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Stilpluralismus

Als Stilpluralismus wird das gleichzeitige Bestehen verschiedener Stile in der Kunstgeschichte, also vor allem in Architektur, Kunst, Literatur und Malerei, bezeichnet. Mehrere Stile gelten zur gleichen Zeit also als zeitgemäß. Zumeist bezieht sich der Begriff auf die Architektur, Mode oder Malerei, kann aber auch auf andere Bereiche der künstlerischen Darstellung angewandt werden. Charakteristisch wäre für die Literatur beispielsweise die Zeit der Restauration, die die Jahre zwischen dem Wiener Kongress (1815) und der Märzrevolution bezeichnet (1848). Beinahe zeitgleich existierten in diesen Jahren die Strömungen des Biedermeier sowie Vormärz, der außerdem die Bewegung des Jungen Deutschland hervorbrachte. Noch viel deutlicher wird ein solcher Stilpluralismus im Fin de Siècle, einer kulturellen Bewegung der Jahrhundertwende (19./20. Jhd.). Hier existierten zeitgleich Symbolismus, Jugendstil, Impressionismus, Ästhetizismus und ähnliche avangardistische Strömungen (vgl. Literaturepochen).

Der Begriff setzt sich aus den Nomen Stil und Pluralismus zusammen. Stil beschreibt eine charakteristisch ausgeprägte Erscheinungsform, wobei als Pluralismus die Vielfalt von Gruppen innerhalb einer Gesellschaft bezeichnet wird, welche nebeneinander bestehen und teils miteinander konkurrieren. Folglich geht es hierbei um das Existieren ganz verschiedener, aber ausgeprägter, Erscheinungsformen, welche nebeneinander bestehen. Folglich sind mehrere Stile in unterschiedlichen Bereichen gleichzeitig zeitgemäß.

Vor allem für die Moderne sowie Postmoderne ist ein solcher Stilpluralismus charakteristisch. Schaut man hierfür auf eine Übersicht verschiedener Strömungen in der Kunst oder eben Literatur, fällt auf, dass vor allem in den letzten zwei Jahrhunderten häufig mehrere Strömungen, Bewegungen oder gar Weltanschauungen parallel existieren. Ersichtlich wird dieses Phänomen in der nachfolgenden Übersicht.Epochen der Literatur als Zeitstrahl


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