Das Hendiadyoin ist ein rhetorisches Stilmittel, das wir ab und zu in ganz unterschiedlichen Textformen finden können. Ab und zu ist dabei im Übrigen ein Hendiadyoin für das Wort manchmal. Bei einem Hendiadyoin wird ein komplexer Begriff durch zwei einzelne Wörter gebildet. Diese Wörter werden dabei durch die Konjunktion und miteinander verbunden. Weiterhin kann das Hendiadyoin die Verbindung von Attribut (meist Adjektive) und Substantiv durch zwei Substantive ersetzen.

Das Wort Hendiadyoin leitet sich aus dem Griechischen ab (ἓν διὰ δυοῖν, hen dia dyoin) und bedeutet „eins durch zwei„. Allein die Übersetzung gibt also Aufschluss darüber, was es mit dem Hendiadyoin auf sich hat, wenn wir annehmen, dass hierbei ein Begriff durch das Zusammenführen zweier Einzelwörter gebildet wird.

Klar zu trennen ist das Hendiadyoin von der Tautologie. Diese beschreibt zwar auch einen Begriff durch das Verbinden zweier Einzelwörter, doch können diese Wörter auch für sich allein stehen. Im Gegensatz dazu ergeben die einzelnen Wörter des Hendiadyoins nicht den gleichen Sinn.


  • Tautologie:nie und nimmer„, „Reih und Glied„, „immer und ewig
  • Hendiadyoin:ab und zu„, „Feuer und Flamme„, „klipp und klar

Wenn wir die obigen Beispiele betrachten, sollte ersichtlich werden, was ein Hendiadyoin ausmacht. Die Tautologie verbindet beispielsweise durch „nie und nimmer“ ähnliche Wörter, die im Eigentlichen das Gleiche meinen. Schauen wir dafür auf die ersten Verse des Werkes „Dithyrambe“ von Friedrich Schiller.

Nimmer, das glaubt mir,
Erscheinen die Götter,
Nimmer allein.

Würden wir hierbei das Wörtchen „nimmer“ durch „nie“ ersetzen, gäbe es in Bezug auf die Bedeutung keinerlei Unterschied und die Aussage wäre absolut identisch. Das lyrische Ich würde dennoch sagen, dass die Götter nie allein erscheinen, sondern immer gemeinsam und die Aussage bliebe gleich.

Das Hendiadyoin lässt durch die Verbindung zweier Wörter einen neuen Begriff entstehen. Nehmen wir hierfür das Beispiel „Feuer und Flamme“. Wenn jemand Feuer und Flamme für eine Tätigkeit ist, dann begeistert er sich für diese. Allerdings kann er nicht Feuer für etwas sein. Das Hendiadyoin schafft also aus zwei Wörtern einen komplexen, anderen Begriff, der außerdem eine neue Bedeutung hat.

Hinweis: In einigen Fällen ist eines der beiden Wörter nicht mehr gebräuchlich und macht alleinstehend wenig Sinn. Folglich ist es nur noch als Hendiadyoin in unserem Sprachgebrauch vorhanden. Beispiele sind: „frank und frei“ (freiheraus), oder „klipp und klar“ (eindeutig).

Das Hendiadyoin und ein Substantiv mit Attribut

Es wurde nun herausgestellt, inwiefern sich die Stilfigur von der Tautologie abgrenzen lässt und dass sie sich durch das Verbinden zweier sich ergänzender, nebengeordneter Substantive oder Verben gebildet werden kann. Weiterhin kann das Hendiadyoin aber auch das Attribut eines Wortes ersetzen oder ein zusammengesetztes Substantiv aufbrechen.


  • Beispiele: In Eisen und Rüstung statt eiserner Rüstung; ihre Röte und ihre Wangen statt ihre Wangenröte, Glück und Stern für Glücksstern.
  • Das Hendiadyoin bildet also aus zwei Wörtern einen neuen, komplexen Begriff, wobei diese Wörter sich ergänzen und nebengeordnete Substantive oder Verben sind.
  • Weiterhin kann das Stilmittel die Verbindung aus Attribut und Substantiv durch zwei Substantive ersetzen oder ein zusammengesetztes Subtantiv aufbrechen.
  • Das Hendiadyoin ist klar von der Tautologie und dem Pleonasmus zu unterscheiden, auch wenn dies mitunter schwierig ist.

Hendiadyoin, Hendiatris, Hendiatetris

Wie beschrieben, bildet das Hendiadyoin aus zwei Wörtern einen komplexen Begriff nach. Allerdings ist es auch denkbar, dass ein solcher durch mehrere Wörter gebildet wird.

  • Hendiatris: Bildet aus drei Wörtern einen neuen Begriff. Beispielhaft können hierfür „Friede, Freude, Eierkuchen“ (oberflächlich ist alles gut) oder auch „Wein, Weib und Gesang“ (beschreibt einen Lebensstil)
  • Hendiatetris: Dieser bildet aus vier Wörtern einen neuen, komplexeren Begriff. Beispiele gibt es im Deutschen wenige, wobei „frisch, fromm, fröhlich, frei“ (unbefangen) als solches gelten kann.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Hendiadyoin
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001