Die Blechtrommel ist ein 1959 erschienenes Buch des Nobelpreisträgers Günter Grass. Es zählt zu den wichtigsten Werken der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur und bricht in vielerlei Weise mit den ästhetischen Prämissen der sogenannten Kahlschlag-Literatur, die eine zurückhaltende und nüchterne Darstellung bevorzugten.

Die Blechtrommel ist ein insofern gelungener Gesellschaftsroman, da es dem Buch gelingt die sowohl ästhetischen als auch intellektuellen Grundstimmungen der Nachkriegszeit auszudrücken und durch die Lektüre erfahrbar zu machen. Der Roman gehört neben den Werken „Hundejahre“ und „Katz und Maus“ zu der sogenannten Danziger Triologie.

Der Roman wird rückblickend aus der Perspektive von Oskar Matzerath erzählt, der sich im Jahr 1954 in einer Pflege- und Heilanstalt befindet und seine Lebensgeschichte beginnend im Jahre 1899 aufzuschreiben beginnt. Die Blechtrommel erzählt folglich die jüngere deutsche Geschichte aus der Perspektive eines sympathischen Sonderlings.

Neben der Schilderung seiner eigenen Vergangenheit, die insbesondere durch die Zeit des Nationalsozialismus geprägt ist, werden zahlreiche Episoden aus dem Alltag der Pflegeanstalt in die Geschichte eingeflochten, so zum Beispiel Besuchstage oder Gespräche mit seinem Pfleger Bruno.

Oskar Matzerath ist insbesondere durch die Tatsache charakterisiert, dass er im Alter von drei Jahren beschlossen hat, nicht mehr zu wachsen. Darüber hinaus ist eine rot-weiße Blechtrommel sein ständiger Begleiter.

1. Buch

„Die Blechtrommel“ erzählt die Lebensgeschichte von Oskar Matzerath, der zu Beginn zugibt, dass er Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt ist. Nichtsdestotrotz schreibt der dreißigjährige Oskar seine Lebensgeschichte auf. Dabei wird er gelegentlich von seinem Pfleger Bruno Münsterberg unterbrochen.

Die Erzählung beginnt mit der Zeugung von Oskars Mutter Agnes im Jahr 1899. Und zwar wird ihre kaschubische Mutter Anna beschrieben, die mit mehreren Röcken übereinander auf einem Kartoffelfeld in der Nähe der Stadt Danzig sitzt. Der wegen einer Brandstiftung von der Polizei verfolgte Joseph Koljaiczek findet kurzerhand unter ihren vier Röcken Unterschlupf.

So kommt es auch zur Zeugung ihres gemeinsamen Kindes Agnes, die im darauf folgenden Jahr geboren wird. Koljaiczek nimmt die Identität eines Ertrunkenen an und heiratet Oskars Großmutter. Er arbeitet als Flößer auf der Weichsel. Allerdings wird er viele Jahre später im Jahr 1913 auf einem Fest von einem alten Bekannten erkannt, sodass er der Brandstiftung bezichtigt wieder fliehen muss. Es ist unklar, ob er beim Fluchtversuch ertrinkt oder ob er es schafft, in die USA nach Buffalo auszuwandern und durch Aktienanteile von Streichholzfirmen und Feuerversicherungen reich zu werden.

1923 vermählt sich Oskars Mutter mit einem Deutschen namens Alfred Matzerath, jedoch ist unklar, ob er der Vater von Oskar ist, da ihre Mutter Agnes zur selben Zeit bereits ein Verhältnis mit ihrem Cousin Jan Bronski eingegangen ist. Nichtsdestotrotz übernimmt Alfred Matzerath einen durch Pumpkundschaft ruinierten Kolonialwarenladen in dem Danziger Vorort Langfuhr. 1924 wird Sohn Oskar geboren, somit erblickt der Erzähler des Romans das Licht der Welt. Das Paar Agnes und Alfred ergänzt sich gut und der Laden beginnt wieder zu laufen. Alfred Matzerath ist ebenfalls ein Hobbykoch, der seiner Frau im Haushalt unter die Arme greift.

Oskar Matzerath ist der Meinung, dass er bereits von Geburt an vollkommen entwickelt war. Zum dritten Geburtstag bekommt Oskar von seiner Mutter gegen den Willen seines Vaters eine rot-weiße Trommel geschenkt, die fortan zu seinem ständigen Begleiter wird. Sie ist das Symbol der Blechtrommel und in der Folge wird der kleine Oskar immer wieder gegen alle möglichen Widrigkeiten antrommeln. Jedoch sorgen sich seine Eltern auch, da Oskar auf Grund einer unerklärlichen Wachstumsstörung nicht größer wird.

