WORTWUCHS | Literaturlexikon

Schilderung

Die Schilderung ist eine Textsorte, die uns vor allem im Deutschunterricht begegnet. Die Schilderung ist eine Art der Beschreibung, wobei persönliche Empfindungen, also Gefühle und Gedanken, mit der Beschreibung eines Vorgangs oder auch einer Situation verbunden werden. Der Aufsatz ist demnach subjektiv und wird im Präsens (Gegenwart) sowie in der Ichform geschrieben (vgl. Ich-Erzähler).

Demzufolge ist die Schilderung mit zahlreichen Aufsatzformen verwandt und ähnelt der Bildbeschreibung, der Vorgangsbeschreibung sowie der Personenbeschreibung. Im Gegensatz zu diesen Formen geht es hierbei aber nicht um eine objektive Beschreibung eines Sachverhaltes oder um eine umfassende Genauigkeit, sondern darum, den zukünftigen Leser an der Wahrnehmung einer Situation teilhaben zu lassen.

Das bedeutet, dass das Schildern einer Situation niemals vollständig sein muss, sondern sich auf einzelne Empfindungen beschränkt. Dies können beispielsweise Gerüche, Farben oder Geräusche sein. Demzufolge ist die Schilderung gewissermaßen eine Momentaufnahme der Situation. Vergleichen lässt sich das mit der Aufnahme einer Kamera, die nur einen ganz bestimmten Augenblick festhält.

Wichtig sind solche Schilderungen einerseits im Fachbereich Deutsch und andererseits im Zusammenhang mit einer Aussage über bestimmte Geschehnisse, wie es beispielsweise nach einem Unfall oder bei einem Augenzuegenbericht notwendig ist. Dabei wird deutlich, dass das Schildern stets eine außergewöhnliche Situation zum Inhalt hat und eine Mischung aus Sachverhalt und persönlichen Empfindungen ist.

Hinweis: In diesem Beitrag möchten wir erklären, welche Vorbereitungen getroffen werden sollten, wie der Aufbau des Textes aussehen könnte, was beim Schreiben der Schilderung zu beachten ist und außerdem ein abschließendes Beispiel geben. Beginnen werden wir mit den Vorbereitungen des Schreibens.

Schilderung vorbereiten

Unabhängig davon, welches Erlebnis oder welche konkrete Situation im späteren Aufsatz geschildert werden soll, ist es sinnvoll, einige Vorbereitungen zu treffen. Diese können uns dabei helfen, beim Schreiben keine unnötigen Details zu vergessen und überflüssige Fehler zu vermeiden.

  • Erinnern Sie sich möglichst genau an die entsprechende Situation. Idealerweise machen Sie schon während des Erlebnisses Notizen. Diese ordnen Sie Oberbegriffen zu, wie Gedanken, Gefühle, Sinneswahrnehmungen sowie tatsächliche Abläufe oder Objekte und Personen.

  • Hinweis: Im Deutschunterricht kann es vorkommen, dass sie die entsprechende Situation nicht tatsächlich erlebt haben, sondern lediglich ein Bild erhalten und dann auf der Grundlage dieses Bildes eine fiktive Schilderung eines Erlebnisses schreiben sollen. Dann notieren sie sich alle wesentlichen Merkmale des Bildes und sortieren nach selbstgewählten Kategorien.

  • Um anschließend in die Stichpunkte und Oberbegriffe eine Ordnung zu bringen, ist es hilfreich, das Ganze zu sortieren. Hier können Sie entweder die verschiedenen Stichpunkte einem Objekt zuordnen (gibt es beispielsweise mehrere Gegenstände, können Sie die Empfindungen diesen zuordnen) oder sie beschreiben den Bildausschnitt von einer Richtung in die andere; dann ordnen Sie die Stichpunkte von links nach rechts oder eben von oben nach unten.

  • Da eine Schilderung immer subjektiv ist und häufig mit Vergleichen und Metaphern arbeitet, um dem Leser das Erlebnis deutlich zu machen, können Sie auch hierfür erste Notizen anfertigen. Woran erinneren Sie einzelnen Aspekte, welche Vergleiche lassen sich ziehen (Beispiel: Das Kühlregal war kalt wie die Arktis; die Farben waren kreischend) → Stilmittel.

  • Tipp: Es geht somit darum, sich Eindrücke einer Situation zu notieren. Auf dem Jahrmarkt vor einem Fahrgeschäft könnte dies also in etwa so aussehen: viele Menschen, lautes Geschrei, bunte Farben, viel Bewegung in der Menge, erschrockene und aufgeregte Leute, ängstliche Kleinkinder, ätzender Gestank, unangenehme Berührungen, Gedränge, Vorfreude.

