Goethes Bearbeitung des historischen Fauststoffes gehört zu den bedeutendsten Dramen der deutschsprachigen Literatur. Goethe arbeitete nahezu sein gesamtes Leben am Faust. Um 1770 begann Goethe die Arbeit am sogenannten „Urfaust“, einer Frühfassung des ersten Teils der Tragödie.

Dieser Text wurde allerdings erst 1887 in einer Abschrift aufgefunden, ist also nie zu Goethes Lebzeiten veröffentlicht worden. Eine erste fragmentarische Veröffentlichung des Faust fand 1790 statt. Eine endgültige Veröffentlichung des Faust 1, wie wir ihn heute zumeist lesen, erfolgte erst 1808. (Die Veröffentlichung des Faust 2 datiert auf 1832, kurz nach Goethes Tod).

Es ist somit allzu offensichtlich, dass Goethe nahezu über sein ganzes Leben und die Dauer von 60 Jahren am Faust gearbeitet hat. Die Tragödie geht weit über die Gestaltung einer historischen Figur hinaus und entwirft vielmehr in der Vielfalt und der Tiefe seiner Fragen ein Drama, das die grundlegenden Fragen des Menschseins thematisiert.

Der Gelehrte Faust sehnt sich nach der Erkenntnis, was die Welt im Innersten zusammenhält. Er strebt nach letztendlicher Erkenntnis und wird von Gott als ein frommer Knecht bezeichnet. Doch weil Faust seinen Wissensdurst durch keine Erkenntnis stillen kann, lässt er sich auf einen Pakt mit Mephistopheles ein (kurz Mephisto). Mephisto ist eine Gestalt der Hölle. Er versucht Faust von seinem ideellen Streben abzubringen und ihn in Versuchung zu bringen.

Die Faust-Tragödie ist ein Drama in zwei Teilen. Der erste Teil (hier beschrieben) beschreibt eine Reise durch die „kleine Welt“, in der Mephisto Faust durch das Angebot sinnlicher Liebe und das Glück des Rausches und der Jugend versuchen will.

Im zweiten Teil der Tragödie wird hingegen eine Reise durch die „große Welt“ unternommen (sie beginnt nach der Flucht aus dem Kerker in der letzten Szene des Faust 1). Der zweite Teil thematisiert im Unterschied zu Faust 1 große, weltumspannende Themen wie der Untergang des Feudalismus, die Einführung des Papiergelds und die Entstehung der kapitalistischen Gesellschaftsform.

Das Drama beginnt mit drei Vorspielen. Diese werden mit Zueignung, Vorspiel auf dem Theater und Prolog im Himmel betitelt. Anschließend folgt die erste Szene des dramatischen Textes.


Zueignung

Die Zueignung thematisiert das Verhältnis des Schriftstellers zu seinen Figuren in vier melancholischen Strophen. Im Vers Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten werden die Figuren des Dramas beschworen, über die der Dichter keine Macht hat. Deshalb sagt er: Nun gut, so mögt ihr walten.

Gleichzeitig setzt sich die Zueignung mit den bereits verstorbenen Weggefährten des Dichters auseinander und kommt letztlich auf die Leser zu sprechen (denen normalerweise eine Zueignung gewidmet ist), die allerdings nur als unbekannte Menge beschrieben werden. Bei dem Gedicht Zueignung handelt es sich inhaltlich um eine Elegie, formal allerdings um eine Stanze.


Vorspiel auf dem Theater

Ein Unterhaltung zwischen Theaterdirektor, Dichter und Schauspieler. Jede der Figuren vertritt einen Standpunkt. Der Theaterdirektor möchte zunächst die Gunst des Publikums, da diese Umsatz beschert. Zwar ist ihm die Kunst wichtig, aber das Ergebnis bedeutet ihm mehr. Dieser Meinung wird von dem Dichter widersprochen.

Er verurteilt den Massengeschmack und verachtet die „bunte Menge“. Der Schauspieler ist um genau zu sein ein Clown. Er ist nicht mit dem Dichter einverstanden. Seiner Meinung nach, muss die Dichtung wie ein Liebesabtenteuer sein und die Menschen ergreifen.


Prolog im Himmel

Wie der Titel des Prologs andeutet, findet das dritte Vorspiel im Himmel statt. Die Erzengel Raphael, Gabriel und Michael stimmen ein Loblied Gottes an, werden jedoch von Mephisto unterbrochen. In einem schnippischen Ton wendet sich der aus der Unterwelt stammende Mephisto an Gott, um sich über seine Schöpfung und insbesondere den Menschen lustig zu machen.

