WORTWUCHS | Literaturlexikon

Schüttelreim

Der Schüttelreim ist eine Reimart sowie eine Sonderform des Doppelreims. Als Schüttelreim wird ein Reimspiel mit den Wortbedeutungen bezeichnet. Die Anfangskonsonanten von zwei oder mehreren reimenden Silben oder Wörtern eines Reimpaars werden zu einem neuem Sinn zusammengefügt, wodurch sich in der Regel ein humoriger oder auch überraschender Zweizeiler ergibt.

In der Literatur finden sich viele Beispiele, bei denen die letzten beiden betonten Silben vertauscht sind. Da das Schema allerdings sehr häufig variiert wird, gibt es ganz verschiedene Spielarten der Reimform, wodurch auch die Kadenzen wechselhaft erscheinen. Schauen wir nun auf ein prominentes Beispiel.


Es klapperten die Klapperschlangen,
bis ihre Klappern schlapper klangen.

Das obige Beispiel besteht aus zwei Versen. Hier wurden die Konsonanten k und sch im nachfolgenden Vers vertauscht. Dadurch wurde aus dem Wortteil Klapper das Adjektiv schlapper und aus den Schlangen das Wort klangen. Unterstützt wird der Effekt natürlich dadurch, dass sich die Wörter, deren Silben vertauscht wurden, außerdem aufeinander reimen. Schauen wir auf ein weiteres Beispiel.


Ein Auto fuhr durch Gossens
Durch eine wahre Soßengass‘
Bis dass die ganze Gassens
Sich über die Insassen g

Dieses Beispiel ist ein Vierzeiler, wohingegen die meisten Schüttelreime Zweizeiler sind. Hierbei werden in jeder Verszeile die Anfangskonsonanten des vorherigen Verses getauscht. Grundsätzlich basiert das Ganze auf der Vertauschung von s und g, wobei die Paarreime den Effekt weiterhin steigern.

Weitere Schüttelreim-Beispiele (Klappt beim Klicken auf!)

Nachfolgend finden Sie zahlreiche weitere Beispiele. Der Zeilenumbruch ist durch // angegeben. Die Beispiele sind unkommentiert, wobei ersichtlich sein sollte, wie sie aufgebaut sind.

  • Ach Gottchen‘, sprach der Sohn betroffen, // ‚die Mutter liegt vorm Thron. Besoffen …‘
  • Als Ruth von ihrem Russen schied, // da fuhr sie heim nach Schussenried.
  • Am Anfang war Herr Schnabel nur // das Ende einer Nabelschnur.
  • Am besten Du die Zeitung liest // am Ort, wo Du die Leitung ziehst.
  • Am Waldrand liegt ein totes Reh, // es trägt im Fell ein rotes T.
  • Beim Mahle rief der Kaiser laut, // ich bitte, dass man leiser kaut.
  • Beim Zahnarzt in den Wartezimmern, // da hört man nicht nur Zarte wimmern.
  • Buddha, nach der netten Fabel, // starrt auf seinen fetten Nabel.
  • Der Männerchor trinkt Bier vom Fass, // betrunken sind schon vier vom Bass.
  • Der Mond am Himmel golden hing, // da ich zu meiner Holden ging.
  • Der Reiche ganz in Leinen steckt, // die Finger sich nach Steinen leckt.
  • Die Nacht ist lau, wir wollen tanzen, // doch auf dem Boden tollen Wanzen.
  • Die Nacht war schön im Liegewagen, // bald Kinder in der Wiege lagen.
  • Die Predigt, mit Gefühl gestaltet, macht Hände im Gestühl gefaltet.
  • Es essen manche Sippen Kuchen, // wenn Arbeitslose Kippen suchen.
  • Es dufteten des Recken Hosen, // wahrlich nicht nach Heckenrosen.
  • Es gibt der laute Zeisig Ruh’, // stopft man sein Maul mit Reisig zu.
  • Gibst du mir einen Schlummerkuss, dann ist mit meinem Kummer Schluss.
  • Glaub‘ nicht, dass alle Zungen lügen, // die warnen vor den Lungenzügen.
  • Hier darf man nur mit Haube tauchen, hörte ich die Taube hauchen.
  • Hinter den Gardinen sehen // wir erstaunt Sardinen gehen.
  • Ich werd‘ mich an die Lotte ketten // die macht die besten Kotteletten.
  • Ich stand auf einer Landungsbrücke // und schaute in die Brandungslücke.
  • Im Dorngesträuch die Schlehe reift, // der Wilddieb tote Rehe schleift.
  • Im Kloster, das Sankt Gallen heißt, // spukt jede Nacht ein Hallengeist.
  • Kaum ging es der Mutter besser, // setzt sie sich ins Buttermesser.
  • Macht sich einmal der Bauer schön, // dann kommen gleich die Schauerböen.
  • Machst du mir keinen Topfenstrudel, // werd´ ich dich nicht mehr stopfen Trudel.
  • Nach seiner letzten Schicht lallt er // und trifft nur schwerlich den Lichtschalter.
  • Natürlich könnt ihr, meine Hessen, // euch stets mit Heinrich Heine messen.
  • Nicht alles auf die Waage legen, // der angespannten Lage wegen.
  • Selbst der Eunuch, der Hodenlose, // kauft gern bei Frey die Lodenhose.
  • Sechsmal am Tag im Rosenhaus // schlüpft Rosi aus den Hosen raus.
  • Vertrauet bei den schweren Dingen // auf Engel und auf deren Schwingen.
  • Wenn Männer sich auf Weiber legen, // tun sie es meist der Leiber wegen.
  • Wenn nach der Schicht der Steiger geht, // am Zechentor ein Geiger steht.
Kurzübersicht: Bedeutung, Wirkung und Funktion des Schüttelreims

  • Der Schüttelreim ist eine Reimart und eine Sonderform des Doppelreims. Hierbei werden meist die Anfangskonsonante eines Reimpaars vertauscht und so zu einem neuen, oft humorigen, Sinn zusammengefügt. Die meisten Schüttelreime sind Zweizeiler.
  • Die ausgetauschten Konsonanten liegen jeweils auf den betonten Silben. Da der Schüttelreim allerdings sehr häufig variiert wird, kann sich dies aber in einigen Fällen anders verhalten.
  • Eine Sonderform des Schüttelreims ist der Quadrupelreim. In diesem Fall sind nicht nur die Anfangsbuchstaben gleich, sondern auch die Vokale (Bsp.: Sage liegen // Lage siegen).
  • Meist begegnet uns der Schüttelreim in humorvoller Lyrik, wobei er einen überraschenden, fast witzigen Effekt hat. Bekannte Dichter, die den Schüttelreim exzessiv nutzen, sind Erich Mühsam oder auch der österreichische Komponist Franz Mittler.
  • Ganze Schüttelreimsammlungen gaben unter anderem Hans Arthur Thies, Benno Papentrigk, Manfred Hanke, Franz Mittler, Wendelin Überzwerch, Leo Kettler und Erich Mühsam heraus.

Stichwortverzeichnis