WORTWUCHS | Literaturlexikon

Epiploke

Als Epiploke wird ein rhetorisches Stilmittel bezeichnet, das in sämtlichen Gattungen verwendet wird. Es handelt sich hierbei um eine mehrfache Anadiplose. Die Anadiplose meint den Umstand, dass ein Satz oder Teilsatz auf ein Wort oder eine Wortfolge endet, die im folgenden Satz zu Beginn steht. Die Epiploke reiht mehrfach diese Besonderheit aneinander. Der Obergriff beider Figuren ist Epanalepse. Weiterhin beschrieb der Begriff in der Antike die Verbindung zweier ähnlicher Versmaße.

Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab und lässt sich mit Anknüpfung übersetzen. Demnach verweist bereits die Übersetzung der Stilfigur darauf, worum es hier grundsätzlich geht: nämlich um das Aufgreifen und spätere Anknüpfen bereits geäußerter Worte. Schauen wir anfangs auf eine Beispiel-Anadiplose:


Die Frau war schön, schön war sie und klug.


Das obige Beispiel ist eine Anadiplose, da am Ende des ersten Satzes ein Adjektiv steht (schön), welches unmittelbar zu Beginn des nächsten Satzes aufgegriffen wird. Diese Wiederaufnahme verstärkt das Wort und rückt es für den Empfänger (Leser, Hörer) in den Fokus, wodurch es wichtiger oder bedeutsamer erscheint. Eine Epiploke würde dieses Prinzip nun fortführen. Ein Beispiel:


Die Frau war schön, schön war sie und klug, klug war sie und auch voller Mut, Mut durchzog ihren Geist.


Dieses Beispiel ist eine Epiploke, da hier mehrere Anadiplosen aneinandergereiht werden. Der erste Satz endet auf schön, das im zweiten Satz den Anfang bildet. Dieser endet wiederum auf klug, das im folgenden Satz aufgegriffen wird, der auf das Nomen Mut endet, welches den Beginn des letzten Satzes bildet. Häufig wird die Epiploke in Form der Klimax gebraucht, also einer Steigerung, was das Ganze abermals verstärkt.


Heute erorbere ich die Stadt. Die Stadt ist wichtig für das Land. Das Land wird der Stadt folgen und dann unterwerfe ich die Welt. Die Welt werde ich schon bald beherrschen. Glaubt mir!


Das obige Beispiel ist eine Verbindung aus Klimax und Epiploke. So findet sich hier eine dreifache räumliche Steigerung von Stadt, Land und Welt, aber außerdem – da die Begriffe das Ende sowie den Anfang der Sätze markieren – eine mehrfache Anadiplose, also eine Epiploke. Durch diesen Kniff wird die Aufmerksamkeit des Lesers noch stärker auf die genannten Nomen der Klimax geleitet, was verstärkend wirkt.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Stilfigur im Überblick


  • Die Epiploke ist ein rhetorisches Stilmittel, das eine mehrfache Anadiplose meint. Als Anadiplose wird das Wiederholen des gleichen Wortes oder der gleichen Wortfolge zu Beginn und am Ende eines Satzes bezeichnet. Die Stilfigur wiederholt diesen Vorgang also mehrmals.
  • In der Literatur werden Epiploken sehr häufig in Kombination mit der Klimax, auch Antiklimax, gebraucht. Hierbei führt die Stilfigur zu einer Steigerung der Intensität (Wirksamkeit).
  • Die Wortwiederholungen haben zumeist eine ähnliche Wirkung: sie verstärken das Gesagte oder können die Sprache eindringlicher erscheinen lassen und außerdem auf Wichtiges hinweisen. Weiterhin ist das Wiederholen ein typisches Stilmittel in Kinderreimen oder magischen Formeln. Im Vortrag kann die Figur eine Sache einprägsamer machen.

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