So verwende der Mensch sein bisschen Verstand nur, um „tierischer als jedes Tier zu sein“. Im Gespräch mit Mephisto erwidert Gott fragend, ob Mephisto den Faust kenne. Gott bezeichnet Faust als einen treuen Knecht, der gemäß seiner idealistischen Auffassung der Welt zu immer höherer Erkenntnis strebt und diese, seiner Meinung nach, auch finden wird.

Diese Möglichkeit wird von Mephisto verneint, der Gott eine Wette vorschlägt. Zwar wird der Vorschlag der Wette von Gott nicht angenommen, doch Mephisto erhält die Erlaubnis mit Faust zu spielen. Der Plan Mephistos sieht vor, Faust durch das Angebot aller möglichen irdischer und überirdischer Privilegien zu verführen, sodass er von seinem idealistischen Erkenntnisdrang abkommt.


Nacht

Dr. Johann Faust ist ein breit geschulter Gelehrter, der alle Wissensbereiche seiner Zeit erforscht und studiert hat („Habe nun, ach! Philosophie, / Juristerei und Medizin, / Und leider auch Theologie / Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. / Da steh‘ ich nun, ich armer Tor, / Und bin so klug als wie zuvor!“).

In seinem Studierzimmer, das voller Bücher und wissenschaftlicher Geräte ist, bilanziert er sein bisheriges Leben und kommt zu der Einsicht, dass er den gesuchten Sinn nicht gefunden hat. Er fragt sich, was die Welt im innersten zusammenhält und glaubt durch noch mehr Wissen, die Ausweglosigkeit seiner Situation nur noch zu verstärken.

Weil sein Erkenntnisinteresse dennoch nicht verblasst, beschließt er sich mit Magie zu beschäftigen. Er greift zu einem Nostradamus-Buch und beschwört Geister. Als ihm jedoch keine Geister antworten, wendet er sich an den Erdgeist, der tatsächlich auf sein Zeichen hin erscheint. Doch Faust gelingt es nicht, den Geist zum Bleiben zu bewegen.

Auf sich selbst zurückgeworfen, wird er von seinem Gehilfen Wagner unterbrochen. Doch nach dem kurzen Gespräch mit Wagner ist Faust noch immer am Boden zerstört. Er sieht keine Möglichkeit mehr, seine Fragen nach dem Zusammenhalt der Welt zu beantworten und beschließt, sich umzubringen.

Hierfür greift er zu einem Giftfläschchen, das er bereits an die Lippen gesetzt hat, als die Glocken einer Kirche erklingen: Es ist Ostersonntag. Faust erinnert sich an seine Kindheit und beginnt zu weinen („die Erde hat mich wieder“).


Vor dem Tor

Mit seinem Schüler Wagner geht Faust vor den Stadttoren spazieren (der sog. Osterspaziergang). Das einfache Volk kennt die Probleme des Gelehrten nicht. Sie spielen und singen und tanzen unbeschwert und scheinen ihren Platz in der Welt ohne große Überlegungen gefunden zu haben. Wagner ist höchst zufrieden, mit Faust unterwegs zu sein, da dieser als Mediziner sehr angesehen ist.

Doch Faust reflektiert seine eigene Position, denn so hat er wie sein Vater mehre Male Experimente an Patienten durchgeführt. Bei diesen Experimenten ist es auch vorgekommen, dass Leute gestorben sind. Für Wagner ist dieses jedoch Wissenschaft. Faust bemerkt einen schwarzen Pudel, an dem er allerlei Zauberhaftes zu erkennen meint.


Studierzimmer

Faust kehrt mit dem Pudel in sein Studierzimmer zurück. Im Gegensatz zu seiner vorherigen Verzweiflung, begnügt sich der Gelehrte mit einer beschaulichen Behaglichkeit. So reicht er dem Hund ein Kissen und denkt selber über seine Liebe zu Gott nach. Dennoch ist und bleibt Faust ein Gelehrter. Er denkt über eine Bibelstelle samt ihrer lutherischen Übersetzung nach (Johannes 1.1).

