WORTWUCHS | Literaturlexikon

Metonymie

Die Metonymie ist ein rhetorisches Stilmittel, das in sämtlichen Gattungen Verwendung findet. Bei der Metonymie wird das gemeinte Wort durch ein anderes ersetzt, welches zum Gemeinten in einer realen Beziehung steht. Es gibt demzufolge einen logischen, räumlichen, ursächlichen oder auch zeitlichen Zusammenhang zwischen Gesagtem und Gemeintem. Verwandt ist die Stilfigur mit der Metapher sowie der Synekdoche, wobei es in einigen Fällen zu Überschneidungen der Stilmittel kommt.

Begriff und Beispiele

Der Begriff geht auf das griechische Nomen metonymía (μετωνυμία) zurück und lässt sich mit Umbenennung oder Namensvertauschung übersetzen. Diese Übersetzung gibt erste Hinweise, worum es bei dieser Stilfigur geht: nämlich um das Umbenennen einer Sache [wofür ein Begriff genutzt wird, der mit der Sache in einem logischen, räumlichen, ursächlichen, zeitlichen Zusammenhang steht]. Es gibt 7 Formen der Metonymie:


(1) Ich habe gestern Schiller gelesen.

Das obige Beispiel zeigt eine Metonymie. Hierbei wurde der Dichter Schiller, anstelle des Werkes genannt. Niemand blättert im Autor selbst, sondern meint, wenn er einen solchen Satz sagt, dass er ein Werk (Roman, Traktat, Kurzgeschichte etc.) vom jeweiligen Schriftsteller gelesen hat. Wer also Schiller liest, setzt sich mit dessen Werken, wie etwa den Räubern, Don Karlos oder seiner Lyrik, auseinander.

Im obigen Beispiel steht also der Erzeuger einer Sache für die Sache selbst. Diese Sache ist hierbei irgendein Werk von Friedrich Schiller und wurde durch einen anderen Begriff ersetzt. Dieser Begriff steht in einer ganz realen Beziehung zum ursprünglichen Werk, da Schiller der Urheber oder Erzeuger dieser Bücher ist. Ein solches Ersetzen wird als Metonymie bezeichnet. Schauen wir auf ein weiteres Beispiel:


(2) Feuer frei! Schießt Wunden auf unsere Feinde!

Auch in diesem Beispiel findet sich die Metonymie. Anstatt zu sagen, dass die Feinde mit einem Geschoss (bspw. Pfeile oder Patronen) angegriffen werden sollen, wird das Wort eingesetzt, was diese Schüsse beim Feind vermutlich anrichten werden: nämlich Wunden. Natürlich schießen die Schützen nicht tatsächlich mit Wunden auf das gegnerische Heer, sondern mit irgendwelchen Geschossen.

Im Beispiel steht also das Erzeugnis einer Sache für die Sache selbst. Die Sache, in diesem Fall die Wunden, die dem Feind bei einem Angriff zugefügt werden sollen, werden also anstatt des Geschosses genannt. Aber wie bereits im vorherigen Beispiel stehen die Wunden in einer realen Beziehung zu den Geschossen, da sie das Ergebnis der Attacke mit ebendiesen darstellen. Ein weiteres Beispiel:


(3) Ich werde ihn mit diesem Eisen bezwingen.

Der Beispielsatz zeigt abermals eine Metonymie. Hier ist es das Nomen Eisen, das in obiger Verwendung zur Metonymie wird. Anstatt zu sagen, dass man ihn mit irgendeiner Waffe bezwingen wird, wird der Rohstoff genannt, aus dem diese Waffe gefertigt ist. Es könnte sich dabei beispielsweise um ein Schwert oder eine ähnliche Klinge handeln. Es ist eher unwahrscheinlich, dass hier tatsächlich das Mineral gemeint ist.

In diesem Fall steht also der Rohstoff einer Sache für die Sache selbst. Diese Sache, also das Eisen, das hilft, irgendwen zu bezwingen, wird also anstatt der tatsächlichen Waffe benannt. Auch wie in den Beispielen zuvor steht das Eisen in einer realen Beziehung zu der Waffe. Denn die Waffe wurde aus ebendiesem Material oder eben Rohstoff gefertigt – ein Zusammenhang zwischen Gesagtem und Gemeintem. Ein weiteres Beispiel:


(4) Napoleon marschierte ins Land ein.

Im obigen Beispiel findet sich ebenfalls eine Metonymie. Dabei ist es Napoleon. Anstatt nämlich zu sagen, dass die französischen oder auch Napoleons Truppen in irgendein Land marschierten, wird stellvertretend der Befehlshaber genannt. Unter Umständen ist Napoleon zwar auch dabei gewesen, aber gemeint ist, dass seine Armee, also viele einzelne Menschen, in ein anderes Land einmarschiert ist.