Bis zu diesem Zeitpunkt boten sich Oskar viele Gelegenheiten seine kleinbürgerliche Umwelt wahrzunehmen. Insbesondere sind ihm die Verlogenheit und die heimlichen Betrügereien der Erwachsenen aufgefallen. Aus diesem Grund ist Oskar mir seinem ausbleibenden Wachstum ganz zufrieden, schließlich ist es seine eigene Entscheidung nicht mehr zu wachsen und für immer ein Kind zu bleiben. Um seinen Eltern aber eine Erklärung für das ausbleibende Wachstum zu bieten, fingiert er einen Sturz von der Treppe des Vorratskellers. Er versucht eine Flasche Himbeersirup aus dem Regal zu holen, die ihm aber auf den Kopf fällt und stürzen lässt. Keine ärztliche Versorgung kann ihn fortan zum Wachsen bewegen.

Da Oskar ständig auf seiner Trommel spielt, ist diese reichlich ramponiert. Seine Eltern befürchten, dass er sich an ihr verletzten könnte und sein Vater versucht ihm die Trommel zu entreißen. Dadurch ist Oskar so provoziert, dass er zu Schreien beginnt. Zum Erstaunen aller geht die Scheibe einer Standuhr kaputt. „Da gelang Oskar, der bis zu jenem Tag als ein ruhiges, fast zu braves Kind gegolten hatte, jener erste zerstörerische und wirksame Schrei: Die runde geschliffene Scheibe, die das honiggelbe Ziffernblatt unserer Standuhr vor Staub und sterbenden Fliegen schützte, zersprang, fiel, teilweise nochmals zerbrechend, auf die braunroten Dielen.“

Von den Liebhaber seiner Mutter, beziehungsweise von seinem leiblichen Vater, Bronski bekommt Oskar umgehend eine neue Trommel. Doch seine Mutter lässt es sich nicht nehmen mit Oskar einen Arzt aufzusuchen. Sie ist durch die unheimliche Fähigkeit Oskars Glas kaputt zu schreien beunruhigt. In der Praxis des Arztes kommt es zum Eklat, als Oskar durch seine Fähigkeit alles Glas kaputt macht. Das Gleiche passiert in der Schule, wo er kurz provoziert, den ganzen Unterricht unmöglich macht. Deswegen muss sich Oskar von nun an selbst unterrichten. Und das möchte er auch, denn er weiß, dass er in dieser Welt lesen und schreiben lernen muss.

Zu seinem Glück lernt er die Bäckersfrau Gretchen Scheffer kennen, die zwar verheiratet aber kinderlos ist und sich dazu bereit erklärt, mit Oskar lesen und schreiben zu üben. Im Bücherregal von Gretchen Scheffler findet Oskar einen „reichbebilderten dicken Band: „Rasputin und die Frauen.“ Das Alphabet und Lesen und Schreiben lernt er mit Goethes „Wahlverwandtschaften“ und der Biografie eines unbekannten russischen Priesters.

In der Zwischenzeit hat seine Mutter nicht aufgehört, ihren langjährigen Liebhaber Bronski zu sehen. Die Treffen finden jeden Donnerstag statt. Während sich Oskars Mutter mit ihrem Liebhaber vergnügt, lässt sie ihren Sohn für die Dauer ihres Aufenthalts bei dem Spielwarenverkäufer. Eines Tages schleicht sich Oskar bei einem heimlichen Treffen seiner Mutter mit Bronski auf den Stockturm. Er schaut die Fassade des Theaters an und obwohl niemand Oskar seine Trommel wegnehmen wollte, beginnt er zu schreien bis das Foyerfenster des Theaters zerspringt. In der Folge versammelt sich vor dem Theater eine aufgeregte Menschenmenge.

Bei einem Aufmarsch der Hitlerjugend, der SS und der SA zeigt sich ebenfalls Oskars musikalisches Talent. Bei der Veranstaltung ist ebenfalls Oskars Vater Alfred anwesend, der sich bereits ein Parteiabzeichen und die obligatorische kackbraune Kleidung samt Stiefel organisiert hat. Während eine Blaskapelle auf der Bühne im Viervierteltakt den Aufmarsch begleitet, trommelt Oskar auf seiner Blechtrommel unter dem Bühnenboden versteckt und sehr lautstark einen Dreivierteltakt, sodass die Musiker plötzlich versuchen dem neuen Taktgeber zu folgen. Es entsteht ein komisches Chaos, bei der SA, SS und die Hitlerjugend auf der Maiwiese tanzen. Durch diesen Erfolg ermutigt, wiederholt Oskar seine musikalische Einlage mehrmals, er bringt Redner zum Stocken und verändert Marschmusik in Walzer.

