WORTWUCHS | Literaturlexikon

Gedult / Geduld

Das Nomen Geduld meint die Fähigkeit zu warten und wird oftmals als Tugend gewertet. Es geht auf das althochdeutsche gidult zurück und ist seit dem 8. Jahrhundert im Deutschen belegt. Obwohl das Wort auf den Laut [t] endet, wird es Geduld geschrieben. Die Schreibweise Gedult ist demnach falsch. Es ist hilfreich, Wörter zu verlängern, wenn unklar ist, auf welchen Konsonanten sie enden. Das geschriebene d wird etwa beim Verb gedulden hörbar.
falsch Gedult
richtig Geduld

Erläuterungen zu Gedult / Geduld

Das Substantiv Geduld ist rechtschreiblich schwierig. Dieser Umstand lässt sich vor allem durch die Aussprache begründen. Wer das Wort nämlich – ohne dieses zu verlängern – spricht, bildet am Ende einen eindeutigen t-Laut. Geschrieben wird aber ein d. So verhält es sich aber fast bei allen Wörtern, die auf den Buchstaben d enden.

Schauen wir uns die Geduld in der Darstellung des Internationalen Phonetischen Alphabets an, wird deutlich, wo das Problem liegt – ausgesprochen wird sie nämlich folgendermaßen: [ɡəˈdʊlt]. Der Laut am Ende, also [t], wird als stimmloser alveolarer Plosiv bezeichnet.

Es handelt sich also um einen Konsonanten, bei dessen Aussprache das d zwar gesprochen wird, aber ohne dass es von einem hörbaren Hauchgeräusch begleitet wird. Dies ist aber vor allem für t-Laute üblich, wie etwa bei Ratte oder Braten, wohingegen Wörter, die mit einem d geschrieben werden, dieses zumeist stimmhaft bilden, wie etwa bei den Substantiven Biedermeier, Adebar oder auch Moderne.

Der springende Punkt ist hierbei, dass das d, wenn es am Ende einer Silbe steht, stimmlos gesprochen wird. Beispielsweise lässt sich dies bei den Wörtern bald, rund oder auch Jugendstil beobachten.

Ebendiese Beobachtung lässt sich nun auch auf das Nomen Geduld übertragen. Da das d am Ende des Wortes und somit auch am Ende der Silbe steht, wird es stimmlos gesprochen und klingt nach einem t-Laut. So hört es sich zwar richtig an, doch Gedult ist falsch.

Tipp: Vor allem Wörter, die auf d oder t enden oder eine Silbe in sich tragen, die auf diese Buchstaben endet, sind häufig rechtschreiblich schwierig (vgl. entlich /endlich, Standart/ Standard). Hilfreich kann es sein, das Wort zu verlängern. Bei Geduld bietet sich etwa das Verb gedulden an, das das d „hörbar“ macht. Die Schreibweise Gedult muss also inkorrekt sein.

Verbreitung von Gedult und Geduld

Es ist spannend, bei Wörtern, Wortfamilien oder Wortfolgen, welche rechtschreiblich sehr schwierig sind, einmal auf die Verbreitung der Falschschreibung zu blicken. Dafür eignet sich das Programm Google Trends. Es erlaubt uns, Begriffe aufgrund ihrer Suchhäufigkeit bei Google miteinander zu vergleichen und somit zu bewerten.



Das obige Schaubild macht deutlich, dass die falsche Schreibweise Gedult sehr viel weniger bei Google gesucht wird, als die korrekte Schreibung des Wortes. Das bedeutet, dass der Fehler nicht sehr häufig gemacht wird. Dennoch basieren rund 5% aller Anfragen auf einem Fehler, wenngleich dies immer seltener geschieht.

Vergleichbar ist diese Verbreitung in etwa mit der Fehlerquote bei den Wörtern abrupt / aprupt, paralell / parallel oder Looser / Loser. Kein Vergleich also zu den häufigen Fehlern bei Terasse / Terrasse und wiederspiegeln / widerspiegeln sowie Reflektion / Reflexion.

Beispiele mit korrekter Schreibweise

Wörter und Wortfolgen, die rechtschreiblich schwierig sind und uns orthografisch Stolpersteine in den Weg legen, lassen sich wohl am besten verinnerlichen, wenn sie häufig korrekt geschrieben und gelesen werden. Deshalb möchten wir diesen Beitrag mit einigen Beispielsätzen abschließen, die das Wort richtig verwenden.


Ich glaube, ich habe dich häufig auf die Geduldsprobe gestellt.
Wer’s Recht hat und Geduld, für den kommt auch die Zeit.
Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.
Es ist nichts schwerer, als mit sich selbst Geduld haben.