In der Übersetzung heißt es „Am Anfang war das Wort“´, doch Faust versteht die Würdigung des Wortes nicht. Er überprüft andere Übersetzung und meint schließlich, dass die richtige Übersetzung „Tat“ heißen müsste. Nach Fausts Reflexion beginnt sich der Pudel zu verwandeln. Es wird offensichtlich, dass sich Mephisto in dem Pudel versteckt.

Der Pudel wird zu einem Nilpferd und danach zu einem Elefanten. Als sich der entstandene Rauch legt, tritt Mephisto als fahrender Student verkleidet hervor. Zunächst denkt Faust, dass er es mit einem Abgesandten des Erdgeists zu tun hat. Mephisto erläutert ihm jedoch, dass er ein „teil von jener Kraft“ sei, „die steht das Böse will und stets das Gute schafft“.

Normalerweise hatte Faust sein Studierzimmer mit geometrischen Formen gegen Dämonen gesichert. Doch das Pentagramm zur Eingangstür war nicht perfekt geschlossen, sodass Mephisto eintreten konnte. Im Zimmer ist er aber von zwei geschlossenen Dreiecken gebannt. Er schläfert also Faust ein und beschwört mit einem Tropfen Öl eine Ratte herauf, die eine Öffnung in das Pentagramm nagt, sodass Mephisto sich endlich rühren kann.

Er wechselt seine Kleidung und ist nun in ein mit Gold besetztes Kostüm gekleidet. Als er den wieder erwachten Faust bittet, sich ebenfalls gut anzuziehen, wird er von diesem verhöhnt. Faust hat nichts für Kleidung übrig und ergeht sich in einem verfluchenden Groll gegen alle Äußerlichkeiten des menschlichen Lebens wie Besitz, Geld, Behaglichkeit, aber auch gegen die Familie und alle christlichen Werte wie Glaube, Liebe und Hoffnung.

Die Klage Fausts nutzt Mephisto, um auf die von ihm geplante Wette zu sprechen zu kommen. Er bittet Faust seine Dienerschaft im hiesigen Leben, wofür er allerdings die Dienerschaft Fausts nach seinem Tode verlangt. So will Mephisto Faust durch seine Hilfestellung zu unbekannten Genüssen verhelfen, die ihm seine unglückliche Lebenssituation vergessen machen sollen.

Doch Faust glaubt nicht, dass er sich etwas von Mephisto zeigen lassen könnte, das ihn befriedigt. Er wird immer weiter auf der Suche sein. Insofern fürchtet er sich nicht vor Mephistos Versuchungen oder einer Strafe in der Hölle. Der Pakt wird mit einem Tropfen Blut von Faust besiegelt.


Auerbachs Keller

In einem ersten Schritt hin zur angestrebten Verführung Fausts führt Mephisto den Gelehrten in eine Kellerkneipe in Leipzig. Mephisto ist der Meinung, dass jeder Mensch an einem einfachen, flachen Genuss interessiert so. So also auch Faust.

Sie setzen sich zu einigen Studenten an den Tisch und Mephisto zaubert mehrere Weinflaschen hervor, an denen man sich ausgiebigst bedient. Faust lernt ihre Geselligkeit kennen, während die aufkommende Stimmung von Zauberstücken Mephistos befeuert wird. Doch Faust sitzt wort- und bewegungslos am Tisch.

Je mehr die Studenten trinken, desto mehr nähert sich ihr Verhalten demjenigen von Tieren an. Als sich der Wein in Feuer verwandelt, gehen die Studenten mit Messern auf Faust und Mephisto los,woraufhin die beiden auf Weinfässern reitend fliehend müssen.


Hexenküche

Als nächstes führt Mephisto Faust in eine Hexenküche. Auf einem Herd steht ein Kessel Zaubertrank, der von einer Meerkatze zubereitet wird. In der Hexenküche kommt es zu einer Verjüngungskur, das heißt Faust wird durch den bereits erwähnten Zaubertrank um viele Jahre verjüngert, sodass er wieder attraktiv und jugendlich aussieht. Als Faust an dem Trank nippt, entsteht eine leichte Flamme.

Zuvor hatte Faust in einem Zauberspiegel eine hübsche Frau gesehen, die er gerne noch einmal betrachten würde. Faust sagt, dass er diesem Geschöpf den „Inbegriff aller Himmel“ gesehen habe. Die gesehene Schönheit reiße ihn aus der „Babarey“. Doch Mephisto regt zur Weiterfahrt an, sagt jedoch halblaut zu sich selbst: „Du siehst mit diesem Trank im Leibe / Bald Helenen in jedem Weibe“.


