Als Correctio wird ein rhetorisches Stilmittel bezeichnet, das uns in allen literarischen Gattungen begegnen kann. Die Correctio beschreibt, dass eine Aussage unmittelbar zurückgenommen und durch einen schwächeren oder stärkeren Ausdruck ersetzt wird. Die Stilfigur ist demnach eine Selbstberichtigung, um eine Aussage zu verstärken und mit der Metaphrase verwandt.

Der Begriff lässt sich aus dem Lateinischen ableiten und mit Korrektur übersetzen. Demzufolge zeigt schon die Übersetzung des Stilmittels, worum es grundsätzlich geht: nämlich die Korrektur [einer Aussage, wobei meist ein schwächerer Ausdruck durch einen stärkeren ersetzt wird]. Schauen wir dafür auf ein Beispiel.


Du siehst gut aus, ja, wunderschön bist du!

Das obige Beispiel ist keinem Werk entnommen, sondern fiktiv. Die Correctio wird hierbei ersichtlich, weil das Adjektiv gut im Folgenden relativiert und durch das Wort wunderschön ersetzt wird. Somit hat sich der Sprechende, in diesem Fall ein lyrisches Ich, selbständig berichtigt und die Aussage verstärkt.


Sie lieben, Madame?
Nein, Sie anbeten, auf Händen tragen!

Dieses Beispiel stammt vom deutsch-französischen Dichter Heinrich Heine. In diesem Fall ist es das Verb lieben, das durch weitere Ausdrücke ergänzt und somit verstärkt wird. Hierbei haben wir es sogar mit einer doppelten Korrektur zu tun und außerdem einer dreigliedrigen Steigerung des Gesagten (→ Klimax).


Wer hat die Kirschen geklaut?
Es war der Kleine, das Kind von vorhin!

Hier haben wir es mit einer Sonderform der Correctio zu tun, nämlich der Metaphrase. Diese besagt, dass ein Ausdruck im Nachhinein ersetzt wird, wobei allerdings ein Synonym des Wortes gebraucht wird. Es geht also nicht nur darum, dass eine Aussage durch den Sprechenden korrigiert wird, sondern durch ein bedeutungsgleiches Wort (vielleicht um den Ausdruck zu konkretisieren) ersetzt wird.

Hinweis: Die Correctio ist also immer eine Form der Berichtigung durch den Sprechenden. Meist erfolgt diese Berichtigung unmittelbar auf das Gesagte, was mitunter auch einen Satzabbruch zur Folge hat. Grundsätzlich kann die Correctio aber auch erst im nachfolgenden Satz zum Einsatz kommen („Wir haben ihm einen Stein setzen lassen. Etwa ihm zum Denkmal? Uns zum Wahrzeichen!“, Grillparzer).

Wirkung und Funktion der Correctio

Prinzipiell ist es schwierig, einem Stilmittel eine ganz eindeutige Wirkung zuzuschreiben. Dann laufen wir nämlich schnell Gefahr, es stets auf diesen Effekt zu reduzieren und nicht mehr zu prüfen, ob es sich tatsächlich so verhält. Dennoch möchten wir einige Hinweise geben.

Kurzübersicht: Wirkung und Funktion der Correctio

  • Die Correctio meint in der Rhetorik den Umstand, dass sich der Sprechende berichtigt. Meist geschieht dies unmittelbar nach einer getroffenen Aussage, weshalb unter Umständen der ursprüngliche Satz abgebrochen wird oder grammatisch anders beendet wird.
  • So eine Berichtigung kann bewirken, dass die jeweilige Aussage verstärkt wird. Sehr häufig wird nämlich auch ein schwächerer Ausdruck gegen einen stärkeren ersetzt, da das Gesagte noch nicht den Kern einer Sache getroffen hat.
  • Wird die Correctio mithilfe eines Synonyms gebildet, also einem Wort, das bedeutungsgleich mit dem ersetzten ist, nennt man die Stilfigur Metaphrase.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Correctio
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001