Die Anadiplose ist eine Stilfigur aus dem Bereich der Wortwiederholungen, wie beispielsweise die Anapher oder Epipher und ist eine Sonderform der Epanalepse. Das Wort Anadiplose lässt sich aus dem Griechischen ableiten und bedeutet soviel wie Wiederholung oder Verdopplung (gr. ἀναδίπλωσις ~ anadíplōsis).

Die Anadiplose ist die Wiederholung des letzten Satzes oder Wortes zu Beginn eines darauffolgenden Satzes respektive Verses, wodurch einzelne Elemente hervorgehoben und verstärkt werden können.

Aufbau der Anadiplose

Die Anadiplose folgt einem recht einfachen Aufbau, der ungefähr nach dem Schema A B C D. D E F G funktioniert. Dabei kommt es allerdings nicht auf die anderen Worte an, die die Anadiplose umschließen. Diesen wird in hierbei keine besondere Rolle zugeschrieben.

Anadiplose bei Schiller

Die Anadiplose verstärkt das Wort ‚höhnen“. (Schiller).

Der obige Vers stammt aus Schillers Gedicht An Minna. Hier wird durch den Einsatz der Anadiplose das Verb höhnen in den Vordergrund gedrängt und erfährt dadurch die unmittelbare Aufmerksamkeit des Rezipienten, also des Lesers.

Beispiele für die Anadiplose

Es gibt zahlreiche Beispiele für den Einsatz einer Anadiplose, wobei es mitunter recht schwierig ist, sie klar von anderen rhetorischen Figuren der Wiederholung abzugrenzen.

Die folgende Auswahl soll dabei die Eigenarten der Stilfigur aufzeigen und deutlich machen, wie sie im Text funktioniert oder eingesetzt wird. Dennoch ist es natürlich wichtig, den Vers oder Satz in seiner Ganzheit zu deuten und zu erfassen, um bei der Benennung keinen Fehler zu machen.

"Weinet um mich, ihr Kinder des Lichts! er liebt mich nicht wieder, / Ewig nicht wieder: ach, weinet um mich!"
Friedrich Gottlieb Klopstock, Messias
"Mit dem Schiffe spielen Wind und Wellen, Wind und Wellen spielen nicht mit seinem Herzen."
Johann Wolfgang von Goethe, Seefahrt
"Sein Mantel war aus Eisen, / Aus Eisen sein Habit."
Peter Hacks, Der Eiserne

Ein Blick auf diese Beispiele verdeutlich recht schön, welche Funktion die Stilfigur hierbei hat. In den ausgewählten Abschnitten wird die jeweilige Passage (nicht wieder, Wind und Wellen, aus Eisen) verstärkt. Dies kann einerseits die Aufmerksamkeit des Lesers erwecken oder die Bedeutung des Geschriebenen zusätzlich betonen.

Ähnliche Stilfiguren

Wie beschrieben, gilt die Anadiplose als rhetorische Figur der Wortwiederholungen, wodurch sie den folgenden Stilmitteln sehr ähnlich ist, da diese ebenso Besonderheiten der Wiederholung beschreiben. Deshalb kann es durchaus Sinn machen, die betreffende Textpassage auch mit diesen Figuren zu vergleichen, um das Stilmittel genau bestimmen zu können.

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Anadiplose
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001