WORTWUCHS | Literaturlexikon

Spitten

Als Spitten wird eine Technik im Rap (rhythmischer, schneller Sprechgesang) bezeichnet, bei der bestimmte Reime zum Einsatz kommen. Hierbei werden Wörter oder Wortfolgen aufeinander gereimt, die (fast) identisch gesprochen werden, wobei sie teilweise gleiches Buchstabenmaterial aufweisen (vgl. Zwillingsreim), aber nicht das Gleiche bedeuten. Der Effekt wird entweder dadurch erzielt, dass das jeweilige Reimwort bei gleicher Schreibweise verschiedene Bedeutungen hat (vgl. Identischer Reim) oder aber die Reimwörter an unterschiedlichen Stellen getrennt werden und dadurch neue Wörter entstehen. Wird beispielsweise die Wortfolge Alter Eimer anders getrennt, wird daraus Alte Reimer. Gemeinhin – vor allem im englischen Sprachraum – werden das Nomen spit sowie das Verb to spit aber auch als Bezeichnung für den Rapgesang selbst verwendet.

Der Begriff leitet sich vom englischen Verb to spit ab, das sich mit spucken oder auch fauchen, übersetzen lässt. Die Übersetzung verweist demnach recht bildlich auf eine bestimmte Eigenschaft des Raps. Die Analogie zwischen dem Ausspucken von Wörtern und dem schnellen Vortragen oder eben Ausstoßen von schnellen Wortfolgen, ist nämlich tatsächlich gar nicht so weit hergeholt und erscheint naheliegend.

Wie beschrieben, meint spitten aber darüber hinaus eine ganz bestimmte Reimtechnik. Hierbei geht es darum, dass ähnliches oder gleiches Buchstabenmaterial aufeinander gereimt wird, aber jeweils mit einem andere Sinn behaftet ist. Schauen wir dafür auf ein Beispiel des Rappers Eko Fresh:


Selbst ist der Mann, ich bin ein überragender Typ
Zeig mir einen Rapper, ich überrage den Typ

Dieses Beispiel ist der zweiten Strophe des Tracks Bitte Spitte 2010 entnommen, der bereits im Titel auf das Spitten im Text verweist. Hierbei wird die Wortfolge überragender Typ auf überrage den Typ gereimt. Zwar bleibt das Nomen Typ identisch, doch aus dem Adjektiv überragender werden nun zwei Wörter. Demnach klingen die gereimten Elemente nahezu gleich und fußen auf ähnlichen Buchstaben, haben dabei aber einen anderen Sinn. Das wird als spitten bezeichnet. Schauen wir auf ein weiteres Beispiel:


Danach hab ich im Hotel mit ihr ein Abenteuer
Kokain und Sekt, für mich wird der Abend teuer

Diese Zeilen stammen aus Farid Bangs Bitte Spitte 5000. Auch in diesem Beispiel stehen am Zeilenende die jeweiligen Reimwörter (vgl. Endreim). Das Nomen Abenteuer und die reimende Wortfolge (Abend, teuer) klingen nahezu identisch, haben aber eine unterschiedliche Bedeutung. Farid Bang spittet also in diesem Text, was auch hier bereits der Titel verrät. Schauen wir auf ein abschließendes Beispiel von Kool Savas:


Obwohl du niemals freestylen konntest gehst du doch zum Freestyle-Contest

Das Beispiel ist Kool Savas‘ Track Deutschlands 1 entnommen. In diesem Fall stehen die sich reimenden Wörter nicht am Ende der jeweiligen Zeile, sondern im Inneren. Demnach handelt es sich nicht um einen End-, sondern um einen Binnenreim. Grundsätzlich wären auch andere Reimarten denkbar. Zumeist handelt es sich im Rap aber um Anfangs-, End- oder Binnenreime, die beim Spitten gebraucht werden.

Sätmliche Beispiele verdeutlichen das grundsätzliche Prinzip des Spittens. Einerseits ist es natürlich ein Mittel, um die einzelnen Zeilen eines Tracks miteinander zu verbinden oder aufeinander zu beziehen, wie es sämtliche Formen des Reims tun. Darüber hinaus kann der Einsatz der beschriebenen Technik aber einen überraschenden Effekt auf den Hörer haben. Nämlich dann, wenn das Wortspiel erkannt wurde.


Die verschiedenen Reime beim Spitten im Rap. Als Beispiel werden Anfangsreim, Binnenreim und Endreim gezeigt.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Spitten im Überblick


  • Als Spitten wird eine Technik im Rap (rhythmischer, schneller Sprechgesang) bezeichnet, bei welcher bestimmte Reime zum Einsatz kommen. Hierbei werden Wörter oder Wortfolgen aufeinander gereimt, die (fast) identisch gesprochen werden, wobei sie teilweise gleiches Buchstabenmaterial aufweisen (vgl. Zwillingsreim), aber nicht das Gleiche bedeuten.
  • Zumeist kommen bei dieser Raptechnik Anfangs-, Binnen-, oder Endreime zum Einsatz, wenngleich natürlich beinahe jegliche Reimform möglich wäre. Darüber hinaus kann das Spitten durchaus als eine Art Stilmittel gewertet werden, welches in der Regel einen überraschenden oder auch humorigen Effekt hat, wenn das Wortspiel entdeckt wird.

  • Video-Beispiele: Bitte Spitte 2010 (Eko Fresh feat. Farid Bang), Bitte Spitte 5000 (Farid Bang)

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