WORTWUCHS | Literaturlexikon

Emphase

Die Emphase ist ein rhetorisches Stilmittel, das schwierig zu erkennen ist, weil es vornehmlich in der gesprochenen Sprache deutlich wird. Die Emphase ist die Hervorhebung eines allgemeinen Begriffs, um ein besonderes Merkmal dieses Begriffs zu zeigen. Die Hervorhebung wird durch den Kontext und die Betonung erzielt und gibt dem Begriff einen zusätzlichen, engeren Sinn.

Der Begriff lässt sich aus dem Griechischen (ἐμφαίνω ~ emphaínō) ableiten. Emphaínō lässt sich in etwa mit deutlich machen übersetzen, weshalb wir die Stilfigur als eine Verdeutlichung des Gesagten deuten können. Diese Übersetzung zeigt, worum es hierbei grundsätzlich geht: das Verdeutlichen und Hervorheben [eines Wortes, wodurch dieses einen neuen, weiteren Sinn erhält]. Schauen wir dafür auf ein Beispiel.


Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich
Mensch, hier darf ich’s sein!

Das obige Beispiel sind die letzten Verse aus Goethes Osterspaziergang und stammen demnach aus dem Faust. Diesen Satz äußert der Gelehrte, als er beobachtet, wie wohl sich die Menschen in dem festlichen Trubel fühlen und folgert daraus, dass alle jauchzen müssten: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“

Per Definition ist ein Mensch ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten. Allerdings ist mit der Äußerung wohl nicht gemeint, dass das lyrische Ich darauf verweist, dass es und die anderen Menschen Säugetiere sind und zur Gattung der Affen gehören, sondern es steckt wohl etwas mehr dahinter.

Die Emphase benennt hier einen allgemeinen Begriff (Mensch), um ein besonderes Merkmal des Begriffs zu zeigen (Lebensgefühl). Beispielsweise könnte gemeint sein, dass jemand, der Mensch sein darf, sich so verhalten kann, wie es Menschen tun. Die Emphase hebt also das Menschsein des Begriffs hervor.


Ich möchte doch einfach nur leben!

Dieser Ausruf (→ Exclamatio) funktioniert nach dem gleichen Schema wie das obige Beispiel aus Goethes Faust. Hierbei wird der allgemeine Begriff leben durch die Betonung hervorgehoben, wodurch ein einzelnes, aber eben besonderes, Merkmal durch die Emphase herausgelöst wird.

Wer lebt, der ist nicht tot, könnte eine allgemeine Definition des Begriffs sein. Wer jedoch zum Ausdruck bringt, dass er nur leben möchte, benennt noch ein besonderes Merkmal des Wortes. Vielleicht will er sein Ding machen und handeln, wie es ihm beliebt. Jedoch bringt er, außer in diesem Zusammenhang ist es so, nicht zum Ausdruck, dass er einfach nur lebendig sein möchte.


Männer sind nicht immer Soldaten, Soldaten aber immer Männer!

Das obige Beispiel ist ein Werbeslogan der deutschen Bundeswehr und auch hier wird ein allgemeiner Begriff benannt (Männer), der in der Wiederholung (→ Anadiplose) eindeutig emphatisch hervorgehoben wird. Bei der ersten Nennung des Begriffs geht es noch um den allgemeinen Begriff, das Männliche eben, doch nach dem Komma wird durch die Emphase auf die Attribute des Mannes verwiesen (Männlichkeit).

Hinweis: Die Beispiele für die Emphase werden vor allem durch die Betonung ersichtlich. Sie benennen dabei einen allgemeinen Begriff (Mensch, leben) und kennzeichnen so ein besonderes Merkmal davon.

Somit ist die Emphase mit dem Stilmittel der Synekdoche verwandt, bei der ein Teil für das Ganze (Pars pro toto) oder das Ganze für ein Teil (Totum pro parte) steht. (Bsp: Unter einem Dach leben statt Haus)

Die Emphase im Schauspiel

Beschrieben wurde, wie die Emphase als rhetorische Stilfigur zu verstehen ist. Jedoch hat sich auch eine allgemeine Bedeutung eingebürgert, die sie prinzipiell als Hervorhebung versteht.

Hierbei geht es darum, dass die Emphase als Mittel zur Äußerung von Ansichten genutzt wird und somit eine besonders nachdrückliche, begeisterte und somit zustimmende Form der Äußerung darstellt. Gerd Hergen Lübben verwendet dabei den Ausdruck Emphasen für Bühne, demnach Bild, Wort und Gestik in einem Schauspiel als Emphase (Hervorhebung des Gesagten) genutzt werden können.

Mittel der emphatischen Darstellung im Theater

  • Phonetik: Durch Betonung und das Heben der eigenen Stimme, kann das Augenmerk auf ein bestimmtes Detail gelegt und somit verstärkt werden.
  • Syntax: Die rhetorische Frage, der Ausruf (Exclamatio) und die sehr deutliche Hervorhebung können das gesprochene Wort in den Fokus des Empfängers (Zuschauer, Leser) rücken.
  • Deklamation: Wer deklamiert, trägt kunstvoll etwas vor, dabei kann er aber auch Sprechpausen machen. Solche Kunstpausen können einen Begriff, vor oder nach ihm eingesetzt, hervorheben.
  • Körpersprache: Im Schauspiel stehen noch die Mittel der Mimik und Gestik zur Verfügung, um einen Begriff emphatisch in den Mittelpunkt zu rücken und somit zu verstärken.

Die Emphase im Buchdruck

Weiterhin bezeichnen wir als Emphase eine Form der typographischen Hervorhebung und auch dieses kann in einem literarischen Text zum Einsatz kommen und wie ein Stilmittel funktionieren.

Damit ist im Bereich der Typographie (Buchdruck) das Hervorheben einzelner Textabschnitte gemeint, wie beispielsweise durch Fett- und Kursivschreibung sowie der Einsatz einer anderen Farbe, Unterlegung, Schriftart oder anderweitigen Anpassung der Schrift und des Schriftbildes.

Hinweis: Die rhetorische Stilfigur der Emphase kann so noch verstärkt werden. Würde die Bundeswehr beispielsweise den obigen Slogan insofern ändern, als dass die Wiederholung der Emphase Männer fett geschrieben wäre, würde das Ganze noch stärker und deutlicher wirken.

Beispiel: „Nicht alle Männer sind Soldaten, Soldaten aber immer Männer!“

Wirkung und Funktion der Emphase

Es ist sehr schwierig, einem Stilmittel eine eindeutige Funktion oder Wirkung zuzuschreiben, die stets gültig ist. Doch kann man versuchen, den Effekt zu beschreiben, den eine Figur hat.

Kurzübersicht: Effekt, Wirkung und Funktion der Stilfigur


  • Die Emphase nennt einen allgemeinen Begriff und meint dabei trotzdem nur ein einzelnes Merkmal von diesem. Dies wird vor allem im unmittelbaren Zusammenhang und durch die Betonung der Äußerung ersichtlich.
  • Folglich hat das Stilmittel durchaus eine verstärkende Wirkung. Vor allem dann, wenn es lediglich als Hervorhebung des Gesagten (Schauspiel) verstanden wird.
  • Da die Emphase außerdem eine Bedeutungsverschiebung beschreibt und nur indirekt sagt, was sie meint, kann sie durchaus zur Gruppe der Tropen gezählt werden, wie auch Metapher, Ironie, Metonymie und Synekdoche (Der Theoretiker Quintilian zählt sie beispielsweise zu den Tropen).