Straße

Faust ist als Edelmann verkleidet und spricht Margarete auf der Straße an. Nicht nur, dass er dem Mädchen seinen Arm und sein Geleit anbietet, er spricht das einfache Mädchen auch als „Fräulein“ an, mit dem sonst unverheiratete Adelige angesprochen werden. Doch Margarete entwendet sich seinem Zugriff und sagt: „Bin weder Fräulein weder schön, / kann ungeleitet nach Hause gehn“.

Faust ist von dem jungen Mädchen sehr beeindruckt und befiehlt Mephisto ihn mit diesem Mädchen bekannt zu machen. Doch Mephisto ist über Faust Wahl verwundert und sagt, dass er keine Macht über Margarete habe, denn sie sei ein unschuldiges Mädchen, dass gerade wegen nichts zur Beichte gegangen ist. Nach einiger Diskussion ist Mephisto dazu bereit, Faust noch am selben Abend in die Nähe von Margarete zu bringen. Ihm ist klar, dass er das Mädchen nur durch List und Tücke zu Faust Geliebten machen kann.


Abend

Unterdessen sitzt Margarete auf ihrem Bett und flechtet sich ihre Zöpfe. Sie denkt über den Edelmann nach, den sie zuvor auf der Straße gesehen hat. Als Margarete zu ihrer Nachbarin geht, treten Mephisto und Faust in ihre Kammer. Sie sind von der Reinlichkeit angetan. In einem Monolog berichtet Faust von seiner warmen Liebe zu dem Mädchen (so sagt er z.B. „Was fasst mich für eine Wonnegraus / Hier möcht ich volle Stunden säumen“).

Als Mephisto das Mädchen wiederkommen hört, deponiert er noch schnell eine Schatulle in ihrem Schrank. Margarete kommt wieder und beginnt zu singen („Es war ein König in Thule“). Als sie ihren Schrank öffnet, um ihre Kleider zu sortieren, erblickt sie das Kästchen. Sie öffnet es und findet eine wertvolle Kette, die sie gleich anlegt und vor dem Spiegel betrachtet.


Spaziergang

Auf einem Spaziergang berichtet Mephisto Faust, dass der Schmuck von Gretchens (Margaretes) Mutter gefunden wurde. Gleichzeitig hat ihre Mutter einen Pfarrer kommen lassen, der das verunsicherte Mädchen an ihre Gottergebenheit erinnern soll. Trotz ihrer Frömmigkeit, denke das Mädchen allerdings alle Zeit an den Schmuck und den unbekannten Überbringer („Denkt ans Geschmeide Tag und Nacht, / Noch mehr an den, der’s ihr gebracht“).


Der Nachbarin Haus

Die Nachbarin weint um ihren verschollenen Ehemann. Sie weiß nicht, ob er tot oder lebendig ist, da er sie vor längerer Zeit verlassen hat und in die Welt gewandert ist. Diesen Umstand macht sich Mephisto zu nutze. Doch zunächst berichtet Gretchen der Nachbarin von einem neuen Schmuckstück, das sie in ihrer Kammer gefunden hat.

Als es klopf, tritt Mephisto ein und behauptet, der Frau Marthe Schwerdtlein (die Nachbarin) eine Nachricht überbringen zu müssen. Er sagt, dass ihr Mann in Italien gestorben sei und in Padua begraben liegt. Er zeigt sich dazu bereit, mit einem weiteren Bekannten ihres verstorbenen Mannes (Faust), seinen Tod zu bestätigen, sodass unter der Gewissheit zweier Zeugen ein Totenschein ausgestellt werden könnte („Ich bin von je der Ordnung Freund gewesen, / Möcht ihn auch tot im Wochenblättchen lesen“).

Zu diesem Zweck verabredet man sich für den Abend im Garten des Hauses. Mephisto fragt unter Verweis auf seinen Freund (Faust), ob auch die Jungfrau Margarete bei dem Treffen erscheinen könnte.


Straße

Mephisto berichtet Faust von dem Plan, der jedoch zuerst nicht recht begeistert ist. Seiner Meinung nach, müsste man auch überprüfen, ob der Mann wirklich in Italien gestorben und begraben ist. Doch Mephisto verneint und sagt, dass es einfacher sei, die Unwahrheit in diesem Fall nicht zu überprüfen. Daraufhin wird er von Faust ein Lügner genannt. Doch gleichzeitig ist Faust daran interessiert, Gretchen zu sehen, weswegen er sich auf das Spiel einlässt.


