Der Begriff Epenthese bezeichnet den Umstand, dass ein Wort im Wortinneren um einen zusätzlichen Sprachlaut ergänzt wird, wodurch die Aussprache des Wortes erleichtert wird. Die Epenthese wird auch als Lauteinschub sowie Lauteinschaltung bezeichnet. Beispielsweise handelt es sich beim Buchstaben n im Adjektiv afrikanisch um eine Epenthese, da ansonsten zwei Vokale auf­ei­n­an­der­tref­fen würden (vgl. Hiatus). Die Epenthese dient demnach der Hiatvermeidung und erleichtert die Aussprache des Wortes. Darüber hinaus kann die Epenthese als Stilmittel gewertet werden, wenn das Hinzufügen eines Lautes oder einer Silbe im Wortinneren aus poetischen oder metrischen Gründen geschieht, wie etwa Mavors für Mars in Vergils Werk Aen (8, 700).

Der Begriff stammt vom griechischen Nomen epenthesis (επένθεσις), das sich mit Einfügung übersetzen lässt. Demnach verweist bereits die Übersetzung des Wortes darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um das Einfügen eines Lautes in das Innere eines Wortes. Dies geschieht in der Regel deshalb, um die Aussprache des jeweiligen Wortes zu vereinfachen oder aus stilistischen Gründen. Einige Beispiele:

Die Adjektive flehentlich und willentlich tragen beide eine Einfügung in sich: den Konsonanten t. Üblicherweise wird an Substantive oder Verben das Suffix -lich gehängt, wenn sie als Adjektiv oder Adverb gebraucht werden. Beispielsweise wird auf diesem Weg aus dem Substantiv Einheit das Adjektiv einheitlich. In der Kombination von Willen + -lich fällt allerdings auf, dass es schwierig ist, diese Kombination zu sprechen, weshalb ein Sprachlaut zur Erleichterung der Aussprache eingefügt wird. Dadurch entsteht das Wort willentlich. Das gleiche Prinzip gilt auch für das Adjektiv flehentlich.

Gesprochene Epenthesen

Allerdings kann eine solche Lauteinfügung auch nur in der gesprochenen Sprache vorkommen und im geschriebenen Wort, also in Bezug auf die Rechtschreibung, gar keine Beachtung finden. Solche Epenthesen ermöglichen mitunter überhaupt erst die Aussprache eines Wortes.

Im Deutschen sind vor allem drei Einfügungen typisch, die in der Orthographie des jeweiligen Wortes gar nicht berücksichtig werden. Es handelt sich dabei um die Laute [p], [t] und [k]. Beispielsweise wird das Nomen Amt im phonetischen Alphabet [amt] buchstabiert. In der Praxis wird aber [ampt] gesprochen.

EinfügungWort (Beispiele)Wird meist realisiert als … (Epenthese)
[p]Amt [amt][ampt]
[p]Hemd [hɛmt][hɛmpt]
[k]singst [zɪŋst][zɪŋkst]
[k]fängst [fɛŋst][fɛŋkst]
[t]rennst [ʀɛnst][ʀɛntst]
[t]Gans [ɡans][ɡants]
Kurzübersicht: Das Wichtigste im Überblick

  • Als Epenthese, auch Lauteinschub sowie Lauteinschaltung, wird ein lautlicher Einschub im Wortinneren bezeichnet, der die Aussprache erleichtert oder aus stilistischen Gründen gesetzt wird. Sehr häufig dient ein solcher Einschub der Hiatvermeidung und steht demnach oftmals zwischen zwei Vokalen oder Diphthongen.
  • Solche Epenthesen sind entweder orthographisch sowie lautlich vollzogen oder sind ausschließlich zu hören. Das bedeutet, dass auch bei unveränderter Orthographie des jeweiligen Wortes in der gesprochenen Sprache eine Lauteinfügung stattfinden kann.

  • Hinweis: Aufgrund der Abweichungen zwischen geschriebener und gesprochener Sprache, ist die Epenthese oft ursächlich für Rechtschreibfehler. Typisch ist etwa ein Fehler im Wort übrigens. Die Aussprache [ˈyːbrigəns] wird sehr häufig [ˈyːbrigənts] gesprochen, weshalb mitunter fälschlicherweise übrigends geschrieben wird (→ häufige Rechtschreibfehler).
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Epenthese
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001