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Story

Im Allgemeinen wird als Story ein Essay, eine Kurzgeschichte (short story), eine Erzählung und die Handlung eines künstlerischen Werkes bezeichnet, wie beispielsweise eines Theaterstücks oder Films. In der Linguistik bezeichnet die Story eine Ebene des Erzählens, wobei ihr Gegenstück der Plot ist. Diese Begriffe gehen auf den englischen Erzähltheoretiker E.M. Forster zurück und sind eng mit den Gegensatzpaaren discours und histoire sowie Sujet und Fabel (fabula) verbunden.

Der Begriff ist aus dem Englischen übernommen und lässt sich mit Geschichte, Erzählung oder Begebenheit übersetzen. Demzufolge verweist schon die Übersetzung darauf, worum es hierbei grundsätzlich geht: die Geschichte [eines Stücks oder auch Werks] oder eben der allgemeine Begriff für eine Geschichte selbst.

Hinweis: Nachfolgend soll es nun um die linguistischen Aspekte des Begriffs gehen und darum, wie E.M. Forster ihn nutzte, in welchem Zusammenhang Story und Plot stehen, welche Rolle hier „discours“ und „histoire“ spielen und warum Seymour Chatmans Übersetzung der Begriffe das Ganze verkompliziert.

Story und Plot in der Linguistik

Die Verwendung der Begriffe ist verworren, da sie durch diverse Übersetzungen unterschiedlich gebraucht und synonym zu anderen Fachtermini verwendet werden. Deshalb ist es sehr sinnvoll, einmal chronologisch vorzugehen und bei der linguistischen Verwendung durch E.M. Forster zu beginnen, der die Begriffe story und plot erstmalig im erzähltheoretischen Kontext gebrauchte.

E.M. Forster führte das Begriffspaar story / plot im Werk Aspects of the novel and related writings (1927) ein. Beinahe zeitgleich gingen aus dem russischen Formalismus die Begriffe fabula und sjužet hervor, die Boris Viktorovič Tomaševskij in seiner Theorie der Literatur (1925) vorschlug. Irritierend ist hierbei, dass fabula und sjužet mit story und plot ins Englische übertragen wurden, weshalb es mehrere Bedeutungen gibt.

Noch viel kniffliger wurde es dann in den 1960er Jahren, als Tzvetan Todorovs Begriffe histoire und discours ebenso ins Englische übertragen und als story und discourse in der englischsprachigen Linguistik geführt wurden. In diesem Fall werden story und discourses synonym zu histoire und discours verwendet.

Dennoch taucht der plot in diesem Zusammenhang weiterhin auf. Teils ist er nur die Übersetzung von sjužet, mitunter wird er synonym zu discours und teilweise ähnlich wie story gebraucht. Dies liegt einfach in der unterschiedlichen Verwendung diverser Autoren. Beginnen wir mit E.M. Forsters story und plot.

story und plot bei E.M. Forster

Forster, ein englischer Erzähltheoretiker, veröffentlichte 1927 sein Werk Aspects of the novel and related writings, das erstmals die Begriffe plot und story im linguistischen Kontext gebrauchte.

Die Story ist dabei die Erzählung von Ereignissen in ihrem Zeitverlauf. Das bedeutet, dass dieser Begriff die chronologische Abfolge der einzelnen Ereignisse innerhalb einer Geschichte meint. Demzufolge ist die wesentliche Frage, um nach der Story zu fragen Und dann? Schauen wir dafür auf ein Beispiel:


Erst starb der König, dann starb die Königin und dann starb die Prinzessin.


Die Story gibt also nur die Ereignisse der Geschichte wieder, bleibt dabei jedoch klar chronologisch. Das bedeutet, dass die zeitliche Reihenfolge, wie es tatsächlich passiert ist, eingehalten wird. Allerdings liefert die story keinen Hinweis darüber, warum etwas geschehen ist und wie es kausal verknüpft wurde.

Sie umfasst zwar alle Ereignisse, Geschehnisse und Handlungen der Geschichte, betrachtet diese aber als unverknüpft und unverbunden, so dass die einzelnen Elemente lediglich als eine (chronologische) Reihung angesehen werden können. Diese Ebene erinnert demzufolge an eine reihende Inhaltswiedergabe, die mit der Kombination und dann operiert. Schauen wir nun auf den plot.