Das sich seine Mutter ebenfalls für das Theater, den Zirkus und die Oper interessiert, sie sehen zusammen das Märchen von Däumling und Wagners „Fliegender Holländer“ (Oskar schläft während der Aufführung), kann Oskar den Musikclown Bebra kennen lernen, zu dem sich in der Folge eine folgenschwere Bekanntschaft entwickelt.

Bebra ist ein dreiundfünfzigjähriger Liliputaner. Von Bebra erhält Oskar den Ratschlag „immer auf der Bühne zu sitzen und niemals vor der Tribüne zu stehen.“ Außerdem ist Bebra fest davon überzeugt, dass Oskar in den Zirkus gehört. „Wir werden uns wiedersehen. Wir sind zu klein, als dass wir uns verlieren könnten.“

Sein mysteriöses Talent jedes Glas zerspringen zu lassen nutzt Oskar weiterhin, nun aber auch um sich einen Spaß zu machen und unbescholtene Bürger zu kleinen Diebstählen zu verführen. Während die Passanten an Schaufenstern vorbeigehen, singt Oskar ein Loch in die Schaufenster, sodass die unverhofften Leute kurzerhand ins Schaufenster greifen. So kommt auch der Liebhaber seiner Mutter Bronski zu einem wertvollen Schmuckstück, dass er seiner Geliebten vermacht.

Oskars grundsätzlich aber sehr verletzliche und verlorene Seelenlage zeigt sich durch sein Verhalten in einer Kirche. In der prunkvollen Herzkirche versucht er mit einer gipsernen Jesus Statue Kontakt aufzunehmen. Er hängt ihr seine Trommel um, doch als Jesus nicht zu trommeln beginnt, versucht Oskar die Scheiben der Kirche zu zersingen. Erfolglos.

An einem Karfreitag unternimmt die gesamte Familie Matzerath samt Liebhaber Bronski einen Ausflug zur Hafenmole bei Neufahrwasser. Von einem Aalfänger, der seine Beute mithilfe eines abgetrennten Pferdekopfs fängt („der gestern noch, vorgestern noch gewiehert haben mochte.“), kauft der Vater Alfred Matzerath mehrere Fische.

Oskars Mutter Agnes übergibt sich beim Anblick des Pferdekopfs, kann jedoch durch Bronski beruhigt werden, der ihr unter den Rock fasst. Später zu Hause essen sie die von Alfred Matzerath zubereiteten Aale, doch kommt es unglücklicherweise zu einer Fischvergiftung an der Oskars Mutter Agnes 1937 stirbt.

Über den Liliputaner Bebra lernt Oskar die ebenfalls kleinwüchsige Roswitha Raguna kennen, die schön ist und italienische Wurzeln hat. In einem Café versuchen die beiden Oskar für ein Leben im Zirkus zu gewinnen, doch Oskar lehnt das Angebot ab.

Er weiß nicht was er machen soll, seine Mutter ist Tod, der ihm bekannte Musiker Meyn ist wie so viele andere Leute zu einem SA-Mann und bekennendem Nationalsozialist geworden. Kurzerhand schließt er Freundschaft mit Herbert Truczinski, welcher sein Geld in einem Gasthaus verdient. Herbert sympathisiert mit der internationalen sozialistischen Revolution und muss deswegen viel Häme von den nationalsozialistischen Gästen ertragen.

Er hat viele Narben auf den Rücken und wird oft geschlagen. Deswegen gibt er den Job auf, wird aber daraufhin Wärter im Schifffahrtsmuseum. Allerdings wird ihm eine sexuelle Neigung zum Verhängnis. Beim Versuch mit einer hölzernen Gallionsfigur zu schlafen, fällt ihm ein Beil auf den Kopf und er stirbt.

Seit längerem schon ist das allmähliche Erstarken der Nationalsozialisten nicht mehr zu übersehen. Als es im November des Jahres 1938 zur Reichsprogromnacht (auch Reichskristallnacht) kommt, erhängt sich der jüdische Spielwarenhändler Sigismund Markus. Oskar beobachtet wie SA-Truppen den Laden verwüsten.


