Als Kakophonie, auch Übellaut, wird in der Linguistik die Abfolge von schlecht klingenden Lauten und in der Musik ein als unangenehm empfundener Missklang (Dissonanz) bezeichnet. Im Sprachgebrauch bezeichnet Kakophonie aber auch die Uneinigkeit zwischen mehreren Personen in Bezug auf eine bestimmte Frage. Das Gegenstück (Antonym) des Begriffs ist demzufolge der Wohlklang, der als Euphonie bezeichnet wird. Solche Misstöne können in Literatur und Musik als Stilmittel gelten.

Der Begriff leitet sich vom griechischen Adjektiv κακός (kakós) und dem Nomen φωνή (phōné) ab, die sich mit schlecht und Laut, auch Ton und Stimme, übersetzen lassen. Demnach verweist bereits die Übersetzung des Begriffs, worum es grundsätzlich geht: nämlich um einen schlechten Laut oder einen Ton, der vom Hörer als unangenehm empfunden wird. Schauen wir dafür auf Beispiele aus Literatur (1) und Musik (2).


(1) Die Jetztzeit ist farb- und freudlos.

Das obige Beispiel ist kakophon. Das Substantiv Jetztzeit vereint zwei Zischlaute (tz, z), welche unmittelbar aufeinanderfolgen. Folgen mehrere Gleichlaute, also Silben, die für den Empfänger nahezu identisch klingen, kann das unstimmig wirken. Oft sind solche Verbindungen in Zungenbrechern zu finden, da sie schwierig zu sprechen sind. Kakophon sind demnach schwer sprechbare, geräuschstarke Konsonantenhäufungen.


(1) Ich komme später. Jetzt sitze ich noch am Strickstrumpf.

Auch in diesem Beispiel prallen im zusammengesetzten Wort Strickstrumpf, was einen Strumpf bezeichnet, der gerade gestrickt wird, zwei harte Silben aufeinander. Nämlich ck und st, was nicht unbedingt harmonisch klingt. Dieser Bruch wird außerdem durch die harte Zäsur deutlich. Werden die vorgestellten Beispiel-Wörter deutlich gesprochen, wird eine klare Sprechpause zwischen den geräuschstarken Silben gemacht.

In Bezug auf die Sprache hängt Kakophonie natürlich in einem hohen Maße vom Urteil des Empfängers ab und ob diesem die Laute angenehm oder unangenehm erscheinen. Dennoch gibt es Verbindungen, die eher unangenehm oder disharmonisch klingen. Darunter fallen die Häufung von Gleichlauten (erstes Beispiel) sowie geräuschstarke, schwer sprechbare Konsonantenhäufungen (erstes und zweites Beispiel).

Kakophonie in der Musik

In der Musik meint Kakophonie grundsätzlich das Gleiche: nämlich eine Abfolge von Lauten, welche unangenehm oder disharmonisch klingt, wobei vor allem Dissonanzen als kakophonisch gelten. Als Dissonanz wird ein Misston bezeichnet, der für den Hörer als auflösungsbedürftig empfunden wird.

Allerdings gilt auch hierbei, dass Kakophonie in einem großen Maße vom jeweiligen Empfänger und dessen Beurteilung abhängt. So werden viele moderne Werke der Kunstmusik durch die Kritik oder auch den Hörer als kakophon bezeichnet, wobei historisch betrachtet, auch schon Richard Strauss‘ Oper Elektra mit dem Begriff tituliert wurde. Was damit gemeint ist, lässt sich im folgenden Beispiel schon zu Beginn erahnen.

Aus der heutigen Sicht erscheint Strauss‘ Werk wahrscheinlich nur bedingt kakophon und schmerzt weniger in den Ohren, wie es ihm einige seiner Zeitgenossen nach der Uraufführung 1909 bescheinigten. Dennoch wird im obigen Video ersichtlich, was mit dem Vorwurf grundsätzlich gemeint ist: wir können hier nämlich zahlreiche Töne hören, die gleichzeitig gespielt werden oder in ihrer Abfolge disharmonisch erscheinen.

Eine Steigerung des Begriffs findet sich in einem Subgenre der Musik: Noise. Noise veerzichtet weitestgehend auf klassische Elemente der Musik, wie den Ton oder Klang und setzt an deren Stelle Geräusche. Weiterhin zeichnet sich der Stil durch das Fehlen einer strukturgebenden Melodie und meist auch des Rhythmus aus.

Der Begriff leitet sich aus dem Englischen ab und lässt sich mit Geräusch übersetzen. Dennoch unterscheidet sich das Genre insofern von klassischer Geräuschmusik (Bruitismus, Musique concrète), als dass diese Stile auf echte Geräusche setzen. Noise konfrontiert den Zuhörer eher mit abstrakten Geräuschen und versucht, eine Ähnlichkeit zu realen Klängen auszuschließen. Ein Beispiel des Noise-Projekts Merzbow:

Das obige Beispiel besteht im Eigentlichen nicht aus Klängen, sondern ist nur eine Abfolge von Geräuschen. Dennoch findet sich auch hierbei Kakophonie, wenn diese als eine Abfolge aus Misstönen verstanden wird. Interessant ist hierbei, dass diese Experimente der Musik durchaus Ähnlichkeit zu den Klanggedichten der Literatur aufweisen. Diese versuchten nämlich, bekannte Wörter zu vermeiden und eine Wirkung über den Klang oder eben das Geräusch zu erzielen (vgl. Onomatopoesie, Abschnitt Klangdichtung).

Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Kakophonie im Überblick

  • Als Kakophonie wird in der Musik und der Literatur eine Abfolge von schlecht klingenden Lauten bezeichnet. In Bezug auf die Sprache meint dies schwer zu sprechende oder geräuschstarke Häufungen sowie den übermäßigen Gebrauch von Gleichlauten. In der Musik werden meist Misstöne als kakophon beschrieben, die als auflösungsbedürftig empfunden werden.
  • im allgemeinen Sprachgebrauch beschreibt der Begriff außerdem die Uneinigkeit zwischen Personen in Bezug auf eine Frage oder auch die Disharmonie innerhalb einer Gruppe (vgl. Kontroverse). So kritisierte der ehemalige Bundeskanzler im Dezember 2002 Politiker der eigenen Koalition, die über Steuererhöhungen spekulierten, mit dem Satz: „Diese Art von Kakophonie sei der gemeinsamen Politik absolut unzuträglich.“.
  • Kakophonie kann als Stilmittel sowie als Stilfehler gewertet werden. Ist der Einsatz gewollt, kann die Wirkung des Gezeigten verstärkten werden, da kakophone Elemente in der Regel sehr die Aufmerksamkeit des Empfängers (Leser, Zuhörer) auf sich ziehen oder einen Gegensatz zum Vorherigen schaffen und es so in den Fokus zu drängen und zu kontrastieren.
  • Das sprachliche Pendant, also das Gegenstück des Wortes, ist die Euphonie: der Wohlklang. In der Linguistik werden so Einschübe in Wörter bezeichnet, die zur Lautbildung beitragen. So werden beispielsweise Adjektive, die sich auf ein Land beziehen, mit der Silbe isch gebildet (schwedisch, englisch etc.). Allerdings heißt es amerikanisch. Das zusätzliche n dient der Hiatvermeidung und der besseren Aussprache. Das ist eine Form der Euphonie.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Kakophonie
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001