Als Understatement wird das Untertreiben bezeichnet. Das Understatement ist dabei ein rhetorisches Stilmittel, das uns in sämtlichen literarischen Gattungen begegnet sowie der Abschwächung dient. In der Rhetorik tritt die Figur oft zusammen mit der Litotes, einer Bejahung durch doppelte Verneinung, auf oder nutzt den Diminutiv (Verkleinerungsform). Das Gegenstück ist die Hyperbel (Übertreibung).

Der Begriff stammt aus dem Englischen und setzt sich aus under (unter) und statement (Aussage, Erklärung, Behauptung) zusammen. Demzufolge geht es hierbei gewissermaßen um eine Unteraussage, also um eine Aussage, die weniger sagt, als es die Realität verlangt. Das Understatement ist in diesem Fall eine Stilfigur (1), kann aber auch für eine Form der Lebensführung stehen (2). Schauen wir auf einige Beispiele.


(1) Auf der Party erscheint der allegorische Tod: der Sensenmann, um alle zu töten.
Partygast: Nun, das hat den Abend ein wenig verdorben, nicht?
Quelle: Aus dem Film Der Sinn des Lebens von Monty Python

Das obige Beispiel entstammt dem Film Der Sinn des Lebens der englischen Komikertruppe Monty Python. Der Gast untertreibt, wenn er die Aussicht seines baldigen Todes damit kommentiert, dass das den Abend verdorben hätte. Es ist eine typische Form des sprachlichen Understatements und weiterhin ein schönes Beispiel für den typischen englischen Humor – trocken und beißend (vgl. Nonsens).


(1) Eine Frau gewinnt 5 Millionen Euro und sagt in einem Interview.
Frau: Das ist ein ganz hübsches Sümmchen.

Der markierte Beispielsatz ist eine Form des Understatements, also eine Untertreibung, welche die Höhe des Gewinns leugnet und ihn somit abschwächt. Die Verkleinerungsform Sümmchen hat hierbei allerdings einen ironischen Unterton. Es wird demnach das Gegenteil dessen gesagt, was tatsächlich gemeint ist. Demnach werden hierbei Untertreibung, Ironie und Litotes miteinander verbunden.


(2) Ein Millionär fährt mit einem alten Fahrrad zur Arbeit.

Dieses Szenario verdeutlicht eine weitere Form des Understatements: eine Art der Lebensführung. Dabei wird bewusst auf gewisse Attribute und Statussymbole verzichtet. Das kann einerseits zum Ausdruck bringen, dass sich eine Person selbst nicht zu wichtig nimmt und andererseits den eigenen sozialen Rang nicht in den absoluten Vordergrund drängen möchte. Dies kann zum Unterschätzen der Person führen.

Hinweis: Als Stilmittel beschreibt das Understatement jegliche Form der Untertreibung und wird oftmals in Kombination mit der Litotes verwendet. Vor allem im Englischen ist mit dem Begriff ein eher gelassenes Verhalten gemeint, als es in einer dramatischen Situation angebracht wäre. Als Lebensform meint der Begriff das Zurückstellen von Statussymbolen – das Gegenteil wäre das bewusste Angeben.

Unterschied: Understatement und Underacting

Der Begriff spielt außerdem in der Schauspielkunst eine Rolle. Das schauspielerische Understatement wird auch als Underacting oder Underplaying bezeichnet (deutsche Entsprechung: Unterspielen).

Dabei versucht der Schauspieler, sich zurückhaltend zu zeigen und nonverbale Ausdrucksmittel wie Gesten, Gebärden, Mimik oder die Miene nur minimalistisch zu gebrauchen. Zumeist wird dabei versucht, den Zuschauer zur Aufmerksamkeit zu zwingen und somit das Hinschauen und Zuhören zu stärken.

Das Underacting wird meist eingesetzt, um Figuren zu charakterisieren oder einzelne und kaum sichtbare Details, in den Vordergrund zu rücken, da die Aufmerksamkeit des Publikums erhöht ist. Das Gegenstück bildet das Overacting, was sich durch einen starken Einsatz nonverbaler Ausdrucksmittel auszeichnet.

Das obige Beispiel zeigt eine knappe Szene aus dem Film Die Hard Dracula aus dem Jahr 1998. Dieser Film kann qualitativ zwar nicht überzeugen, liefert allerdings ein einfaches Paradebeispiel für das Understatement im Film. Der Protagonist zeichnet sich dabei durch eine zurückhaltende, hintergründige Mimik aus – nicht zu verwechseln ist das Ganze übrigens mit dem Nichtspielen.

Kurzübersicht: Das Wichtigste im Überblick

  • Als Understatement wird grundsätzlich jede Form der Untertreibung bezeichnet. Diese kann als rhetorisches Stilmittel vorliegen, ein schauspielerisches Mittel sein oder eine bestimmte Art der Lebensführung beschreiben. Die Bereiche können auch zusammenfallen.
  • Als Stilmittel wird entweder etwas untertrieben dargestellt, wobei sehr häufig Diminutiv oder die Litotes kombiniert werden oder auf eine dramatische Situation sehr gelassen reagiert. Das stilistische Gegenstück ist die Übertreibung (Hyperbel).
  • Diese Art und Weise kann auch auf einen Lebensstil übertragen werden. Hierbei geht es darum, die eigenen Statussymbole nicht unnötig zu zeigen. Wesentlich ist hierbei, dass es nicht darum geht, einen einfachen Lebensstil zu haben, sondern den eigenen Reichtum zu verbergen.
  • Im Schauspiel gibt es ebenfalls das Understatement. Hierbei wird es allerdings zumeist als Underacting, seltener Underplaying, bezeichnet. Es meint das Spiel mit zurückhaltenden nonverbalen Mitteln. Das Gegenstück ist das Overacting.

  • Wirkung: In Literatur und Film kann das Untertreiben sogar eine verstärkende Wirkung haben. Das liegt darin begründet, dass das jeweilige Element dadurch in den Vordergrund gerät, was an der erhöhten Aufmerksamkeit des Zuschauers liegt oder am Zurücktreten anderer Dinge.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Understatement
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001