Die Assonanz ist eine Reimform und weiterhin ein Stilmittel der Rhetorik. Die Assonanz begegnet uns vornehmlich in lyrischen Texten, kann jedoch in Werken aller Art und Gattungen auftauchen. Die Assonanz ist ein vokalischer Halbreim, was bedeutet, dass sich in benachbarten Wörtern ein Gleichklang der Selbstlaute (Vokale; a,e,i,o,u,ä,ö,ü,eu,au) findet.

Verbreitet ist diese Form des Reimes vor allem in der altspanischen und altfranzösischen Dichtung und findet sich somit auch oft in der lyrischen Nachahmung oder Übersetzung dieser Werke (vgl. Romantik).

Hinweis: Das Wort Assonanz leitet sich aus dem Lateinischen ab (ad ~ zu, an; sonare ~ klingen) und kann in etwa mit „anklingen“ oder eben Gleichklang übersetzt werden. Diese Deutung fasst recht gut, was die Assonanz grundsätzlich beschreibt.

Die Assonanz anhand eines Beispiels mit dem Vokal „A“
schlafen | klagen

Die obige Verszeile verdeutlicht das Prinzip der Assonanz. Die beiden Wörter schlafen und klagen reimen sich grundsätzlich nicht. Jedenfalls klingen sie aufgrund der letzten Silbe nicht identisch. Allerdings weisen sie den gleichen Vokal – das „A“ – auf und erhalten somit einen vokalischen Gleichklang.

Das bedeutet, dass die Vokale in benachbarten Wörtern – also Wörtern, die aufeinanderfolgen – gleich sind und somit eine Art Rhythmus innerhalb des Gedichtes bilden. Schauen wir dafür auf die erste Strophe von Ernst Jandls Gedicht Ottos Mops:


ottos mops

ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso


Folglich nutzt auch Jandl den Gleichklang des Vokals „O„. Zwar können wir zwischen dem zweiten und dritten Vers einen Endreim finden, doch der restliche Teil des Gedichts basiert darauf, dass der einzelne Buchstabe durchgehend wiederholt wird und somit eine Einheit bildet.

Beispiele für die Assonanz

Herzensgrund | schmerzenswund

Hierbei haben wir es gewissermaßen mit einer doppelten Assonanz zu tun, da der Gleichklang innerhalb zweier Wörter vorzufinden ist. Diese Form des Halbreims wird sehr häufig im Rap verwendet, um einen Rhythmus im jeweiligen Liedtext zu schaffen.


Stab | Macht

Auch die beiden Substantive Stab und Macht bilden in der unmittelbaren Abfolge eine Assonanz, die durch den gleichen Vokal „A“ bewirkt wird. Dadurch klingen die beiden Wörter, wenn sie denn aufeinanderfolgen, ähnlich und rhythmisieren einen Text. Schauen wir abschließend auf ein Beispiel aus BrentanosRomanzen vom Rosenkranz„.


Schwarze Damen, schwarze Herren
wandeln durch Bolognas Straßen.
Werden sie zur Leiche gehen?
Wen bringt man so spät zur Grabe?

Doch kein Priester wird gesehen,
Kreuz und Fahne nicht getragen.
Alles strömet laut und rege,
und die schnellen Wagen rasseln.

Nicht zur Metten oer Vesper
Misere, Salve, Ave,
auch zu keiner Totenmesse:
Diese liest man nur am Abend.


Hinweis: In diesem Beispiel wurden lediglich die Assonanzen in der ersten Strophe farblich markiert.

Das Wichtigste zur Assonanz im Überblick

  • Die Assonanz wird grundsätzlich als vokalischer Halbreim beschrieben.
  • Weiterhin gilt, dass wir nur von einer solchen Auffälligkeit sprechen können, wenn sich ein Vokal in mindestens zwei, bestensfalls drei, benachbarten Wörtern wiederholt.
  • Verwandt ist die Assonanz mit der Alliteration, da durch die Wiederholung anfänglicher Silben ein ähnliches Muster innerhalb eines Werkes entstehen kann (→ Beispiele für die Alliteration).
  • In der Lyrik dient die Assonanz meist als Stilmittel, um Verse miteinander zu verbinden
  • Durch den übergeordneten Gleichklang gilt die Assonanz als eines der verbreitesten Stilmittel überhaupt, auch wenn sie mitunter recht schwierig zu erkennen ist.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Assonanz
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001