2. Buch

Das 2. Buch beginnt wieder in der Heil- und Pflegeanstalt. Eine Frau namens Maria kommt Oskar besuchen und übergibt ihm eine Blechtrommel. Diese steht nun neben der Schreibmaschine, sodass sich Oskar mit Ihrer Hilfe besser an seine Vergangenheit erinnern kann. Um sich seine Erinnerungen wach zu rufen, trommelt er leidenschaftlich.

Mehr und mehr übernehmen die Nationalsozialisten die Macht. Sie rücken nach Polen ein und im Jahre 1939 kommt es zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Bei einer Belagerung der Post, wird Jan Bronski zunächst verletzt und später von deutschen Soldaten erschossen. Oskar war bei der Belagerung der Post anwesend, weil ihm Bronski helfen wollte, eine neue Trommel zu besorgen nach dem der Spielwarenladen des jüdischen Händlers im Jahr zuvor vollkommen zerstört wurde.

Um selber bei dem Angriff nicht zu sterben, bedient sich Oskar einer schlauen, aber verräterischen Strategie: Er stellt sich selber als weinendes und entführtes Kind da, das froh über die „Befreier“ ist. Während Oskar nichts geschieht, wird Bronski fortgeschafft und erschossen. Den Mord an seinem vermeintlichen Vater erkennt Oskar als er eine Skatkarte (die Herzdame) neben mehreren Patronenhülsen sieht (zuvor in der Post hatten sie zusammen mit einen anderen Polen Skat gespielt).

Die nächste Zeit verbringt Oskar bei der Mutter von Herbert. Dort lebt ebenfalls ihre Tochter Maria, die in dem Kolonialwarenladen von Oskars Vater arbeitet. Maria wird eine wichtige Bezugsperson für Oskar. Doch in ihre Beziehung mischen sich auch sexuelle Begehrlichkeiten. Bei einem Strandbesuch greift ihr Oskar zwischen die Beine, nach dem sie ihn mit ihrem „behaarten Dreieck“ erschrocken hat. Erstaunt über seine eigene Erregung, beginnt der noch unreife Oskar zu weinen.

Nach dem diese sexuelle Begehrlichkeit aber einmal angefangen hat, kann sie nur noch schwerlich gezähmt werden. Einmal zeigt Maria Oskar ein Brausepulver, das sie in ihrer Handfläche ausbreitet und ihn bittet drauf zu spucken. In Kontakt mit der Spucke bitzelt das Pulver. „In Marias Hand begann es zu zischen und zu schäumen. Da brach der Waldmeister wie ein Vulkan aus. Da kochte, ich weiß nicht, wessen Volkes grünliche Wut. Da spielte sich etwas ab, was Maria noch nicht gesehen und wohl noch nie gefühlt hatte, denn ihre Hand zuckte, zitterte, wollte wegfliegen, weil Waldmeister sie biss, weil Waldmeister durch ihre Haut fand, weil Waldmeister sie aufregte, ihr ein Gefühl gab, ein Gefühl, ein Gefühl.“

Weil Vater Alfred einmal in der Woche im Skat Klub ist, können Maria und Alfred mit einander in einem Bett liegen. Maria streut Brausepulver in ihren Bauchnabel. Voller Erregung spuckt Oskar in das weiße Pulver, das wieder Blasen schlägt. Anschließend schlafen die Beiden miteinander. „Und so kam Oskar zu einem dritten Trommelstock – alt genug war er dafür.“

Doch Oskars Vater Alfred Matzerath hat ebenfalls ein Auge auf seine Angestellte Maria geworfen. Als Oskar seinen Vater einmal auf dem Sofa beim Geschlechtsverkehr mit Maria ertappt, stürzt er sich auf seinen Vater und schlägt ihn mit seinen Trommelstöcken auf den Rücken. „Weg, geh weg.“ Maria wird schwanger, wobei unklar ist, wer der Vater ist. Oskar ist sich bewusst, dass Maria seinen Vater favorisiert. Deswegen ist er niedergeschlagen und verlebt seine Sexualität fortan mit der Frau des Gemüsehändlers Greff.

