WORTWUCHS | Literaturlexikon

einzigste / einzige

Das Adjektiv einzige sagt aus, dass eine Sache nicht mehrfach vorkommt oder einzigartig ist. Wenn es eine Sache nur einmal gibt, kann das beschreibende Adjektiv nicht mehr gesteigert werden, da die Sache in ihrer Eigenschaft nicht zu überbieten ist. Folglich ist die Steigerung einzigste falsch. Hierbei wird einzig fälschlicherweise als Superlativ verwendet. Es handelt sich bei einzigste also um die Steigerung eines nicht steigerbaren Adjektivs. Eine solche Steigerung wird als Hyperlativ bezeichnet. In Texten kann dies als Stilmittel gelten.
falsch einzigste
richtig einzige

Erläuterungen zu einzigste / einzige

Einer der häufigsten Fehler – vor allem in der gesprochenen Sprache – ist die Verwendung des vermeintlichen Superlativs einzigste. Wenn eine Sache einzigartig ist, kann eine andere Sache nicht einzigartiger als diese sein, da sie dann per Definition unvergleichlich in ihrer Art ist. Die Steigerung des Adjektivs einzig zu einzigste ist falsch.

Das Wort einzig gibt in seiner Bedeutung also schon den Maximalgrad an. Eine Steigerung, die über diesen Maximalgrad hinausgeht, wird als Hyperlativ bezeichnet. Zwar können die meisten Adjektive dreifach gesteigert werden, wobei zwischen Positiv (Grundstufe), Komparativ (Höherstufe) und Superlativ (Höchststufe) unterschieden wird, doch ergibt dies in Bezug auf das Wort einzig keinen Sinn.

Beispielsweise ist der Eiffelturm ein wirklich hohes (Positiv) Bauwerk und wenn sich ein Gebäude findet, das im Vergleich noch mehr Meter misst, ist es natürlich höher (Komparativ). Allerdings gibt es auch ein Bauwerk, das von keinem anderen überragt wird. Dieses ist dann am höchsten (Superlativ). Derzeit ist es der Burj Khalifa (828 m, Dubai).

Das bedeutet nun, dass der Positiv die einfache Zuschreibung einer Eigenschaft meint, wohingegen der Komparativ eine Sache mit einer anderen vergleicht und der Superlativ die höchste Steigerung einer Eigenschaft darstellt. Diese Sache ist dann nicht mehr zu überbieten. Nun gibt es aber auch Adjektive, die sich nicht steigern lassen, da sie in ihrer Bedeutung schon den Maximalgrad erreicht haben.

Einerseits trifft das auf einzig zu, doch natürlich gibt es noch viele weitere Beispiele, wie etwa falsch, lebendig, schwanger, tot, fertig, entscheidend oder auch optimal, leer und unnahbar.

einzigste als Stilmittel

Grundsätzlich gilt, dass jede Form der Literatur, die nicht immer an die Regeln der Rechtschreibung gebunden sein muss, spielerisch mit Sprache umgehen kann. Folglich finden sich hier auch Beispiele für den Hyperlativ, der verstärkend wirken kann (vgl. Hyperbel).

Beispielsweise schreibt der Dichter Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1775 an Auguste Stolberg einen Brief, der mit dem folgenden Abschnitt endet und zeigt, dass das Wort schon Jahrhunderte im Umlauf ist und folglich nicht erst in der Gegenwart auftauchte:


Gute Nacht, Engel. Einzigstes, einzigstes Mädchen, und ich kenne ihrer viele.

Nun ist natürlich nicht ersichtlich, ob Goethe das Wort schlicht und ergreifend falsch gebrauchte oder ob es hier tatsächlich als Stilmittel zum Einsatz kommt. Man ist aber wohl geneigt, dem Dichter einen bewussten Einsatz zuzutrauen. Dann wäre dies eine eindeutige und bewusste Erhöhung des Wortes, um das Gesagte zu steigern.

Wertet man etwa die digital verfügbaren Werke von Goethe aus, fällt nämlich auf, dass das Wort einzigste lediglich 7 mal auftaucht und die korrekten Schreibungen einzig (106) und einzige (381) häufiger verwendet werden. Somit ist der bewusste Einsatz wahrscheinlich.


Neu ist der Einfall doch nicht, man hat ja selber den höchsten,
Einzigsten, reinsten Begriff Gottes in Teile geteilt.

Das obige Beispiel ist dem Werk Der Gegner von Friedrich Schiller entnommen. Auch hierbei wird das Wort als Steigerung des Gesagten genutzt. Auch der Hyperlativ reinsten wird hier verwendet, um das Nachfolgende durch den Einsatz zu verstärken.

Hinweis: Das Wort einzig kann grundsätzlich nicht gesteigert werden, da das Wort in seiner ursprünglichen Bedeutung darauf verweist, dass es eine Sache eben nur einmal gibt. In der Umgangssprache wird das Wort teils gesteigert und auch in der Literatur kann es als Stilmittel verwendet werden, wenn der Maximalgrad verstärkt werden soll. Ein solcher Hyperlativ ist allerdings als Ausdruck des Überschwangs gebräuchlich und ansonsten ebenfalls falsch.

Verbreitung von einzigste und einzige

Im Zusammenhang mit komplizierten Wörtern und Schreibweisen ist es immer sehr spannend, einmal auf die Verbreitung des Fehlers zu blicken und dadurch zu prüfen, ob das Wort wirklich rechtschreiblich schwierig ist. Dafür eignet sich das Programm Google Trends, das einen Vergleich der Google-Suchhäufigkeit diverser Begriffe erlaubt.



Die beiden Graphen in der obigen Trendanalyse zeigen nun, dass die korrekte Schreibweise durchaus häufiger via Google gesucht wird. Dennoch wird auch die Falschschreibung sehr häufig gesucht. Immerhin macht sie rund 20% der gesamten Suchanfragen aus.

Demnach ist das Wort tatsächlich rechtschreiblich schwierig. Ähnlich oft werden beispielsweise Zuchini / Zucchini, Gallerie / Galerie, Blombe / Plombe oder Triologie / Trilogie falsch geschrieben.

Beispiele mit korrekter Schreibweise

Wörter, die rechtschreiblich schwierig sind oder häufig zu Fehlern führen, lassen sich vielleicht am besten erlernen, wenn man sie häufig korrekt liest. Deshalb möchten wir diesen Beitrag mit drei Beispielsätzen beenden, die die richtige Schreibweise des beschriebenen Wortes zeigen und verdeutlichen.


Das ist einzig und allein meine Schuld.
Ich bin der Einzige, der heute einen Vortrag halten musste.
Wir waren die einzigen Gäste in der Kinovorstellung.