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Synekdoche

Die Synekdoche ist ein Stilmittel, das uns in Texten aller Art und literarischen Gattung begegnet und gehört zur Gruppe der Tropen. Die Synekdoche ersetzt einen Begriff durch einen anderen, der aus dem gleichen Bedeutungsfeld stammt und somit ein Teil des Wortes selbst ist oder ein Oberbegriff für dieses. Folglich kann die Bedeutung weit oder eng sein.

Die Bezeichnung der Stilfigur lässt sich aus dem Griechischen ableiten (συνεκδοχή ~ synekdoché) und mit Mitverstehen übersetzen. Diese Übersetzung liefert keine eindeutigen Hinweise zur Funktion der Stilfigur, was ansonsten häufig der Fall ist (Pleonasmus, Klimax etc.). Schauen wir deshalb auf ein Beispiel.


Wir leben alle unter einem Dach.

Das obige Beispiel für die Synekdoche ist den meisten wohl aus der Alltagssprache bekannt. Hier wird das Wort Dach stellvertretend für das ganze Haus oder die Wohnung gebraucht. Somit steht ein Teil des gemeinten Begriffs für das Ganze. Es gibt übrigens zahlreiche solcher Formulierungen im Alltag: Kopf für Person, Teller für die ganze Mahlzeit oder England für das gesamte Vereinigte Königreich.


Deutschland begrüßt das Handeln der USA.

Jedoch kann auch das Ganze für einen Teil des Begriffs stehen, wie im obigen Beispielsatz deutlich ersichtlich wird. Dort steht, dass Deutschland eine Handlungsweise begrüßt. Gemeint ist damit aber, dass die Regierung des Landes das Handeln begrüßt. Das Ganze steht somit für einen kleinen Teil. Außerdem finden wir im Beispiel eine Personifikation, da das Land vermenschlicht wird → Personifikation.

Wichtig ist, dass im Zusammenhang mit der Synekdoche entweder ein Teil des Begriffs für das Ganze oder das Ganze für einen Teil des Begriffs steht. Wir unterscheiden somit zwei Sonderformen.


  • Pars pro toto ist eine Sonderform der Synekdoche. Übersetzt bedeutet es: Ein Teil [steht] für das Ganze. Wir sprechen von einer Pars pro toto, wenn ein Teil des Begriffs für das Ganze steht.
  • Totum pro parte ist eine weitere Form der Synekdoche. Übersetzt heißt es: Das Ganze [steht] für ein Teil. Wir sprechen von einer Totum pro parte, wenn das Ganze für ein Teil des Begriffs steht.

Synekdoche, Metapher und Metonymie

Die Synekdoche ist mit der Metapher und der Metonymie verwandt, da diese auf einer ähnlichen Beziehung zwischen den einzelnen Wörtern beruhen. Allerdings gibt es Unterschiede.

Die Metapher ersetzt ebenfalls einen Begriff durch einen anderen. Im Gegensatz zur Synekdoche stammt dieser allerdings nicht aus dem gleichen Bedeutungsfeld und ist auch kein Unter- oder Oberbegriff und außerdem kein Teil des gemeinten Wortes (vgl. Beispiele für die Metapher).


Dieses Wüstenschiff wird uns sicher ans Ziel bringen.

Der Begriff Wüstenschiff ist eine Metapher für das Kamel. Allerdings hat der Begriff überhaupt nichts mit dem Kamel selbst zu tun. Das bedeutet, dass hierbei ein Wort durch ein anderes ersetzt wurde, das mit dem eigentlichen Begriff nicht verwandt ist und aus einem anderen Begriffsfeld stammt.

Anders wäre es, wenn wir den Satz folgendermaßen umgestalteten:„Diese Höcker werden uns sicher ans Ziel bringen!“. Das wäre eine Synekdoche, da die Höcker des Kamels ein Teil des Tieres sind.

Hinweis: Die Metapher ist folglich mit der Synekdoche verwandt, weil beide darauf beruhen, dass das eigentliche Wort durch einen anderen Begriff ersetzt wird. Der Unterschied ist allerdings, dass die Synekdoche stets ein Wort aus dem gleichen Begriffsfeld einsetzt.

Die Metonymie ist eine weitere Stilfigur, die der Synekdoche ähnelt. Prinzipiell kann die Synekdoche sogar als spezielle Form der Metonymie gelten. Allerdings gibt es einige Merkmale, die die beiden Begriffe voneinander unterscheiden, auch wenn der Übergang zwischen den Stilmitteln fließend ist.

