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Terzett

Als Terzett, auch Dreizeiler, wird in der Literatur eine Strophe bezeichnet, die aus drei Versen besteht. Charakteristisch ist das Terzett vor allem für das barocke Sonett, welches aus zwei Quartetten sowie zwei Terzetten besteht. Im Sonett folgen die Terzette häufig dem Reimschema cdc/dcd, cde/cde und ccd/eed, wohingegen ein dreizeiliges Gedicht sämtliche Reimschemata aufweisen kann, wobei aba, seltener abb oder aab, häufig sind. Dennoch gibt es hier keine festgeschriebenen Vorgaben. In der Musik meint der Begriff eine Komposition für genau drei konzertierende Singstimmen.

Der Begriff geht auf die lateinische Ordnungszahl tertius zurück (vgl. Numerale) und lässt sich mit der Dritte übersetzen. Demzufolge verweist bereits die Übersetzung darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um eine dreizeilige Strophe [im Sonett] oder gar um ein dreizeiliges Gedicht. Schauen wir auf ein Beispiel:


Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der todt,
Was grimmer den die pest vndt glutt vndt hungers noth,
Das nun der Selen schatz so vielen abgezwungen.

Das obige Beispiel ist das zweite Terzett des Sonetts Tränen des Vaterlandes von Andreas Gryphius, einem deutschen Dichter sowie Dramatiker. Das Beispiel folgt dem Reimschema aab (im Kontext des Hauptwerkes eed) und weist in sämtlichen Verszeile einen sechshebigen Jambus auf, welcher sich so durch wechselhafte Kadenzen auszeichnet. Die unbetonten sowie betonten Silben sind demzufolge alternierend (wechselhaft). Alle Zeilen haben nach der dritten Hebung eine Zäsur. Demnach ist die Strophe in Alexandrinern verfasst.

Das entscheidende Merkmal, das die Strophe allerdings zum Terzett erklärt, ist die Tatsache, dass sie lediglich aus drei Verszeilen besteht. Demzufolge kann jegliche Strophe eines Gedichts – egal welcher Art – wenn sie denn nur aus drei Verszeilen besteht, grundsätzlich als Terzett bezeichnet werden. Neben dem Sonett sind solche Terzette vor allem für die Terzine und das Tercet charakteristisch.

Das Terzett im Sonett

Wie bereits geschrieben, werden typische Sonette aus zwei Quartetten und zwei Terzetten gebildet. Diese erfüllen in Bezug auf das Sonett zumeist eine inhaltlich Funktion. Vor allem das italienische Sonett weist den einzelnen Strophen in der Regel besondere inhaltliche Aufgaben zu.

Hierbei geht es vornehmlich um die folgende Struktur: im ersten Quartett wird eine Behauptung (These) aufgestellt, ein Gedanke aufgegriffen oder ein Erlebnis geschildert. Diesem Gedanken wird im zweiten Quartett eine Antithese gegenübergestellt, die einen Gegenentwurf zeigt, die These widerlegt oder ein gegensätzliches Bild beinhaltet. Mitunter gipfelt das Ganze sogar in einem Paradoxon.

Die Funktion der Terzette ist es nun, eine Synthese aus These und Antithese zu bilden. Das bedeutet, dass hierbei eine Art Resultat, also Ergebnis, das Gesagte zusammenfasst oder auch ein Kompromiss dargestellt wird. Teils steht die These auch in den Quartetten, die Antithese in den Terzetten – die Synthese fehlt dann.


Terzett und Quartett im Sonett


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