WORTWUCHS | Literaturlexikon

Allusion

Die Allusion ist ein rhetorisches Stilmittel, das in allen literarischen Gattungen auftauchen kann. Als Allusion wird das Verwenden von Ausdrücken bezeichnet, die indirekt, also umschreibend und andeutungsweise, auf eine bestimmte Person oder auch einen bestimmten Sachverhalt verweisen. Die Stilfigur ist demzufolge eine Form der Anspielung und außerdem mit der Periphrase verwandt, die ebenfalls eine umschreibende Erwähnung bezeichnet.

Der Begriff lässt sich vom lateinischen alludere ableiten und mit etwas anspielen oder auch etwas andeuten übersetzen. Demzufolge zeigt uns schon die Übersetzung der Figur, worum es hier grundsätzlich geht: das Verwenden von Wörtern, die auf eine Person oder einen Sachverhalt anspielen [und ihn so umschreiben, ohne diesen direkt zu benennen]. Schauen wir zur Veranschaulichung auf ein Beispiel für das Stilmittel.


Fachlich hat er es drauf, doch sein Vortrag war daneben.
Die mündliche Präsentation ist eben seine
Achillesferse.

Das obige Beispiel sagt aus, dass jemand weiß, wovon er spricht, aber nicht in der Lage ist, sein Wissen gut zu präsentieren. Dabei wird eine spachliches Bild genutzt: das der Achillesferse. Achill ist eine Gestalt aus der griechischen Mythologie. Seine Mutter tauchte ihn in den Fluss Styx, was ihn unverwundbar machte. Seine Ferse aber, an der sie ihn festhielt, kam nicht mit dem Wasser in Berührung.

Somit blieb Achill an dieser Stelle verwundbar, weshalb die Ferse sein einziger Schwachpunkt war. Wenn im Beispiel nun ausgesagt wird, dass mündliche Präsentationen die Achillesferse des Redners sind, wird auf ebendiesen Mythos angespielt. Das nennt man Allusion (ergänzend dazu: Metapher-Beispiele).


Thomas hat mich die ganze Zeit belogen. Ich wundere mich,
dass seine Nase nicht so aussieht, wie die von
Pinocchio

Auch dieses Beispiel verweist auf eine bekannte Geschichte. Pinocchio ist eine Figur, die der Autor Carlo Collodi erschuf. Seine Nase wächst immer dann, wenn er Lügen erzählt. Demzufolge spielt der obige Satz auf genau diesen Umstand an und somit auf die Kinderbuchfigur und ihre Eigenschaften.


Er ist ein wahrer Romeo in Bezug auf Frauen.

William Shakespeare veröffentlichte 1597 seine Tragödie Romeo und Julia, ein Werk, das die tragische Liebe der beiden titelgebenden Protagonisten erzählt. Das obige Beispiel verweist so auf den Helden des Dramas: Romeo und dessen romantische Liebesbekundungen an Julia und ist demnach eine Allusion.

Hinweis: Die Allusion verweist folglich durch die Nennung einer Person oder eines Sachverhalts indirekt auf die Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Demnach transportiert sie an den Empfänger bestimmte Eigenschaften, die mit der jeweiligen Begebenheit im Zusammenhang stehen. Damit die Allusion ihre Wirkung entfalten kann, muss das, worauf sie verweist, dem Empfänger (Leser, Hörer) bekannt sein.

Wirkung und Funktion der Allusion

Es ist nicht immer sinnvoll, einem rhetorischen Stilmittel eine eindeutige Funktion oder Wirkung zuzuschreiben. Dann laufen wir nämlich Gefahr, die Stilfigur jedes Mal darauf zu reduzieren und überprüfen nicht, ob es sich tatsächlich so verhält. Dennoch möchten wir Hinweise geben.

Übersicht: Wirkung, Funktion und Bedeutung der Allusion

  • Die Allusion ist eine Art der Anspielung, da sie indirekt auf einen bestimmten Sachverhalt oder eine bestimmte Person verweist. Meist stammen diese Referenzen aus dem Bereich der Mythologie, Geschichte oder der Literatur.
  • Demzufolge muss dem Empfänger die zugrunde liegende Begebenheit bekannt sein, so dass die Allusion ihre volle Wirkung entfalten kann. Umso kleiner der Bekanntheitsgrad des Verweises, umso kleiner natürlich auch der Kreis derjenigen, die die Anspielung entschlüsseln können.
  • Somit kann das Stilmittel durchaus eine Botschaft verschlüsseln. Wenn nämlich nur einem sehr kleinen Kreis von Auserwählten die Bedeutung einer Äußerung, also der Anspielung, bewusst wird, wird der große Teil der Leserschaft vom sprachlichen Bild ausgeschlossen.
  • Die Allusion kann einerseits dafür sorgen, dass dem Leser oder auch Zuhörer einer Botschaft die entsprechende Passage in Erinnerung bleibt, da man bildhafte Zusammenhänge in der Regel besser erinnert.
  • Andererseits ermöglicht sie es dem Autoren, einen komplexen Sachverhalt mit wenigen Worten zu erklären. Wer beispielsweise darauf verweist, dass eine Software ein Trojanisches Pferd ist, muss nicht den Hintergrund erklären, wenn dem Empfänger die Sage um Troja bekannt ist.

Stichwortverzeichnis