Das Bathos ist ein Stilmittel, das in Texten aller Art ausgemacht werden kann. Das Bathos verknüpft einen höheren Wert mit einem niedrigeren. Durch diese Gegenüberstellung, die die Stilfigur schafft, kann Komik, aber auch Drastik zum Ausdruck gebracht werden. Der Begriff findet vornehmlich in der Literaturwissenschaft und Germanistik Verwendung, wohingegen Schüler im Deutschunterricht eher selten mit ihm konfrontiert werden.

Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab (βάθος) und lässt sich mit Tiefe übersetzen. Dabei geht es allerdings eher um die weitgreifenden Synonyme Niedrigkeit oder auch Gesunkenheit. Diese Übersetzung erklärt auch besser, was es mit dem Bathos auf sich hat.


„Die Überschwemmung kostete 13 Menschen das Leben.
Ich habe seither einen feuchten Keller.

Für den Leser scheint diese Aussage widersinnig, da zwei „Unfälle“ miteinander gleichgestellt werden, die grundsätzlich kaum miteinander zu vergleichen sind. Allerdings kann der Satz als Paradebeispiel für einen Bathos gelten, der eben zwei Werte (Moralvorstellungen), einen hohen und einen niedrigen, miteinander verknüpft. Das Ergebnis kann eine enorme Drastik beinhalten, aber auch komisch wirken:


Edel sei der Mensch, Milchreis ist gut!

Selbstverständlich ist dieser Vers eine Verballhornung des Satzes „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“ aus Goethes Werk „Das Göttliche„. Dennoch offenbart sich hier, dass das Stilmittel auch eine gewisse Komik bedeuten kann, da zwei ganz unterschiedliche Werte miteinander verbunden werden.

Sehr häufig lässt sich das Bathos auch in expressionistischen Gedichten ausmachen. Als Beispiel soll an dieser Stelle „Weltende“ von Jakob van Hoddis dienen.

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Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Das Gedicht wird aus einem umarmenden Reim und einem Kreuzreim konstruiert und verweist offenkundig auf das Bathos als stilistische Figur. Die Verse, die das signalisieren, sind der vierte und achte (Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.; Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.).

Am stärksten ist natürlich der letzte, also 8., Vers in dieser Reihung. Werden in allen anderen Versen recht drastische Begebenheiten gezeigt, steht das Bathos diesen direkt gegenüber und verweist auf den Schnupfen, was einerseits komisch, aber eben auch „hart“ im Gesamtbild scheint.

Das Wichtigste im Überblick

  • Das Bathos verbindet zwei unterschiedliche Werte miteinander, die sehr weit auseinander liegen. Das kann komisch, aber auch sehr makaber wirken.
  • Verwandt ist die Stilfigur mit der Antiklimax, wobei ebenfalls eine Reduktion vom Größten zum Kleinsten erfolgt. Allerdings nicht nur in Bezug auf Werte.
  • Das Bathos ist nicht mit dem Pathos zu verwechseln, was in der Rhetorik eine emotionale, theatralische und tendenziell übertriebene Form der Artikulation beschreibt.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Bathos
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001