Garten

In der Szene wird die eigentliche Unterhaltung zwischen der Nachbarin und Mephisto und Faust nicht dargestellt. Stattdessen sieht man sowohl Gretchen und Faust als auch Mephisto und die Nachbarin Arm in Arm spazieren. Zwischen Mephisto und der Nachbarin entsteht ein Gespräch über die Liebe, in dessen Verlauf Mephisto die Idee der Liebe verneint.

Gleichzeitig spitzt sich die Beziehung zwischen Faust und Margarete immer weiter zu. Obwohl Margarete zunächst immer noch nicht versteht, warum sich Faust für sie interessiert und zu Beginn der Szene ihre Hand küsst, versteht sie bald, dass Faust sie wirklich liebt. In diesem Zusammenhang spielt sie das bekannte Spiel, bei dem sie nacheinander die Blüten von einer Sternblume abzupft und „er liebt mich – liebt mich nicht …“ sagt.

Faust gesteht dem Mädchen seine Liebe (wohl in der 3. Person, „Er liebt dich), woraufhin beide von heftigen Gefühlen bewegt sind. Schließlich rennt Margarete fort. Faust folgt ihr.


Ein Gartenhäuschen

Margarete versteckt sich in einem Gartenhäuschen, wird jedoch von ihrem Verehrer gefunden. Faust küsst sie beim Eintritt in das Häuschen. Sein Kuss wird von Gretchen erwidert. Sie werden von Mephisto unterbrochen, der zum Aufbruch mahnt.


Wald und Höhle

Faust zieht sich in die Natur zurück und beginnt ein Gespräch mit dem „erhabenen Geist“. In seinem Monolog sinniert Faust über sein Verhältnis zu der Natur und anschließend über seine Sehnsüchte zu Gretchen. Er wird sich seiner Abhängigkeit zu Mephisto bewusst („den Gefährten, den ich schon nicht mehr entbehren kann“).

Als Mephisto auftritt, kommt es zu einer Diskussion zwischen den Beiden. Mephisto versucht, Fausts Leidenschaft für Gretchen weiter anzufachen, in dem er von ihrer Sehnsucht nach dem Geliebten erzählt. Doch Faust erkennt mittlerweile immer deutlicher den Charakter seines Begleiters, er nennt ihn: „Schlange“ und sagt „Pfui über dich!“.

Obwohl Faust erkennt, dass er Gretchens ins Verderben stürzen wird, ist seine Sehnsucht nach Gretchen so groß, dass er Mephisto bittet die Zeit bis zu ihrem Wiedersehen zu verkürzen.


Gretchens Stube

Derweil beklagt Gretchen ihre Unruhe. Sie sitzt am Spinnrad und sagt knappe, sehnsüchtige Zeilen: „Meine Ruh‘ ist hin, mein Herz ist schwer; / Ich finde sie nimmer und nimmermehr“. In ihrem Monolog äußert sie ihre tiefe Begierde nach dem Geliebten („Mein Busen drängt sich nach ihm hin“).


Marthens Garten

Im Garten der Nachbarin treffen Faust und Margarete aufeinander. Es kommt zu einer ernsten Diskussion, zu dessen Beginn Gretchen Faust nach seiner Meinung über die Religion befragt (diese sog. Gretchenfrage soll eine entscheidende Frage ausdrücken, zu der vieles weitere in einem Abhängigkeitsverhältnis steht).

Faust möchte der Frage erst ausweichend begegnen, doch auf Gretchens drängen sagt Faust, was er über die Religion denkt: „Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott! / Ich habe keinen Namen dafür. / Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch“. Gretchen ist mit der Frage einigermaßen zufrieden und kommt nun auf Mephisto zu sprechen. Sie sagt, dass er ihr verhasst ist.

Als Margarete gehen möchte, wird sie von Faust zurück gehalten. Er würde gerne einmal „ein Stündchen ruhig“ in ihrer Nähe weilen. Doch Margarete kommt auf ihre Mutter zu sprechen, die es ihr unmöglich macht, Faust bei sich zu empfangen. Aus diesem Grund gibt Faust Margarete ein Fläschchen mit einem Schlaftrunk, der ihre Mutter fest einschläfern soll.


