schreibweise verschieden ist, aber der Klang dennoch identisch, spricht man vom reinen Reim.
  • Einen Gegensatz bilden die sogenannten unreinen Reime. In diesem Fall ist der Gleichklang der Reimsilben nur annähernd identisch. In einigen Fällen ist dieser Umstand aber kaum zu hören. Sonderformen des unreinen Reims bilden die Assonanz und der Augenreim.

Stichwortverzeichnis