Aufbau der Schilderung

Haben Sie alle Vorbereitungen getroffen, kann es tatsächlich ans Schreiben gehen. Vorab möchten wir Ihnen allerdings einen möglichen Aufbau vorstellen. Dieser ist knapp gehalten, da es kaum eindeutige Vorgaben für die Gliederung der Aufsatzform gibt und sie enorm von der eigenen Gestaltung abhängt.

  • Möglicher Aufbau eines schildernden Textes
    • Einleitung (knapper Einstieg – Einleitungssatz: worum geht es?)
    • Hauptteil
      • Schilderung aller Empfindungen zum Thema (Gefühle, Gedanken, Beobachtungen)
      • Lebhafte Sprache ist wichtig, es geht um das Ausschmücken des Textes
      • Die dargestellte Situation soll für den Leser nachzuempfinden sein
    • Schluss (die Situation beenden, treffenden Abschluss finden)

  • Tipp: Schildern bedeutet, dass etwas anschaulich erzählt wird. Demzufolge sollte stets darauf Wert gelegt werden, lebhaft und möglichst detailreich zu beschreiben. Das meint, dass unterschiedliche und treffende Adjektive genutzt werden sollten, um das Erlebnis erlebbar zu machen → Charaktereigenschaften (Liste)

Schilderung schreiben

Hilfreich ist es, wenn Sie sich bereits im Voraus genau überlegen, welche Aspekte sie im vorgestellten Aufbau unterbringen möchten. Haben Sie eine ungefähre Vorstellung davon, wie Sie die jeweilige Situation schildern möchten, kann es nun tatsächlich ans Schreiben der Schilderung gehen.

Einleitung des schildernden Textes

Die Einleitung besteht in der Regel nur aus einem einzigen Satz, kann aber durchaus auch aus mehreren knappen Formulierungen bestehen. Hierbei geht es darum, das Folgende einzubetten und den Leser darüber zu informieren, wo und wann sich das Ganze abgespielt hat. Die Einleitung könnte beispielsweise lauten:„Als ich letztens vor der Geisterbahn des Stadtfestes stand, kommt plötzlich ein Mann auf uns zu.“

Hauptteil des schildernden Textes

Im Hauptteil wird die außergewöhnliche Situation nun anschaulich und erlebbar geschildert. Dabei gibt es jedoch keine eindeutige Reihenfolge, die wir beachten könnten. Möglich wäre beispielsweise der Richtung unseres Blickes oder der Bewegung zu folgen. Weiterhin ist eine zeitliche Abfolge denkbar.

Im Hauptteil müssen Sie selbst entscheiden, welche Reihenfolge Sie nutzen und welche sich idealerweise für das Erlebnis eignet. Je nachdem welche Vorgehensweise Sie auswählen, können Sie die vorab gemachten Notizen sortieren, um die einzelnen Beobachtungen sinnvoll darzustellen.

Wichtig ist, dass bei einer Schilderung zumeist die Ich-Form verwendet wird, da eigene Erlebnisse dargestellt werden und außerdem im Präsens geschrieben wird. Natürlich sind Abweichungen möglich, aber prinzipiell verhält es sich so. Außerdem müssen die einzelnen Beobachtungen nicht chronologisch erzählt werden, weshalb Sie die Reihenfolge gänzlich selbst bestimmen können.

Schlussteil des Aufsatzes

Im Schlussteil geht es darum, den Leser aus der Situation zu bringen und nicht aprupt zu enden, sondern mit einem abschließenden Satz zu enden. Hierbei können Sie die möglichen Folgen des Erlebnisses knapp anreißen. Weiterhin achten Sie auch im Schluss auf eine lebendige Art der Darstellung und schmücken das Ganze mit lebhaften und stark beschreibenden Adjektiven aus.

Checkliste für die fertige Schilderung

  • Hat der Text eine passende Überschrift (kurz, knapp, interessant)?
  • Ist die Einleitung knapp und führt in die Situation ein?
  • Zeichnet sich der Text durch zahlreiche Sinneseindrücke aus, so dass das Geschehen für den Leser wahrnehmbar und nachvollziehbar ist? Hier eignet sich die Figur der Synästhesie.
  • Die gewählten Verben und Adjektive sind anschaulich und passen zum Beschriebenen?
  • Der Text wurde im Präsens verfasst und ist aus der Ich-Form geschrieben?
  • Der Text ist ausführlich und das Beschriebene vorstellbar?