Am Brunnen

Gretchen und Lieschen holen Wasser. Lieschen erzählt ihr von Sibylle, die ein uneheliches Kind bekommen hat. Im Gegensatz zu Lieschen, zeigt Margarete Mitgefühl. Als Gretchen im Anschluss an das Gespräch alleine ist, denkt sie über die Sünderin nach und vergleicht ihr Schicksal mit ihrer Liebe zu Faust („Doch – alles was dazu mich trieb, Gott! war so gut! ach war so liebt!“).


Zwinger

In einer Mauerhöhle bringt Margarete dem Andachtsbild der Mater Dolorosa (einer Heiligenfigur) Blumen dar. In verzweifelten Worten bittet sie die Heilige, sie vor Schmach und Tod zu bewahren.


Nacht

Auf der Straße vor Gretchens Türe ist der Soldat Valentin, Gretchens Bruder. Er ist von der Unschuld und der Grazie seiner Schwester überzeugt, als er zwei Gestalten herbei schleichen sieht. Es sind Faust und Mephisto, die in Gretchens Zimmer wollen. Mephisto beginnt auf einer Zither zu spielen und zu singen.

Valentin bricht hervor und zerschlägt das Instrument. Es kommt zu einem Kampf, indem sich Mephisto von Faust verteidigen lässt. Auf Befehl Mephistos sticht Faust zu und töten Gretchens Bruder. Nachdem Faust und Mephisto geflohen sind, naht das Volk herbei. Im Sterben wird Gretchen von ihrem Bruder eine „Hur’“ genannt. Er spricht ihr alle Ehre ab und stirbt.


Dom

Gretchen sucht die Kirche auf, um in ihrer Verzweiflung Schutz an einem ihr vertrauten Ort zu erhalten. Doch entgegen der erhoffen Erlösung, wird sie von Bösen Geistern befallen, die ihr ihre Schuld vorwerfen. So sagt der Böse Geist: „Wie anders, Gretchen, war dir’s, / als du noch voll Unschuld hier zum Altar trat’st“.

An dieser Stelle wird erstmals auf den Tod der Mutter eingegangen, die durch den von Faust überreichten Schlaftrunk gestorben ist. Somit ist Gretchen für den Tod ihrer Mutter verantwortlich. Gleichzeitig erwähnt der Böse Geist, dass Gretchen in der Nacht mit Faust (dieselbe, in der ihre Mutter starb) schwanger geworden ist.

In immer stärkerer Bedrohung verurteilt der Böse Geist Margarete, die von der übermächtigen Architektur der Kirche eingeschüchtert ist. Am Ende der Szene fällt sie in Ohnmacht.


Walpurgisnacht

Auf dem Blocksberg im Harz wird Walpurgisnacht gefeiert. Zu diesem Zweck haben sich allerlei Gestalten der Unterwelt versammelt, an deren Spitze der Teufel erscheint. Neben zahlreichen Hexen, treffen Faust und Mephisto auf einen General, einen Minister, einem Parvenü und einen Autor. Faust wird von Mephisto auf Liltih aufmerksam gemacht, die Adams erste Frau war.

Es wird solange getanzt, bis Faust aus dem Kreis der Geselligen tritt. Es taucht die Gestalt eines schönen Kindes auf. Ihre Füße sind gefesselt und Mephisto erkennt in ihr das „gute Gretchen“. Es ist offensichtlich, dass sie gefangen gehalten wird und vor ihrer Enthauptung steht (so sagt Mephisto: „Sie kann das Haupt auch unterm Arme tragen; / Denn Perseus hat’s ihr abgeschlagen“).


Trüber Tag, Feld

Faust ist verzweifelt und wütend. In prosaischen Sätzen beklagt er Gretchens Schicksal, deren Gefangenschaft er verantwortet. Als Mephisto kühl auf Faust Klage reagiert, wird er von Faust als „Hund“ und „abscheuliches Untier“ beschimpft. Er ist von Mephisto angeekelt und verlangt von ihm, dass er Gretchen rettet.

Doch dieser verneint und verweist auf Faust Schuld am schrecklichen Schicksal der zu Beginn noch so Unschuldigen. Faust verlangt, von Mephisto zu Gretchen in den Kerker gebracht zu werden. Entgegen Mephistos Warnung, ist Faust fest entschlossen Margarete zu retten. Mephisto sagt, dass er die Wache ablenken und Zauberpferde zur Flucht bereit stellen kann.