Unverhofft trifft Oskar wieder im Café Vierjahreszeiten auf seine alten Bekannten Bebra und Roswitha, die ihn erneut dazu einladen, an einem Fronttheater teilzunehmen. Bebra ist mittlerweile zu einem gefragten Unterhaltungsunternehmer geworden, der nach Art der Hofnarren im Mittelalter ein gern gesehener Gast im Propagandaministerium ist. Bei dem von Bebra betriebenen Fronttheater handelt es sich um eine Gruppe künstlerisch talentierter Kleinwüchsiger, die zur Erheiterung der Soldaten im Krieg Musik machen und schauspielern. Bebra erklärt es wie folgt: „Steigen Sie ein bei uns, junger Mann, trommeln Sie, zersingen Sie Biergläser und Glühbirnen! Die deutsche Besatzungsarmee im schönen Frankreich, im ewig-jungen Paris wird Ihnen danken und zujubeln.“

Auch wegen der Aussicht in der Nähe der schönen Roswitha zu sein, sagt Oskar zu. Durch diese Arbeit kommt Oskar viel herum. Er sieht Metz, Nancy, Châlons-sur-Marne, Reims und küsst Roswitha schließlich das erste Mal unterm Eiffelturm.

So entwickelt sich zwischen Oskar und Roswitha eine Liebesbeziehung. Selbstverständlich erlebt Oskar aber auch etwas von den Schrecken des Kriegs. In Trowille an der französischen Küste sieht er wie der Soldat Lankes auf Befehl mehrere unschuldige Nonnen erschießt, die am Strand spazieren gehen. Darüber hinaus stirbt seine Geliebte Roswitha bei einem Bombenangriff. „Mit dem Regimentsstab sollten wir zurückverlegt werden. Im Schlosshof hielt eine motorisierte, dampfende Feldküche.

Roswitha bat mich, ihr einen Becher Kaffee zu holen, da sie noch nicht gefrühstückt hatte. Etwas nervös und besorgt, ich könne den Anschluss an den Lastwagen verfehlen, weigerte ich mich und war auch eine Spur grob mit ihr. Da sprang sie selbst vom Wagen, lief mit dem Kochgeschirr in Stöckelschuhen auf die Feldküche zu und erreichte den heißen Morgenkaffee gleichzeitig mit einer dort einschlagenden Schiffsgranate.“

Von diesem Ereignis gezeichnet, beschließt Oskar 1944 in die Heimat aufzubrechen. Er kommt kurz vor dem dritten Geburtstag seines möglichen Sohns mit Maria zurück nach Danzig. Zum Geburtstag schenkt er ihm eine Blechtrommel. Doch das Kind kann mit dem Geschenk nichts anfangen und wendet sich brutal gegen den kleingebliebenen Oskar. Er zerstört die Trommel mit dem harten Holzrumpf eines alten Segelschiffs und schlägt Oskar mit einer Peitsche, die er von seinem anderen Vater Alfred erhalten hat.

Nachdem Oskar lange Zeit unterwegs war, wohnt er wieder bei Alfred Matzerath und dessen Geliebten und Angestellten Maria. Maria ist in der Zwischenzeit sehr fromm geworden. Oskar und sie besuchen zusammen die Herz-Jesu Kirche. Hier beginnt Oskar sich über die Gipsfigur lustig zu machen, die Jesus als Kleinkind darstellt. Er hängt der Figur seine Blechtrommel um den Hals und denkt nicht, dass etwas passieren wird. Doch der gipserne Jesus beginnt tatsächlich zu sprechen und fragt Oskar, ob er ihn liebt. Dreimal wiederholt Jesus diese Frage und dreimal verneint Oskar woraufhin ein Zeh der Figur abbricht.

Als es Nacht wird ist Oskar dermaßen frustriert, dass er alle Gläser in der Kirche durch seinen Gesang zerstört. Seine sowohl innere als auch soziale Verlorenheit drückt sich auch dadurch aus, dass er in der Diebesbande „die Stäuber“ aufgenommen wird. Seine prekäre psychische Situation wird durch die Androhung eines Briefes deutlich, der auf das Euthanasiegesetz der Nazis verweist. In der Diebesbande wird Oskar gerade auf Grund seines Talents Glas zu zersplittern wertgeschätzt. Die Bande richtet sich gegen alles und jeden und wird insbesondere von den Nazis verfolgt, da sich die Räuber auch gegen ihre Institutionen richten.

Als die räuberischen Tätigkeiten der Bande allerdings auffliegen, spielt Oskar der Polizei erneut vor, dass er ein von den Dieben entführtes Kind ist. Als sich der Zweite Weltkrieg seinem Ende neigt, besteht die akute Gefahr eines Angriffs der Roten Armee. Danzig wird schon von Artillerie beschossen. Als die Stadt von russischen Truppen belagert wird, verstecken sich Oskar, Maria und Vater Alfred Matzerath in einem Lagerkeller. Die Stadt brennt. Alfred Matzerath war auch Mitglied in der NSDAP.

