Die Enumeratio ist ein Stilmittel der Rhetorik und lässt sich in Werken aller Art und literarischen Gattung ausmachen. Die Enumeratio meint grundsätzlich die Aufzählung verschiedener Wörter und kann syndetisch, asyndetisch und polysyndetisch sein. Somit ist sie mit der Akkumulation verwandt, wohingegen diese immer Begriffe aus einem ähnlichen Umfeld aufzählt.

Der Begriff lässt sich aus dem Lateinischen ableiten und bedeutet ganz einfach Aufzählung. Somit verweist allein die Übersetzung darauf, worum es grundsätzlich bei dieser Stilfigur geht: das Aufzählen von Begriffen [die grundsätzlich keinem Oberbegriff folgen müssen]. Schauen wir dafür auf ein Beispiel.


Ich packe meinen Koffer und nehme mit:
Zahnpasta, Klee, Lampen und Batterien.

Das obige Beispiel ist eine mögliche Erweiterung des Kinderspiels Ich packe meinen Koffer, wobei es das Prinzip der Enumeratio verdeutlicht, nämlich das Aufzählen von Begriffen. Das Beispiel ist übrigens syndetisch. Syndetisch meint das Verbinden zweier Wortgruppen durch genau eine Konjunktion (und).

Jedoch wird unter dem Begriff Enumeratio auch eine Aufzählung von Wörtern verstanden, die sich zu einem Oberbegriff fügen lassen und so Einzelelemente für ebendiesen sind. Der Empfänger eines solchen Inhalts soll dabei die einzelnen Teile in einen Zusammenhang bringen, um das Gesamtbild zu erschließen.

Wird die Enumeration allerdings so verstanden, macht es Sinn, eher von einer Akkumulation zu sprechen, da diese Stilfigur genau diesen Umstand beschreibt. Schauen wir dafür auf ein weiteres Beispiel.


Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne

Das Beispiel ist einem Kinderlied entnommen. Nach der Dopplung des Wortes Laterne (→ Geminatio) folgt die Aufzählung (Enumeratio) der Begriffe Sonne, Mond und Sterne. Folglich ist das Ganze zwar eine gängige Aufzählung, doch erinnert eher an den speziellen Fall der Akkumulation, da die Wörter allesamt aus einem Bereich stammen (Weltall, Universum etc.), wobei der Oberbegriff nicht genannt wird.

Formen der Enumeration

Begriffe, Wörter und Dinge können unterschiedlich aneinandergereiht, also aufgezählt werden. Prinzipiell unterscheiden wir in syndetische, polysyndetische und asyndetische Verbindungen.

  • Syndeton: Beschreibt das Verbinden zweier Wörter oder Wortgruppen durch genau eine Konjunktion.
    Beispiele: „Ich und du!“, „Morgen esse ich Eier, Wurst und Käse.“

  • Asyndeton: Ist eine Aufzählung aus mindestens drei Teilen, die gänzlich auf Konjunktionen verzichtet.
    Beispiele: „Ich, du, er, sie!“, „Ich mag Eier, Wurst, Käse!“ → Asyndeton

  • Polysyndeton: Eine Aufzählung aus mindestens drei Teilen, die mit gleicher Konjunktion verbunden sind.
    Beispiele: „Ich und du und sie und er!“, „Ich mag Eier und Wurst und Käse!“ → Polysyndeton

Wirkung und Funktion der Enumeratio

Grundsätzlich ist es natürlich schwierig, einem Stilmittel eine eindeutige Funktion oder Wirkung zu unterstellen. Dabei laufen wir nämlich Gefahr, es auf genau diese Wirkung zu reduzieren. Dennoch möchten wir Ihnen einige Anhaltspunkte zur Wirkung dieser Stilfigur vorstellen.

Kurzübersicht: Wirkung und Funktion der Enumeratio

  • Die Enumeratio ist ein Stilmittel der Rhetorik und beschreibt eine Art der Aufzählung. Dabei ist es vollkommen gleich, ob die Aufzählung asyndetisch, polysyndetisch oder syndetisch miteinander verbunden sind. Weiterhin erinnert sie, wenn alle aufgezählten Begriffe aus einem Gebiet stammen, an die Stilfigur der Akkumulation. In diesem Fall sind beide Begriffe möglich.
  • Die Verwendung von Aufzählungen kann einen sehr absoluten Charakter haben. Das heißt, dass der Eindruck entsteht, dass alles gesagt wurde. Die Enumeratio wirkt somit komplettierend, vollständig oder auch umfassend und vermittelt den Eindruck, als wäre alles gesagt.
  • Außerdem kann eine Aufzählung durchaus entschleunigend wirken und somit die Zeit eines Textes oder einer Rede dehnen und dabei länger erscheinen lassen.
  • Weiterhin kann das Stilmittel verstärkend wirken. Vor allem dann, wenn es im Zusammenhang mit der Akkumulation gebraucht wird. Dann wird das Gemeinte nämlich auf unterschiedlichste Art und Weisen gesagt, wodurch es für den Empfänger (Zuschauer, Leser) eingängiger erscheint.
  • Oftmals wird die Enumeratio im Zusammenhang mit der Klimax oder Antiklimax gebraucht, was die wiederholende Äußerung zusätzlich verstärkt, da somit eine dreigliedrige Steigerung und dadurch eine steigernde Intensität des Gesagten vollzogen wird.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Enumeratio
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001