Beispielhafte Schilderung

Um das Beschriebene an dieser Stelle anhand eines Beispiels zu verdeutlichen, möchten wir einen Besuch beim Zahnarzt schildern. Anhand des Beispiels lassen sich alle vorgestellten Elemente nachvollziehen und ausfindig machen. Der Schwerpunkt liegt auf Vergleichen und Metaphern.

Ich sitze im grellen Wartezimmer des Zahnarztes. Mein Blick schweift über die Wartenden. Die Frau zu meiner Linken blättert knisternd in der Illustrierten, atmet schwer und blickt durch dicke Brillengläser starr auf den Text. Neben ihr sitzt ein älterer Herr, der zahnlos in die Mitte des hellen Raumes blickt und einen beißenden Geruch verströmt. Er riecht wie das braune Sofa meiner Großmutter, nur ein wenig stechender. Ihm gegenüber sitzt ein weiterer Mann, er ist dünn wie ein Gras im Wind und sein schmächtiger Körper bewegt sich ängstlich auf und ab. Es graut ihm vor der anstehenden Untersuchung.

Das Wartezimmer ist mit zahlreichen Bildern geschmückt; auf dem einen lächelt eine Frau die wartenden Patienten an und wird von zwei Landschaftsfotografien eingerahmt. Der Rest ist Kunst – abstrakte Linien, kreischende Farben, wilde Punkte, die im krassen Gegensatz zur sonstigen, kalten Atmosphäre stehen.

Blechern ertönt augenblicklich eine Stimme und ruft meinen Namen auf. Darauf hatte ich gewartet, doch auch ich habe Angst. Der schrille Klang des Bohrers in den letzten Minuten hat das auch nicht verändert. Ich erhebe mich und trete ein in gleißendes Weiß. Mein Zahnarzt und seine junge Assistentin begrüßen mich. Den genauen Wortlaut kann ich nicht verstehen, da das Blut laut durch meinen Kopf strömt und sämtliche Stimmen durch den Mundschutz gedämpft klingen.

Es kommt mir so vor, als wäre der Raum in Desinfektionsmittel getüncht worden, der widerwärtige Geruch steigt mir in die Nase, breitet sich dort aus und erinnert mich an all die Zahnarztbesuche meines Lebens. Ich lasse mich sanft auf den gepolsterten Stuhl gleiten, lege meine Beine auf die graue Erhebung und schließe zitternd die Augen. Ganz warme Hände legen mir hektisch ein Lätzchen um. Mein Zahnarzt versucht, mich zu beruhigen und ich öffne widerwillig den Mund.

Nach der anfänglichen Untersuchung und einigen genuschelten Lauten, bitte ich um eine Betäubung, um die folgende Untersuchung lebend zu überstehen. Der Arzt kneift die wasserblauen Augen zusammen, die ruhig über dem grünen Mundschutz liegen. Wie ein Riss in aufgebrochener Erde blitzen sie und er nickt. Als die Kanüle in mein weiches Zahnfleisch dringt, verliere ich augenblicklich das Bewusstsein.

Als ich die Augen öffne, schaue ich in ein lachendes Arztgesicht, das mit nette Worte sagt. Mein eigenes kann ich nicht mehr spüren. Schade, dass nicht jeder Besuch beim Zahnarzt so verläuft, denn ohne Erinnerung, dass eine Untersuchung war, ist das Ganze auch nur noch halb so schlimm.

Hinweis: Die genauen Vorstellungen und Anforderungen an eine Schilderung sollten unbedingt mit einem Deutschlehrer abgesprochen werden. Es gibt zahlreiche Angaben und unterschiedliche Vorgehensweisen. Grundsätzlich geht es aber darum, eine Situation oder ein Erlebnis mit eigenen Wortern sowie möglichst detailliert und für den Lesenden nachvollziehbar zu schildern. Demzufolge ist die Schilderung immer subjektiv und muss unter keinen Umständen vollständig sein.


Es gibt übrigens eine Form des Aufsatzes, die einer Schilderung sehr ähnlich ist: eine Erlebniserzählung. Hier geht es allerdings darum, dass das Beschriebene im Verlauf immer spannender wird und auf einen Höhepunkt ausgerichtet ist. Eine Spannungskurve braucht die Schilderung jedoch nicht. Weiterhin ist die Erlebniserzählung nicht unbedingt im Präsens geschrieben, was bei der Schilderung aber so sein sollte.