WORTWUCHS | Literaturlexikon

Concessio

Die Concessio ist ein rhetorisches Stilmittel, das vor allem in Reden zum Einsatz kommt. Wer eine Concessio gebraucht, greift das gegnerische Argument auf und räumt außerdem ein, dass es richtig ist. Allerdings macht er es im gleichen Zug unwirksam, indem ein eigenes Argument angeführt wird, das stärker ist und das aufgegriffene somit entkräftet (→ Argumenttypen).

Der Begriff leitet sich aus dem Lateinischen ab und lässt sich mit Eingeständnis übersetzen. Demzufolge verweist schon die Übersetzung darauf, womit wir es grundsätzlich zu tun haben: einem argumentativen Eingeständnis, dass das gegnerische Argument richtig ist [bei zeitgleicher Anmerkung, dass das eigene stärker und das andere somit unwirksam ist]. Schauen wir zur Veranschaulichung auf ein Beispiel.

(1)
(2)
Die Streikenden haben recht, wenn sie auf die schlechten Bedingungen verweisen.
Dennoch sollte dies nicht zu Entlassungen führen, da sie dem Standard entsprechen.

Im obigen Beispiel wird durch den Redner vorerst der Einwand, dass die Streikenden vollkommen richtig liegen, angeführt, um ihn in der Folge zu entschärfen. In diesem Fall wird eben darauf verwiesen, dass die Bedingungen dem Standard entsprechen, also weitestgehend in der Branche gültig sind.

(1)
(2)
Ihr Einwand, dass die Wirtschaft am Boden liegt, ist richtig.
Aber das hat ja auch ihre Fraktion zu verantworten

Auch in diesem Fall wird dem Gesprächspartner zuerst beigepflichtet, indem der Einwand, dass die wirtschaftliche Situation schlecht ist, aufgegriffen wird. Im gleichen Zug wird das Ganze entkräftet, wenn darauf verwiesen wird, dass die Gegenseite selbst für den Niedergang verantwortlich ist.

(1)
(2)
Ja. Günther hat sich unmoralisch verhalten,
aber juristisch bestrafen kann man ihn dafür nicht.

Das obige Beispiel pflichtet dem Gegenüber insofern bei, als dass aufgegriffen wird, dass sich Günther mit Sicherheit unmoralisch verhalten hat. Allerdings wird der Einwand gleichermaßen entschärft, indem darauf verwiesen wird, dass dies juristisch belanglos ist: abermals eine eindeutige Concessio.

Hinweis: Alle angeführten Beispiele für die Stilfigur haben einen gemeinsamen Nenner: sie greifen den Einwand der Gegenseite auf, um sie im Anschluss zu widerlegen oder zumindest zu entschärfen.

Wirkung und Funktion der Concessio

Natürlich ist es nicht immer sinnvoll, einem rhetorischen Stilmittel eine klare Wirkung oder Funktion zuzuschreiben. Hierbei laufen wir nämlich Gefahr, es in der Folge stets darauf zu reduzieren. Dennoch möchten wir Ihnen einige Hinweise zur Wirkung vorschlagen.

Übersicht: Wirkung, Funktion und Bedeutung der Concessio

  • Die Concessio ist die vermeintliche Kapitulation vor dem gegnerischen Argument, weil diesem beigepflichtet wird. Allerdings wird dient das nur dem Schein, da es im nächsten Zug entkräftet oder zumindest entschärft wird.
  • Die Concessio kann durchaus einen ironsichen Unterton haben. Nämlich dann, wenn zwischen dem aufgegriffenem Einwand und dem eigenen, stärkeren Argument eine Kunstpause gelassen wird, wodurch der vermeintliche Effekt der Kapitulation deutlicher wird.
  • Hinweis: Ein anderer Ausdruck für die Stilfigur ist das griechische Wort „Paromologie“, was die gleiche Figur meint. Verwandt ist die Concessio außerdem mit der Permissio. Hierbei wird dem Angesprochenen eingeräumt, dass er Entscheidungs- und Handlungsfreiheit genießt, wobei angenommen wird, dass dieser letzten Endes die Meinung des Redner annehmen wird.

Stichwortverzeichnis