Nacht, offenes Feld

Faust und Mephisto rasen auf schwarzen Pferden durch die Nacht. In der Ferne sehen sie eine Hexenzunft.


Kerker

Als Faust bei Margarete ankommt, findet er einen zerstörten Menschen vor. Das Mädchen ist unfähig zwischen Faust und ihrem Henker zu unterscheiden. Nur einmal meint Gretchen ihren Geliebten zu erkennen (als Faust laut ihren Namen wiederholt). Die Liebenden kommen sich noch einmal nah, doch Faust drängt zur Flucht.

Margarete empfindet Faust Lippen als kalt und zweifelt, in ihm ihren Geliebten zu erkennen. Anstelle zu fliehen, erkennt sie ihre Schuld, denn so hat sie ihre Mutter umgebracht und ihr neugeborenes Kind ertränkt. Obwohl die Kerkertür offen steht, ist Gretchen für ihre Schuld bereit zu sterben.

Als Faust im Morgengrauen erkennt, dass er Margarete nicht retten wird, erscheint Mephisto. Gretchen übergibt sich ganz der Gnade Gottes. Als Mephisto sagt, dass Gretchen gerichtet ist, erklingt eine „Stimme von oben“, die sagt, dass Gretchen gerettet ist. Mephisto zieht Faust zu sich und verschwindet mit ihm.

  • Dr. Heinrich Faust, ein Gelehrter
  • Mephistopheles (Mephisto), Teufel
  • Margarete, genannt Gretchen, ein junges Mädchen
  • Marthe Schwerdtlein, Gretchens Nachbarin
  • Wagner, Fausts Famulus
  • Valentin, Gretchens Bruder
  • Hexe
  • Schüler
  • Frosch, Brander, Siebel, Altmayer, „lustige Gesellen“ in Auerbachs Keller
  • Lieschen, eine Bekannte Gretchens
  • Direktor, ein Theaterdirektor
  • Dichter
  • Lustige Person, ein Schauspieler
  • Raphael, Gabriel und Michael, drei Erzengel
  • Der Herr, Gott
  • Geist, Erdgeist
  • Chor der Engel, Chor der Weiber, Chor der Jünger, Spaziergänger aller Art, Bauern, Geister, Hexentiere, Böser Geist, Walpurgisnacht-Figuren, Stimme von oben, ein Pudel, Meerkatzen der Hexe.

Johann Wolfgang von Goethe ist 1749 in Frankfurt am Main geboren. Er studiert Jura in Leipzig und Straßburg. 1774 veröffentlicht er Die Leiden des jugen Werther und wird schlagartig berühmt. In der Folge seines Erfolges wird er von dem Weimarer Fürsten Carl August in den Fürstendienst am Weimarer Hof berufen.

Goethe wird Mitglied der Regierung und macht sich sehr schnell unentbehrlich. 1782 wird Goethe in den Adelsstand gehoben. Zwischen 1786-1788 hält sich Goethe heimlich in Italien auf. Er ist vor den Anforderungen seiner Beamtentätigkeit geflohen und möchte sich ganz der Dichtung widmen.

Bis zu seinem Tod 1832 wird Goethe noch zahlreiche Stücke von Weltrang schreiben (z.B. Wilhelm Meister, Faust, die Wahlverwandtschaften). Gemeinsam mit dem Dichter Friedrich Schiller verkörpert er wie kein anderer das literarische Zeitalter der Klassik.

Der historische Hintergrund der Faust-Tragödie bildet die wirkliche Gestalt des Johann Georg Faust, der ca. von 1480 bis 1540 gelebt hat. Der historische Faust war ein umherziehender Wunderheiler, Alchemist und Astrologe, der für verschiedene Fürsten gearbeitet hat.

Er starb wahrscheinlich bei einem Misslungen alchemistischen Experiment, bei dem er künstlich Gold herstellen wollte. Goethe bediente sich frei an der historischen Rahmenhandlung um 1500, einer Zeit, die den langsamen Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit markiert.

Goethe erweitert den historischen Fauststoff jedoch, sodass sein Faust nicht einfach nur ein herumziehender Weissager, sondern ein viel studierter und anerkannter Gelehrter ist. Gleichzeitig steht insbesondere Faust Beziehung zu Margarete im Vordergrund, weswegen der Faust 1 auch oft abwechselnd als „Gelehrten-“ oder „Gretchentragödie“ bezeichnet wird.