Als Trecento wird in Kunst und Literatur das 14. Jahrhundert in Italien bezeichnet. Gemeint ist mit dem Begriff vor allem die Protorenaissance, also die ersten Tendenzen in der Architektur sowie in der Malerei, die antike Vorbilder nachahmten. Diese Tendenzen lassen sich vor allem in der Architektur nachweisen, wobei die Raumkonzeption sowie die Marmorverkleidung von Gebäuden eindeutig antike Vorbilder nachahmt, was jedoch erst mehrere Jahrhunderte später, also in der Renaissance, zum zentralen Gestaltungsthema wurde. Weitere Jahrhunderte, die die italienische Renaissance betreffen, werden von Kunsthistorikern Duecento, Trecento, Quattrocento, Cinquecento und Seicento genannt.

Der Begriff geht auf auf das italienische Zahlwort trecento zurück, das sich mit dreihundert übersetzen lässt. Hierbei handelt es sich folglich um eine Verkürzung, da nicht das Jahr 300, sondern 1300 gemeint ist, also das 14. Jahrhundert (1300-1399) und demzufolge die späte Protorenaissance in Italien. Diese ist allerdings keine Strömung, die sich in ganz Italien ausmachen lässt, sondern vor allem in der Toskana, in der Provence sowie in Mittelitalien. Die Gebäude jener Zeit dienten in der späteren Renaissance oftmals als Inspirationsquelle.

In Bezug auf die Architektur sind es etwa die Kirche San Miniato al Monte (ab 1013, Bilder), das Baptisterium San Giovanni (Weihe im Jahr 1059, Bilder) und der Schiefe Turm von Pisa die als Beispiele für die Bauwerke jener Zeit gelten können. Auffällig ist hierbei, dass diese Bauwerke schon vor dem 14. Jahrhundert errichtet wurden, aber doch verdeutlichen, um welche architektonischen Merkmale es in Trecento und Duecento geht.Die Schiefe Turm von Pisa ist ein Bauwerk des Trecentos

Musik: Trecento-Madrigal

In der Musik war es das Trecento-Madrigal, das sich im 14. Jahrhundert als eigenständige Form entwickelte. Mit dem Begriff wird ein meist zweistimmiges, selten dreistimmiges, unbegleitetes Vokalstück bezeichnet, das in der Regel von weltlichen Themen bestimmt wird. Da es demnach nicht besonder anspruchsvoll war, galt es nicht als eine edle Form und wurde von Francesco da Barberino (1264 – 1348), einem italienischen Dichter, als raues und ungeordnetes Zusammensingen bezeichnet.

Am Ende des 14. Jahrhunderts und dann vor allem zu Beginn des 15. Jahrhunderts geriet das musikalische Madrigal als musikalische Praxis in Vergessenheit und wurde in eine rein literarische Form umgewandelt. In der Literatur bezeichnet das Madrigal eine italienische Gedichtform. Das Madrigal besteht in der Regel, auch wenn es Abweichungen gibt, aus zwei oder drei Stanzen mit drei Doppelversen und einem anschließenden Refrain aus zwei Verszeilen, welche paarig reimen.

Kunst im Trecento

Die italienische Kunst des 14. Jahrhunderts gilt als Vorstufe der späteren Renaissance. Folglich finden sich hier schon Merkmale, die für die spätere Epoche charakteristisch sind. Entscheidend ist hierbei vor allem die Darstellung des Menschen, der zumeist lebendiger, teils in angedeuteter Dreidimensionalität, dargestellt wird. Als typisches Werk jener Zeit kann die Beweinung Christi von Giotto di Bondone (1266-1337) gelten.
Giotto di Bondone vereint in der Beweinung Christi viele Merkmale, die für die spätere Renaissance typisch sein werden

Obiger Ausschnitt: Giotto di Bondone vereint in der Beweinung Christi die ersten Merkmale der späteren Renaissance


Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Trecento
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001