Erst starb der König, weil er von einem gegnerischen Pfeil getroffen wurde. Darüber grämte sich die Königin so sehr, dass sie sich in den Tod stürzte und das gemeinsame Kind vergiftete, das kurz darauf verstarb.


Die chronologische Story wurde mit Begründungen unterlegt. Wenn die Story die Frage nach dem Warum beantwortet, wird sie als Plot bezeichnet. Demzufolge ist der Plot die Erzählung von Ereignissen unter Betonung ihrer Kausalität. Es wird die Ursache für die Wirkung (in diesem Fall der Tod) geliefert.

Demzufolge enthält der Plot dieselben Einzelelemente, beinhaltet aber auch die spezifischen Verknüpfung dieser Elemente. Das bedeutet, dass der Plot die Motivation einzelner Handlungen nachzeichnet und die kausalen Zusammenhänge der Erzählung offenbart. Eine Untersuchung der Ebene des Plots eignet sich dann, wenn das literarisch präsentierte Geschehen gerade auf dieser Ebene komplex gestaltet ist.

Fazit: Forster beschrieb die Begriffe story und plot erstmalig. Die story meint bei ihm die chronologische Abfolge der Ereignisse einer Geschichte, wohingegen der plot außerdem die Ursachen mitliefert.

story / plot und fabula / sjužet

Beinahe zeitgleich zu Forsters Theorien entwickelte Tomaševskij die Begriffe fabula und sjužet. Diese beschreiben ebenso zwei verschiedene Ebenen des Erzählens, sind aber nicht in jedem Fall mit Forsters Theorie zu vergleichen. Jedoch wurden die Begriffe fabula und sjužet in der Folge als story und plot ins Englische übersetzt. Das ist natürlich verwirrend.

  • Fabula nach Tomaševskij (engl. story):
    • Sämtliche Ereignisse und Motive in der kausal-temporalen, logischen Verbindung
    • unabhängig und somit autonom von der jeweiligen Art der Darstellung
  • Sujet nach Tomaševskij (engl. plot):
    • Motive der Fabel, allerdings in der Ordnung und Verknüpfung, wie im Werk gegeben
    • tangiert die jeweilige Art der Darstellung einer Geschichte
    • zu dieser Darstellungsweise gehören:
      1. 1. Struktur der Zeit als Abfolge von Ereignissen
      2. 2. Struktur des Raumes
      3. 3. Wahl der Erzählperspektive

histoire / discours und story / discourse

Knifflig wird es nun in den 1960er Jahren. Zu dieser Zeit entwickelte Tzvetan Todorov in seinem Aufatz Les catégorie du récit littéraire (1966) die Begriffe histoire und discours. Diese umfassen ebenso zwei Ebenen des Erzählens und griffen einzelne Ideen von Fabel und Sujet auf.

Wichtig ist an dieser Stelle nur, dass das englische Wort für das französische histoire natürlich story ist. Da Todorovs Vorschläger großen Anklang fanden, wurden sie unter anderem durch Seymour Chatman in das Englische übertragen, wobei sie als story und discourses übernommen wurden.

Sie verhalten sich synonym zu histoire sowie discours, haben aber nur sehr wenig mit der ursprünglichen Verwendung durch Forster gemein und ähneln eher der Fabel und dem Sujet. Eine Erläuterung dieser Termini findet sich in den jeweiligen Beiträgen (histoire / discours).

Übersicht: Das Wichtigste zur Story in der Übersicht

  • Gemeinhin verstehen wir unter einer Story eine Geschichte, eine Erzählung oder die Handlung eines künstlerischen Werkes. In der Linguistik meint der Begriff eine Ebene des Erzählens.
  • Die Story ist die chronologische Aneinanderreihung der einzelnen Ereignisse einer Geschichte. Die wesentliche Frage ist demzufolge „und dann?“. Das Gegenstück ist der Plot. Im Plot werden den Ereignissen Ursachen, also Begründungen, gegeben. So ist die entscheidende Frage „warum?“.
  • In der Folge tauchten andere Elemente auf, die die gleiche Bezeichnung führten. Beispielsweise werden Fabel und Sujet, die von Tomaševskij entwickelt wurden, im Englischen als story und plot bezeichnet. Todorovs Termini histoire und discours sind weiterhin im Englischen als story und discourse geläufig. Demnach muss mitunter überprüft werden, welcher Begriff gemeint ist.