Die Metonymie meint, dass in einem bestimmten Zusammenhang ein Begriff durch einen anderen ersetzt wird. Diese Ersetzung steht dabei in einer realen Beziehung zu dem, was der eigentliche Begriff bezeichnet. Das kann beispielsweise die Beziehung zwischen Erzeuger und Produkt sein. Nutzen wir ein Beispiel.


Dieses Eisen wird dein Ende sein!

Das Wort Eisen ist ein anderer Begriff für die Waffe, die aus diesem besteht. Da die Waffe aus Eisen geschmiedet wurde, gibt es einen ganz realen Bezug zwischen der Metonymie und dem eigentlichen Begriff selbst und nicht nur eine Beziehung zwischen Teil und Ganzem.

Anders wäre es, wenn wir den Satz folgendermaßen umgestalteten:“Diese Klinge wird dein Ende sein!”. Das wäre eine Synekdoche, da die Klinge der Waffe ein Teil der Waffe (Schwert) selbst ist.

Es sollte ersichtlich werden, dass die Grenzen zwischen Metonymie und Synekdoche fast fließend sind. Der wichtigste Unterschied ist also, dass die Synekdoche immer eine Beziehung zwischen Teil und Ganzem beschreibt und die Metonymie die Ersetzung durch einen Begriff meint, der in einem realen Bezug zu diesem steht. Die Synekdoche kann als Sonderform der Metonymie gelten.

Unterarten der Synekdoche

Wir haben herausgestellt, dass die Synekdoche stets eine Beziehung zwischen dem Ganzen und einem Teil beschreibt. Grundsätzlich wird dies mit den Begriffen Pars pro toto und Totum pro parte beschrieben. Allerdings ergeben sich aus dieser Annahme noch weitere Unterarten.

  • Unterarten der Synekdoche
    • Beziehung zwischen Teil und Ganzem
      • Pars pro toto: Ein Teil steht für das Ganze
      • Totum pro parte: Das Ganze steht für ein Teil.
    • Beziehung zwischen Speziellem und Allgemeinen
      • Das Spezielle steht für das Allgemeine (Brot für Nahrung, Ring für Ehe)
      • Das Allgemeine steht für das Spezielle (Menschen für Deutsche, Raubkatze für Löwe)
    • Grammatische Beziehung
      • Singular steht für Plural („Der Mensch ist gut.“ für „Die Menschen sind gut.“)
      • Plural steht für Singular (Wo waren wir stehen geblieben? → Pluralis Modestiae)
    • Zeitliche Beziehungen
      • Das Frühere steht für das Spätere (Korn für Brot, Hopfen für Bier)
      • Das Spätere steht für das Frühere (Wein für Traubensaft)

Weitere Beispiele für die Synekdoche

Eine Stilfigur lässt sich am besten durch Beispiele verdeutlichen. Deshalb möchten wir Ihnen noch einige für den Einsatz der Synekdoche vorstellen. Da im Beitrag jedoch schon viele Beispielsätze verwendet wurden, bleiben die nachfolgenden unkommentiert.


Die Armee befreite die Bevölkerung (Armee für Soldaten).
Wir müssen uns unter vier Augen unterhalten (vier Augen für zwei Personen).
Iss deinen Teller gefälligst auf (Teller für Mahlzeit).
Unser täglich Brot gib uns heute… (Brot für Nahrung).
Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst (Tisch für Haus).
Berlin kritisierte das Vorhaben der SPD (Berlin für Regierung).
Er machte sich mit Kind und Kegel aus dem Staub (Kind und Kegel für Hausrat, Familie).

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Synekdoche ist ein Stilmittel der Rhetorik und bezeichnet die Ersetzung eines Wortes durch einen Begriff aus demselben Begriffsfeld.
  • Dadurch ähnelt sie der Metapher und Metonymie. Von der Metapher lässt sie sich klar abgrenzen, wobei eine Grenzziehung zwischen Metonymie und Synekdoche nur bedingt möglich ist.
  • Prinzipiell gibt es mehrere Unterarten der Synekdoche. Die wichtigsten sind allerdings Pars pro toto und Totum pro parte, die beide eine Beziehung zwischen Teil und Ganzem beschreiben.