Der Vergleich ist ein rhetorisches Stilmittel, welches in Werken jeglicher literarischen Gattung genutzt wird. Als Vergleich bezeichnet man das direkte Gegenüberstellen zweier oder mehrerer Sachverhalte, Gegenstände oder sprachlicher Bilder, die zumindest eine Gemeinsamkeit haben. Vergleiche werden meist mit den Wörtern als und wie eingeleitet und können in der Rhetorik zur Veranschaulichung dienen sowie einen Gedankengang verstärken oder ein Objekt näher beschreiben.

Vergleiche können auf zwei verschiedenen Wegen vollzogen werden: (1) Entweder wird ein Objekt mit einem anderen verglichen, das diesem aufgrund seiner Beschaffenheit ähnlich ist, weil es der gleichen Art angehört oder aber aus einem ähnlichen Umfeld stammt oder (2) der Vergleich wird zwischen Objekten vollzogen, die unterschiedlichen Bereichen angehören. In beiden Fällen gibt es mindestens eine Gemeinsamkeit.


(1) Magdalena ist so schön wie Rebekka.

Im obigen Beispiel werden die beiden Personen miteinander verglichen. Das Signalwort ist das Wie, das die sogenannten Relata, miteinander verbindet. Weiterhin haben wir es mit der ersten Variante des Vergleichs zu tun. Da die beiden Personen sehr wahrscheinlich der gleichen Art angehören und somit aufgrund einer Eigenschaft verglichen werden, die bei beiden ähnliche Ausprägungen hat.

Diese Form dient zumeist der einfachen Gegenüberstellung zweier Objekte. Stilistisch hat diese Art und Weise kaum eine Relevanz, da es dabei eher um eine kontrastive Gegenüberstellung geht, wobei kein sprachliches Bild geschaffen, sondern einfach gegenübergestellt wird. Dies geschieht allerdings beim zweiten Beispiel.


(2) Herkules war so stark wie ein Stier.

In diesem Beispiel werden zwei Objekte miteinander verglichen, die im Eigentlichen eher wenig miteinander zu tun haben. Der erste Begriff meint einen Menschen oder auch Halbgott, wohingegen der andere ein Tier meint. Demzufolge werden hierbei Mensch und Tier gleichgesetzt und gegenübergestellt, um eine erhöhte Bildlichkeit zu schaffen. Die Eigenschaften des Stiers werden demnach auf Herkules übertragen.

Die bisherigen Beispiele sind einfache Sätze, die den Vergleich sehr eindeutig präsentieren. Grundsätzlich müssen die Objekte, die verglichen werden, aber nicht unmittelbar aufeinanderfolgen, sondern können auch über mehrere sprachliche Ecken miteinander verglichen werden. Schauen wir auf ein Beispiel.


Auf die schöne Tochter eines schlechten Poeten.
Der Vater reimt und suchet allen,
Nicht wenig Kennern, zu gefallen.
Die Tochter buhlt: o! straft sie nicht!
Das gute Kind will allen,
Wie ihres Vaters Reim, gefallen.

Die obigen Verse sind ein Epigramm von Gotthold Ephraim Lessing. Auch hierbei werden die beiden Relata, also Tochter und Reime, durch das Wort Wie miteinander verbunden und somit auf eine Ebene gebracht. Die Wirkung des Vergleichs wird hierbei besonders dadurch ins Komische oder Witzige verlegt, da er unerwartet ist und Objekte verbindet, auf den ersten Blick keinen Vergleich erlauben.

Hinweis: In allen Beispielen gibt es immer eine Gemeinsamkeit, aufgrund derer die Objekte miteinander verglichen werden. Im ersten ist es das Adjektiv schön, im zweiten stark, beim Epigramm der Wunsch zu gefallen. Diese Wörter, die also den Vergleich ermöglichen, werden als tertium comparationis bezeichnet, was sich mit das Dritte des Vergleichs übersetzen lässt und angibt, was überhaupt verglichen wird.

Vergleiche können allerdings auch ohne tertium comparationis auskommen. In den 80er Jahren wurde der Satz „Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad.“ im Zuge der Frauenbewegung populär. Hier wird kein drittes Element genannt, dennoch kann erschlossen werden, dass Frauen ebenso wenig einen Mann brauchen, wie der Fisch ein Fahrrad. Im Satz wird dies allerdings nicht „gesagt“.

Gleichnis und Vergleich

Das Stilmittel erinnert sehr stark an die rhetorische Figur des Gleichnis. Tatsächlich ist das Gleichnis ein Sonderfall des Vergleichs, das zur Veranschaulichung mehrere Objekte gegenüberstellt.

Die vorgestellten Beispielsätze oder Auszüge stellten zwei Objekte gegenüber. Sie folgten somit dem Muster A und B verhalten sich in Bezug auf C folgendermaßen. So ist die eine Frau (A) schöner (C) als die andere Frau (B). Werden aber mehrere Objekte gegenübergestellt also A, A und A verhalten sich zu B, B und B in Bezug auf das Vergleichsmoment C, dann handelt es sich um ein Gleichnis. Schauen wir auf ein Beispiel.

Gleichnis vom verlorenen Sohn (Klappt beim Klicken auf!)

Evangelium nach Lukas 15,1-10.

Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:

Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.

Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.

Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte.

Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Hinweise zum Gleichnis

  • Der Vergleich wird nicht zwischen Einzelmomenten vollzogen, sondern aufgrund komplexer Bilder. So wird die Freude des Hirtens und der Frau mit den Engeln gleichgesetzt, die sich über den Einzelnen im Himmelreich freuen.

  • Es fällt auf, dass die Relata somit aus mehreren Einzelmomenten bestehen (Jemand verliert, jemand findet wieder, jemand freut sich darüber) und im Vergleichsmoment (Freude über das „Finden“) zueinander finden.

Wirkung und Funktion des Vergleichs

Grundsätzlich ist es schwierig, einem Stilmittel eine eindeutige Funktion oder Wirkung zuzuschreiben, die in jedem Fall richtig ist. Stilfiguren werden aber meist aus einem bestimmten Grund eingesetzt, wobei dieser im jeweiligen Text überprüft werden muss. Dennoch möchten wir Hinweise geben.

Übersicht: Bedeutung, Merkmale und Wirkung der Stilfigur

  • Der Vergleich meint stets eine Form der Gegenüberstellung zweier oder mehrerer Objekte, die eine Gemeinsamkeit haben. Dieses Gemeinsame wird durch das Vergleichsmoment (tertium comparationis) angegeben. Dieses kann genannt oder muss durch den Empfänger (Leser, Zuhörer) eigenständig gedacht werden.
  • Das Stilmittel wird oft genutzt, um etwas zu veranschaulichen oder um ein Objekt noch näher und genauer zu bestimmen. Im Alltag werden dabei meist ähnliche Objekte verglichen. In der Literatur kann so aber auch Unbekanntes erläutert werden; wenn Herkules beispielsweise so stark wie ein Stier ist, hat der Leser ungefähr eine Vorstellung der Kraft.
  • Eine Sonderform ist das Gleichnis. Auch dieses dient dazu, einen abstrakten Sachverhalt zu veranschaulichen. Demzufolge ist der Vergleich auch mit der Allegorie und der Metapher verwandt. Die Metapher wird sogar als verkürzter Vergleich bezeichnet, da ihr das Vergleichmoment fehlt (Bsp.: Herkules ist ein Stier → muss erschlossen werden).
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Vergleich
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001