Deswegen droht er von den Russen getötet zu werden. Er nimmt sein Parteiabzeichen ab. „Fast zaghaft wie ein Kind, das nich weiß, ob es weiterhin an den Weihnachtsmann glauben soll, stand Matzerath mitten im Keller, zog an seinen Hosenträgern, äußerte erstmals Zweifel am Endsieg und nahm sich auf Anraten der Witwe Greff das Parteiabzeichen vom Rockaufschlag, wusste aber nicht wohin damit.“ Er lässt es fallen, Oskar und Kurt streiten sich darum, doch Oskar bekommt es unter Schlägen von Kurt zu fassen.

Als die Russen im Keller stehen, geht zunächst alles friedlich vor sich. Die Russen nehmen die gehorteten Lebensmittel an sich. In diesem Moment gibt Oskar seinem Vater das Parteiabzeichen zurück. Dieser hat Angst erschossen zu werden und weiß sich kein anderes Versteck auszudenken, als das Abzeichen in seinen Mund zu nehmen. Doch er verschluckt es, sodass er zu würgen beginnt und kurzerhand von einem Soldaten erschossen wird.

Auf Alfreds Beerdigung beschließt Oskar wieder zu wachsen und wirft als Zeichen seiner Standhaftigkeit seinen treuen Begleiter, die Blechtrommel, ins offene Grab seines Vaters. Allerdings wird er diesem Moment ebenfalls von einem Stein am Kopf getroffen, sodass er ins Grab fällt. Selbstverständlich hatte sein gewalttätiger Sohn Kurt den Stein geworfen. Wieder weiß man nicht, ob Oskar nun wieder wächst weil er es beschlossen hat oder weil er einen Kopfstoß erhielt. Obwohl Oskar wächst, behält er einen Buckel.

Herr Fajgnold übernimmt das Erbe von Alfred Matzerath und würde am liebsten auch dessen geliebte Maria heiraten. Diese entschließt sich allerdings mit Oskar und ihrem Sohn Kurt ins Rheinland zu ihrer Schwester Guste zu ziehen. Am Ende des 2. Buchs heißt es: „So misst also Oskar von heute an einen Meter und dreiundzwanzig Zentimeter.

Er wird nun berichten, wie es ihm nach dem Krieg erging, als man ihn, einen sprechenden, zögernd schreibenden, fließend lesenden, zwar verwachsenen, ansonsten ziemlich gesunden jungen Mann aus dem Städtischen Krankenhaus Düsseldorf entließt, damit ich ein – wie man bei Entlassungen aus Krankenanstalten immer annimmt – neues, nunmehr erwachsenes Leben beginnen könnte.“


3. Buch

Nach Kriegsende leben Maria und Oskar im Rheinland. Während sich Maria und ihr Sohn Kurt ein wenig Geld durch Handel mit künstlichem Honig und Feuersteinen verdienen, liegt Oskar faul herum. Dieses Verhalten wird von Maria allerdings nicht toleriert, weswegen er sich erstmal ein wenig Zeit verschafft, indem er das wertvolle Collier seiner Mutter verkauft, das ihr Liebhaber Bronski einmal durch Oskars Zutun geklaut hat.

Kurz darauf fängt er ein Praktikum bei einem Steinmetz in Düsseldorf an. Hier ist es seine Aufgabe Buchstaben auf Grabsteine zu schlagen. Ein Heiratsantrag wird von Maria abgelehnt. Stattdessen macht sich Oskar in einem neuen schicken Anzug an Krankenschwestern heran, die er von seinem Krankenhausaufenthalt kennt. Ohne jedoch allzu großen Erfolg zu haben, setzt er sich betroffen und traurig vors Arbeitsamt.

Dort wird er von einer Gruppe Kunststudenten angesprochen, ob er nicht für sie als Aktmodell posieren wolle. Ohne zu zögern willigt Oskar ein, fortan verdient er 1,80 Mark die Stunde. Professor Kuchen erklärt das Interesse der Studenten an Oskar wie folgt: „Kunst ist Anklage, Ausdruck, Leidenschaft! Kunst, das ist schwarze Zeichenkohle, die sich auf weißen Papier zermürbt!“

Im Karneval trifft er auf den ihm bekannten Soldaten Lankes, der im Krieg die Nonnen in Trowille die Nonnen erschossen hat. Lankes ist nun ebenfalls Kunststudent. Der Maler Raskolnikoff fertigt ein Bild von Oskar an, das er „Madonna 49“ nennt. Das Bild ist blasphemisch und derb, weswegen die fromme Maria Oskar vor die Tür setzt. Er ist obdachlos, doch durch sein einträgliches Auskommen kann sich Oskar eine eigene Mietwohnung leisten.

