Die Epizeuxis ist ein rhetorisches Stilmittel und begegnet uns in Texten aller Art und Gattung. Als Epizeuxis bezeichnen wir die drei- oder mehrfache Wiederholung eines Wortes oder auch einer Wortgruppe. Folglich gehört die Epizeuxis zu den Figuren der Wortwiederholung (Repititio) und ist weiterhin mit den Stilmitteln Geminatio, Anadiplose und Epanalepse verwandt.

Der Begriff Epizeuxis leitet sich aus dem Griechischen ab und lässt sich mit Hinzufügung übersetzen. Diese Übersetzung verdeutlicht im Eigentlichen sehr schön, worum es grundsätzlich geht: das Hinzufügen oder Wiederholen zusätzlicher Wörter [die unmittelbar aufeinander folgen]. Schauen wir auf ein Beispiel.


Mir geht es sehr, sehr, sehr gut!

Im obige Beispiel finden sich grundsätzlich zwei Stilfiguren. Einerseits können wir die Exclamatio (Ausruf) erkennen und andererseits, durch die dreifache Wiederholung, die Epizeuxis. Hierbei wird das Wort sehr dreimalig wiederholt, wodurch es natürlich verstärkt und in den Mittelpunkt gerückt wird.

Die Epizeuxis finden wir übrigens, ähnlich wie die Geminatio, häufig an Vers- oder Satzanfängen. So kann die Stilfigur den Empfänger der Aussage (Leser, Zuschauer) auf ein Detail aufmerksam machen oder die Wichtigkeit eines Begriffs stärken. Natürlich kann sie aber auch in der Mitte oder am Ende auftauchen.


Nein! nein! nein! das kann nicht sein.
Unmöglich, Bruder, das kann dein Ernst nicht sein.

Diese beiden Beispielsätze sind dem Drama Die Räuber von Friedrich Schiller entnommen und bündeln gleich mehrere Stilfiguren. Folglich können wir die Wiederholung des Wortes sein am Satzende als Epipher und den eher ungewöhnlichen Satzbau in der zweiten Zeile als Hyperbaton bezeichnen. Für uns ist aber in diesem Fall der Anfang spannend: Denn die dreifache Wiederholung des Ausrufes Nein! ist eine Epizeuxis.


Olé, Olé, Olé, Olé,
We are the champions.

Das obige Beispiel stammt ganz klar aus einem sportlichen Umfeld und wurde erstmalig von Grand Jojo aufgenommen. Die Verszeile ist zur Grundlage zahlreicher Fußballsongs geworden. Im Beispiel finden wir außerdem ein Beispiel für die mehrfache Wiederholung eines Wortes.

Interessant ist dabei, dass wir die Epizeuxis, einmal von den literarischen Gattungen abgesehen, sehr oft im Stadion und natürlich in der Musik antreffen können, da sie eingängig und verstärkend ist (→ Kehrreim).

Hinweis: Die drei Beispiele haben alle gemeinsam, dass sie ein einzelnes Wort in den unmittelbaren Mittelpunkt rücken. Die Epizeuxis kann folglich einen Begriff oder eine Sinneinheit verstärken und in den Fokus des Lesers rücken. Die mehrfache Wiederholung wirkt dabei eingängig.

Epizeuxis, Geminatio, Anadiplose und Epanalepse

Die Epizeuxis gehört zu den Figuren der Wortwiederholung (Repititio) und lässt sich mitunter schwierig von anderen Stilfiguren dieser Art unterscheiden. Deshalb möchten wir Ihnen an dieser Stelle die Merkmale ähnlicher Stilmittel aufzeigen, damit der Unterschied klar wird.

Dabei sollen aber nicht alle Figuren der Wortwiederholung beleuchtet werden, sondern nur diejenigen, die der Epizeuxis in irgendeiner Form ähneln. Die Abgrenzung von Anapher, Epipher oder Kyklos sollte dabei nicht schwierig sein, wohingegen Geminatio, Anadiplose und Epanalepse Probleme bereiten können.

Die Epizeuxis in Abgrenzung zu anderen Stilfiguren

  • Geminatio: Beschreibt die unmittelbare Verdopplung eines Wortes und eben nicht die drei- oder mehrfache Wiederholung. Die Worte gehören der gleichen Sinneinheit an.

    • Beispiel: „Das ist sehr, sehr gut!“
  • Anadiplose: Meint ebenfalls die unmittelbare Verdopplung von Wörtern oder Wortgruppen. Im Unterschied zur Geminatio gehören diese aber verschiedenen Sätzen und Sinneinheiten an.

    • Beispiel: „Sprache ist tot. Tot sind auch meine Eltern.“
  • Epanalepse: Beschreibt die Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe innerhalb eines Satzes. Allerdings folgen die Wörter nicht unmittelbar aufeinander beziehungsweise gibt es einen Abstand auf sprachlicher Ebene (Pause beim Sprechen).

    • Beispiel: „Flieht, Mortimer! Flieht!

Wirkung und Funktion der Epizeuxis

Grundsätzlich ist es schwierig, einem Stilmittel eine Funktion oder Wirkung zuzuschreiben. Dann laufen wir Gefahr, die Stilfigur jedes Mal auf diese Wirkung herunter zu brechen und schauen nicht, ob sie im jeweiligen Fall nicht etwas anderes bewirkt und mit der Erwartung bricht.

Dennoch gibt es natürlich Gründe, warum eine Stilfigur in einem Text Verwendung findet, auch wenn wir überprüfen müssen, ob es sich auch in diesem Fall so verhält. Schauen wir also auf die Funktion und Wirkung der Epizeuxis und behalten im Hinterkopf, dass diese nicht immer zutreffend sind.

  • Als Stilfigur der Wortwiederholung (Repititio) kann die Epizeuxis die Aussage verstärken und den Fokus des Empfängers (Leser, Zuschauer) auf ein bestimmtes Detail lenken. Denn durch die Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe wird natürlich Eindringlichkeit vermittelt.
  • Dieser Effekt ist uns aus der Werbung bekannt, wodurch Botschaften sich ganz klar im Kopf verankern. (Beispiel: “‘Was wollt ihr dann?’ – ‘Ma-o-am, Ma-o-am, Ma-o-am!’”)
  • Kommt die Figur allerdings im dramatischen Text zur Geltung, kann sie ebenso eine pathetische Wirkung entfalten (übertrieben, allzu gefühlvoll). Das kann durchaus komisch oder eindeutig übertrieben wirken.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Epizeuxis
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001