Demnach steht der Feldherr für die gesamte Truppe. Zwischen dem Befehlshaber und der Truppe gibt es aber natürlich eine reale Beziehung. Ähnlich verhält es sich bei Metonymien, welche den Besitzer der Sache anstatt der Sache benennen. Beispielsweise im Satz:„Unser Nachbar ist abgebrannt.“, wobei nicht das Haus oder das Grundstück, sondern der Eigentümer dieser Besitztümer genannt wird. Noch ein weiteres Beispiel:


(5) Das hat die Jugend so entschieden.

Im obigen Beispiel ist das Substantiv Jugend eine Metonymie. Das liegt darin begründet, dass im Satz nicht eine konkrete Gruppe aus jungen Menschen benannt wurde, sondern die Jugend als ein Sammelbegriff aller jungen Menschen angeführt wurde. Tatsächlich hat aber eine bestimmte Gruppe junger Menschen etwas entschieden und nicht das gesamte Kollektiv aller jungen Menschen überhaupt.

Demzufolge wurde im Beispielsatz ein Kollektivabstraktum für ein Konkretum gebraucht. Als Abstraktum wird etwas bezeichnet, das nicht gegenständlich ist, als Konkretum etwas, das gegenständlich ist, das man folglich tatsächlich anfassen könnte. Es wird also ein nicht-gegenständliches Wort für die Masse (Kollektiv) gebraucht, anstatt das Gemeinte, das Konkrete, zu benennen. Hierbei ist das Konkretum zumeist ein Teill des benannten Kollektivs, was die reale Beziehung zwischen Gesagtem und Gemeintem darstellt. Noch ein Beispiel:


(6) Lasst uns ein Glas trinken gehen.

Dieser Beispielsatz enthält erneut eine Metonymie. In diesem Fall ist es das Glas, welches als die Stilfigur identifiziert werden kann. Anstatt zu sagen, was denn getrunken werden soll (Bier, Wein, Cola, Wasser etc.), wird der Behälter für diese Flüssigkeiten genannt. Ein Glas lässt sich nämlich nicht trinken, sondern nur der Inhalt desselbigen. Diese Redewendungen bezieht sich übrigens meist auf alkoholische Getränke.

Hierbei steht also das Gefäß, in dem die Sache ist, für die Sache. Das Gefäß steht demnach für seinen Inhalt. Aber auch hier gibt es eine Beziehung zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten. Die Formulierung ist übrigens recht weit gefasst, wenn beispielsweise ein ganzes Theater einem Künstler applaudiert, kann das Theater durchaus als „Gefäß“ für die Menschen darin gelten, weshalb dies ebenso eine Metonymie wäre.


(7) Dieses Verhalten bringt keine Lorbeeren.

Auch dieses Beispiel kann als Metonymie gelten. Dabei sind es die Lorbeeren, die die Merkmale der Figur erfüllen. Tatsächlich ist mit der obigen Aussage gemeint, dass dieses Verhalten keinen Ruhm, also ein hohes Ansehen, einbringen wird. Allerdings wird dies mithilfe der Lorbeeren kommuniziert, welche ein Symbol des Ruhmes sind und bereits in der Antike als eine Anerkennung für besondere Erfolge galten.

Im obigen Beispiel steht also ein Sinnbild für etwas Abstraktes. Es wird gesagt, dass ein bestimmtes Verhalten keine Lorbeeren einbringen wird. Damit ist in der Regel aber nicht ein tatsächlicher Kranz aus Lorbeerblättern gemeint, sondern das, wofür dieser sinnbildlich steht: nämlich Ruhm oder Ehre. Da das Symbol des Ruhmes der Lorbeerkranz ist, wird das Gemeinte durch etwas ersetzt, das sinnbildlich mit diesem in Beziehung steht.

Hinweis: Die aufgeführten Beispiele verdeutlichen alle Formen der Metonymie. Das wesentliche Merkmal ist bei allen identisch. Es geht nämlich immer um etwas, das gesagt wird, obwohl etwas anderes gemeint ist. Allerdings ist dieser Stellvertreter nicht willkürlich gewählt, sondern steht immer mit dem tatsächlich Gemeinten in einer logischen, räumlichen, ursächlichen oder auch zeitlichen Beziehung.

Formen der Metonymie

Im Beitrag wurden die einzelnen Formen der Metonymie mit je einem Beispiel gezeigt. Diese Formen sind dabei nicht willkürlich gewählt, sondern wurden von Quintilian (35 – 96 n. Chr.), einem antiken Lehrer der Rhetorik, vorgeschlagen. Quintilian unterteilte die Stilfigur in diese sieben Formen:

  • (1) Erzeuger für Erzeugnis, Erfinder für Erfindung, Autor für Werk, Gottheit für ihre Aufgabe, homerische Helden für ihre Fehler und Tugenden (Beispiele: Goethe lesen, Amor [Gott der Liebe] verwirrt mich)
  • (2) Erzeugnis für Erzeuger (Beispiel: Ich schenke dir Freude)
  • (3) Rohstoff für fertige Ware (Beispiel: Du liest noch den ganzen Regenwald weg)
  • (4) Besitzer für Besitztum, Person für eine Sache, Befehlshaber für Truppe (Beispiel: Der Nachbar ist abgebrannt)
  • (5) Kollektivabstraktum für Konkretum (Beispiel: Nachbarschaft für einzelne Nachbarn)
  • (6) Gefäß, Zeit, Ort, Land für Inhalt (Beispiel: Frankreich hat angerufen)
  • (7) Sinnbild (Symbol) für Abstraktum (Beispiel: Lorbeer [Ruhm, Ehre]