Sein Zimmer liegt direkt neben dem der Krankenschwester Dorothea. Oskar ist verrückt nach ihr, ihm gelingt es allerdings nicht ihr nahe zu kommen. Deswegen öffnet er heimlich ihre Post. Beim Lesen ihrer Briefe liest er von einem gewissen Dr. Werner, von dem er denkt, dass er ein Verhältnis mit Dorothea hat. Er versucht immer wieder in Dorotheas Wohnung einzubrechen, doch diese verschließt immer ihre Tür. Als sie einmal vergisst, ihre Tür abzuschließen, wittert Oskar seine Chance. Er bricht in ihre Wohnung ein und masturbiert in ihrem Kleiderschrank.

Zu seinem Glück lernt Oskar den Musiker Klepp kennen, der verschiedene Blasinstrumente spielt. Sie beschließen eine gemeinsame Jazz-Band zu gründen. Doch vorher sollen sie dem Vermieter noch helfen einen Kokosläufer zu transportieren. Zum Dank erhält Oskar ein übrig gebliebenes Stück von dem Teppich. Als er nachts auf die Toilette muss, greift er kurzerhand zu dem Teppichrest und bindet ihn sich um die Leisten.

Auf dem Weg zur Toilette trifft er auf Dorothea, sie stoßen gegeneinander, fallen um, woraufhin die Krankenschwester von dem rauen Kokosteppich angemacht wird. Sie fragt nach Oskars Namen, doch dieser gibt sich nur als „Satan“ zu erkennen. Sie bittet mit Oskar/Satan schlafen zu dürfen, doch Oskar ist zu aufgeregt, weswegen er die Penetration nicht vollziehen kann. Es gelingt ihm nicht, „den Anker zu werfen.“

Oskar kann erst durch den Musiker Klepp aus seiner Lethargie gerissen werden, der ihn mit dem Gitarristen Scholle besuchen kommt. Sie gehen an den Rhein und beginnen zu spielen. Ihr Bandname lautet deswegen „The Rhine River Three“. Sie bekommen eine erste Anstellung in der Bar „Zwiebelkeller“. Im Zwiebelkeller sollen menschliche Gefühle durch das Schneiden von Zwiebeln hergestellt werden. Die Leute beginnen zu weinen und nehmen sich danach in den Arm.

Einer der Zuschauer der Band ist der Inhaber einer Konzertagentur Dr. Dosch. Als der der Besitzer des Zwiebelkellers stirbt, fragt er ob es möglich ist, Oskar unter Vertrag zu nehmen. Dieser lässt sich einen Vorschuss geben und geht mit Lankes auf Reisen. Sie besuchen den Atlantikwall.

In der Konzertagentur trifft er seinen alten Freund Bebra wieder. Gemeinsam haben sie großen Erfolg und werden reich. Auch Lankes wird durch seine Bilder vom Atlantik reich. Als Bebra stirbt, erbt Oskar sein Geld. Mit dem Geld gelingt es ihm, Maria von einem Geliebten fernzuhalten und sie eine Ladenkette eröffnen zu lassen.

Bei einem Spaziergang mit einem aus der Hundeleihanstalt geliehenen Hund findet Oskar einen abgetrennten Finger. Er berichtet seinem Freund Vittlar von dem Fund. Den Finger konserviert er bei sich zu Hause. Bei dem Finger handelt es sich um den von Dorothea, jedoch wurde er nicht von Oskar, sondern von einer anderen Krankenschwester namens Beate abgetrennt, die Dorothea aus Eifersucht umgebracht hat.

Sie war ebenfalls in Dr. Werner verliebt. Doch Oskar hat einen zerstörerischen Plan, der vor allem ihn selbst trifft. Er bittet Vittlar ihn bei der Polizei des Mordes an Dorothea anzuzeigen. Tatsächlich wird ihr Finger in seiner Wohnung gefunden, doch er ist auf der Flucht. Erst in Paris kann Oskar ergriffen werden. Er wird in eine Heil- und Pflegeanstalt verwiesen.

Die sprachliche Verfasstheit der Blechtrommel bricht in vielerlei Weise mit den gängigen Literaturkonzepten der Nachkriegszeit. Allein das schiere Ausmaß der Erzählung verweist auf eine Lust am Erzählen, die der verbreiteten Regelmäßigkeit der Kahlschlag-Literatur eine epische Ausdauer entgegensetzt. Der Begriff Kahlschlag-Literatur wird oft in Zusammenhang mit dem Begriff Trümmerliteratur verwendet, um die ästhetischen Prämissen der 50er Jahre zu beschreiben.

