Das Singularetantum, auch Singularwort, ist ein Nomen, das nur im Singular, also in der Einzahl, vorkommt. Das Gegenstück ist das Pluraletantum. Dieses meint einen Begriff, der ausschließlich im Plural, also in der Mehrzahl, existiert. Der Plural von Singularetantum ist Singulariatantum oder auch Singularetantums. Beispiele für solche Singulariatantum sind etwa Obst, Fleisch oder auch Lärm. Beispiele für das Pluraletantum sind etwa die Annalen oder auch die Memoiren.

Der Begriff leitet sich von den lateinischen Wörtern singularis, welches sich mit im Singular stehend übersetzen lässt und tantum, das nur bedeutet, zusammen. Folglich verrät bereits die Übersetzung des Wortes, worum es hierbei geht: nämlich um eine Sache, die nur im Singular stehend vorkommt.

Allerdings sind solche Pluralbildungen meist denoch indirekt möglich. Dafür können Singulariatantum mit anderen Nomen kombiniert werden. Man spricht hierbei von Komposita. So ist etwa das Wort Obst ein Singularetantum und existiert folglich ausschließlich im Singular, wird aber in der Kombination mit dem Wort Sorte in Plural und Singular denkbar (Die Obstsorte, die Obstsorten …).


Beispiel für ein Singularetantum und Erklärung der indirekten Pluralbildung

Das obige Beispiel-Bild verdeutlicht das beschriebene Prinzip. Durch die Kombination mit einem anderen Nomen wird das Singularwort zum Kompositum aus mehreren Wörtern. Wird hiebei ein Begriff verwendet, der eine Pluralbildung erlaubt, ist demnach auf einem indirekten Weg möglich, die Mehrzahl eines Singularetantum zu bilden. Machbar ist dies aber nicht in jedem Fall.

Beispiele für das Singularetantum

Konkreta (bezeichnen Gegenständliches)
der Lärm, der Schutz, das Obst, das Fleisch, der Schnee …
Abstrakta (bezeichnen Nichtgegenständliches)
der Durst, der Hunger, der Hass, die Vernunft, die Gegenwart, die Ruhe, der Überfluss, die Wehmut, das All, das Chaos, das Nichts …
substantivierte Verbinfinitive
Denken, Verzeihen, Laufen, Vergessen …
substantivierte Adjektive
das Deutsche, das Englische, das Unvergessliche, die Unwegsamkeit …
Stoffnamen
Gold, Silber, Eisen, Helium, Neon …
Viele Nomen mit -keit oder -heit
Gesundheit, Dunkelheit, Einsamkeit …
Namen der meisten Organisationen
Post, Telekom, Lufthansa …

Formale Singulariatantum

Es gibt Begriffe, die in ihrer grundsätzlichen Bedeutung ganz klar ein Singularwort sind, aber darüber hinaus auch noch einen Nebensinn haben, der sowohl im Singular als auch im Plural denkbar ist. Diese Wörter sind streng genommen keine Singulariatantum.

Dies trifft beispielsweise auf das Wort Schönheit zu, das eigentlich keine Mehrzahl kennt. Wir nutzen es als abstrakten Begriff um die Schönheit von Dingen oder Sachverhalten zu benennen. Allerdings werden auch schöne Menschen als Schönheit bezeichnet und diese können eben auch in der Mehrzahl benannt werden (die Schönheiten). Das Gleiche gilt übrigens auch für das Substantiv Dummheit.

Kurzübersicht: Das Wichtigste im Überblick

  • Das Singularetantum, auch Singularwort, ist ein Nomen, das ausschließlich im Singular, also in der Einzahl, vorkommt. Das Gegenstück ist hier das Pluraletantum. Dieses bezeichnet einen Begriff, der ausschließlich im Plural, also in der Mehrzahl, existiert.
  • Obwohl ein solches Singularwort per Definition nur im Singular vorliegen kann, gibt es eine Möglichkeit, indirekt einen Plural zu bilden: nämlich mithilfe eines Nomens, das eine Mehrzahl hat. Dieses wird mit dem Singularwort kombiniert. Man spricht in der Grammatik von Komposita (Bsp.: Schnee → Schneemassen, Laub → Laubsorten).
  • Darüber hinaus gibt es Wörter, die im Eigentlichen ein Singularetantum sind, aber noch einen zusätzlichen Nebensinn haben, der eine Pluralbildung möglich macht. Als Beispiel kann der Begriff Schönheit angeführt werden, der keine Mehrzahl kennt. Wird der Begriff aber als Bezeichnung für Zählbares verwendet, ist die Pluralbildung möglich (Schönheiten).
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Singularetantum
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001