    Unterschied: Metapher, Synekdoche, Metonymie

    Die Metonymie gehört – wie auch die Metapher und die Synekdoche – zu den Tropen. Die Tropen sind Stilfiguren, bei denen das Gesagte vom Gemeinten abweicht. Dabei wird eine Wortfolge gebraucht (Gesagte), die nicht gleichbedeutend (Synonym) zum Gemeinten ist, sondern einem ganz anderen Bedeutungsfeld zugehörig ist. Aufgrund der Ähnlichkeit, ist eine Abgrenzung zum Teil schwierig.

    • Metapher: Meint eine sprachliche Bedeutungsübertragung. Das bedeutet, dass zwei Bereiche miteinander verbunden werden, die im Eigentlichen unverbunden sind. Wörter werden demnach uneigentlich gebraucht. Dennoch ähneln sich die Begriffe in bestimmten Punkten, weshalb ein Empfänger (Leser oder Hörer) die Gemeinsamkeit zwischen Gesagtem und Gemeinten herstellen kann. Beispielsweise ist Wüstenschiff eine Metapher für Kamel. Die Begriffe gehören verschiedenen Bereichen an. Ein Schiff ist ein Wasserfahrzeug – diese Bedeutung wird auf das Kamel übertragen, wodurch es zum Wüstenfahrzeug wird.

    • Synekdoche: Ist eine Stilfigur, die mit Ober- und Unterbegriffen arbeitet. Das Gesagte ist entweder der Oberbegriff (Allgemeine) für eine Sache, wobei tatsächlich der Unterbegriff (Besondere) gemeint ist oder andersherum. Würde ein Sprecher sagen, dass Deutschland Fußballweltmeister wurde, benutzt er einen Oberbegriff, denn eigentlich meint er die Nationalmannschaft. Wenn jemand sagt, dass er ein Dach über dem Kopf hat, macht er das Gegenteil. Er benennt nur einen Teil und meint das Ganze, nämlich das Haus.

    • Metonymie: Bei der Metonymie wird das gemeinte Wort durch ein anderes ersetzt, welches zum Gemeinten in einer realen Beziehung steht. Dieser Zusammenhang kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Es wird demnach nicht das gesagt, was tatsächlich gemeint ist, sondern etwas, das mit dem Gemeinten im logischen, räumlichen, ursächlichen oder auch zeitlichen Zusammenhang steht.

    • Metapher und Metonymie unterscheiden sich also insofern, als dass die Metapher stets einen Begriff aus einem gänzlich anderen Bereich einsetzt und bei einer Metonymie immer eine Beziehung zwischen dem Gesagtem und dem Gemeinten besteht. Allein diese Erkenntnis reicht für eine Unterscheidung!

    • Synekdoche und Metonymie lassen sich in vielen Fällen kaum unterscheiden. Die meisten Synekdochen können gleichermaßen als Metonymie gelten (aber nicht andersherum!). Ein Beispiel: Jemand sagt, dass er heute noch ein Glas trinken geht. Diese Aussage ist eine Synekdoche, da hierbei ein Teil des Ganzen (Glas) für das Ganze (Sämtliche Trinkgefäße) eingesetzt wird. Der Satz ist aber auch eine Metonymie, weil das Gefäß für den Inhalt (siehe: 6. Beispiel) gebraucht wird.
    • Die Synekdoche kann also dann als Metonymie gelten, wenn der Aspekt, dass ein Teil für das Ganze steht, mit dem Zusammenhang von Gefäß und Inhalt gleichgesetzt wird. Andersherum funktioniert dies jedoch nicht. Der Satz Beschießt unsere Feinde mit Wunden kann keine Synekdoche sein, da die Wunden kein Teil der Geschosse sind – allerdings ist er eine Metonymie, weil die Geschosse ursächlich für die Wunden sind und demzufolge ein klarer Zusammenhang besteht.
    Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Stilfigur im Überblick


      Die Metonymie ist ein rhetorisches Stilmittel und gehört zur Gruppe der Tropen. Tropen sind Figuren, bei denen das Gesagte vom Gemeinten abweicht. Metonymien benennen also etwas, meinen aber etwas anderes. Dieses Andere, also das Gemeinte, steht hier aber in einer tatsächlichen Beziehung zum Gemeinten; es besteht also ein Zusammenhang zwischen beiden Begriffen.

    • Quintilian, ein römischer Gelehrter, unterscheidet sieben Formen der Stilfigur. Die sechste Form, die ein Gefäß, eine Zeit, einen Ort oder ein Land anstatt des Gemeinten nennt, ähnelt der Synekdoche. Deshalb ist es teils schwierig, beide Stilmittel voneinander abzugrenzen.