Die Kahlschlag-Literatur ist insbesondere durch ihre radikale Abkehr von vorhergegangen poetischen und überbordenden Sprachstilen gekennzeichnet, die vom Nationalsozialismus vereinnahmt wurden. Durch eine stilistische Verknappung wollte die Kahlschlag-Literatur an der Säuberung eines vom Nationalsozialismus vollständig vereinnahmten Sprachgebrauchs teilhaben.

Darüber hinaus gelingt es Grass, wie Heinz Gockel sagt, in der Blechtrommel die wiedergefundene Epik seiner Erzählung mit ironischer Distanz und parodistischen Ernst zu vereinbaren. Mit der Blechtrommel gelingt es Günter Grass, nahezu ironisch über die gerade einmal vierzehn Jahre zurückliegende Nazizeit zu sprechen.

Als Günter Grass „Die Blechtrommel“ verfasst ist er Anfang dreißig. Er wird schlagartig berühmt. 1999 erhält der Schriftsteller den Nobelpreis für Literatur. Grass wurde 1927 in Danzig geboren. Er wächst in einem deutsch-polnischen Elternhaus auf. Während seiner Kinderzeit war er Messdiener und kam mit zehn Jahren in die Hitlerjugend.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird er mit 17 Jahren Soldat eingezogen und dient der Waffen-SS. Allerdings verschwieg Grass seine Mitgliedschaft in der SS lange Zeit, sodass dieser Umstand erst im Jahre 2006 nach über 60 Jahren an die Öffentlichkeit geriet. Nach dem Krieg beginnt Grass in Düsseldorf an der Kunstakademie zu studieren. Er wird Bildhauer, betätigt sich aber nebenbei als Schriftsteller und beginnt mit der Niederschrift der „Blechtrommel“ nachdem er – so heißt es – in einem Café einen dreijährigen mit einer Blechtrommel beobachtet.

Auf einer Frankreichreise lernt er seine spätere Frau, die Schweizerin Anna Schwarz kennen. Sie heiraten und ziehen nach Paris, wo Grass weiter an der Blechtrommel schreibt. Unterdessen gehört Grass bereits seit 1955 der Gruppe 47 an, die eine große Bedeutung für die Literatur der Nachkriegszeit besitzt. Nach dem 1959 die „Blechtrommel“ erscheint, wird Grass schlagartig berühmt. Er erhält in kurzer Folge einen französischen Literaturpreis, als auch den Büchner- und Fontane-Preis in Deutschland. Während des Bundestagswahlkampfs 1969 unterstützt Grass den Sozialdemokraten Willy Brandt.

In der Folge wird er für sein politisches Auftreten kritisiert, die ihn aber zu einem der tonangebenden Intellektuellen in der bundesrepublikanischen Geschichte werden lässt. Bis heute ist sein politisches Engagement umstritten. In den siebziger Jahren arbeitet Grass an weiteren Gedichten, Zeichnungen und Erzählwerken. 1979 heiratet Grass erneut, diesmal die Musikerin Ute Grunert. Ebenfalls feiert der Film zur „Blechtrommel“ einen großen Erfolg und gewinnt die „Goldene Palme“ der Filmfestspiele in Cannes.

Im Jahr darauf gewinnt der Film den Oscar als bester fremdsprachiger Film. Bis zur Verleihung des Nobelpreises im Jahre 1999 häufen sich weitere Auszeichnungen und Veröffentlichungen. Er zählt heute zu einem der berühmtesten und bekanntesten Schriftsteller Deutschlands.

Der Roman wurde 1979 von dem Regisseur Volker Schlöndorff verfilmt. Die Adaption des Romans wurde als erster deutscher Film überhaupt als bester fremdsprachiger Film bei den Oscar-Verleihungen in Hollywood ausgezeichnet.

Neben dem Deutschen Filmpreis erhielt der Film ebenso die Goldene Palme auf den Filmfestspielen in Cannes. Im Gegensatz zum Roman beschränkt sich der Film nur auf die ersten beiden Bücher der Buchvorlage. Darüber hinaus erzählt der Film nur die chronologische Entwicklung des Kindes Oscar Matzerath, die Rahmenerzählung in der Heil- und Pflegeanstalt wird hingegen komplett ausgespart, wodurch auf Rückblenden und Sprünge zwischen den Inhaltsebenen verzichtet wird.