Als Rhapsode wurde – vor allem in der Antike – ein fahrender Sänger bezeichnet, der zumeist epische Dichtung (vgl. Literarische Gattungen) zu der Begleitung eines Saiteninstruments vortrug. Oftmals wurden solche Rhapsoden auf der Phorminx begleitet, also auf einer Leier aus der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr., die sechs Saiten besaß. Sie traten vor allem bei feierlichen Anlässen oder Festen auf und sind für den Vortrag der Homerischen Dichtungen charakteristisch, die zumeist durch eine Hymne eröffnet wurden, die von Rhapsoden getragen wurde sowie diversen Göttern gewidmet war. Sie waren in sogenannten Rhapsodenschulen organisiert, verloren aber in der Spätantike an Bedeutung.

Der Begriff leitet sich vom griechischen Verb ῥάπτω ab, das sich mit zusammennähen übersetzen lässt und vom Nomen ᾠδή, das Gesang bedeutet. Demzufolge verweist bereits die Übersetzung darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um eine Person, die einen zusammengenähten Gesang vorträgt.

Wesentlich ist allerdings, dass die sogenannten Rhapsoden weniger sangen, sondern eher dichteten, also epische Texte vortrugen. Sie lösten somit die sogenannten Äoden ab, die vor allem zur Leier einen Gesang vortrugen. Es geht also – beim Schaffen der Rhapsoden – vor allem um das Rezitieren von diversen Werken.

Wichtig ist, dass sie teils dafür verantwortlich waren, dass die großen Epen überhaupt an breite Teile der Bevölkerung vermittelt wurden. Im antiken Athen richtete man sogar Wettkämpfe aus und ließ Rhapsoden gegeneinander antreten, wobei es mitunter darum ging, die Homerischen Verse fehlerfrei, ungekürzt und in richtiger Reihenfolge aufzusagen, wenngleich sie durchaus auch verspottet wurden, da sie die einzelnen Verse großer Dichter lediglich rezitierten und demnach ohne Eigenleistung aufsagten.

Die Kunst eines Rhapsoden bestand also darin, die Werke -vor allem von Homer- auswendig zu können und vorzutragen. Diese Vorträge wurden häufig als Einleitungen von Feiern beansprucht, zeichneten sich aber durchaus durch Wiederholungen aus oder waren von Stegreifdichtung geprägt. In der altergermanischen Dichtung entspricht dem Rhapsoden der Skop, im Mittelalter der Spielmann und im 19. Jahrhundert verstand man unter Rhapsode den Rezitatoren bekannter Werke. Das Wort Rhapsodie leitet sich außerdem davon ab.

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Rhapsode
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001