Mit dem Paradestück des Absurden Theaters Warten auf Godot gelang Samuel Beckett der Durchbruch als Autor. Nachdem Beckett das Stück zwischen Herbst 1948 bis Anfang 1949 geschrieben hatte, dauerte es noch drei Jahre bis zur Publikation und erst im Januar des Jahres 1953 konnte das Stück im Pariser Théâtre de Babylone uraufgeführt werden.

Das zweiaktige Stück wurde von Publikum und Kritik überaus erfolgreich angenommen, so dass der Titel Warten auf Godot bis heute im Sprachgebrauch für ein sinnloses und vergebliches Warten steht und demnach zum geflügelten Wort wurde. Aus diesem Grund lässt sich auch nicht „einfach so sagen“, „worum“ es in dem Stück geht. Eine wirkliche Handlung gibt es nicht. Die Protagonisten Estragon und Vladimir warten einfach nur auf Godot. Sie wissen allerdings nicht, warum sie auf Godot warten.

Es ist ebendiese Unbestimmtheit, welche in ihrer erschreckenden Unverständlichkeit die Absurdität der menschlichen Existenz offenbart. Aus diesem Grund ist Warten auf Godot ein immer wieder genanntes Paradestück des Theater des Absurden, das die Sinnfreiheit der Welt und den darin orientierungslosen Menschen darstellen will und dabei grotesk-komische Szenen zeigt → zur ausführlichen Inhaltsangabe

Inhaltsangabe / Szenenübersicht von Warten auf Godot
ERSTER AKT
Zu Beginn des 1. Akts versucht Estragon, einen Schuh anzuziehen, was ihm aber auf Grund eines geschwollenen Fußes schwer fällt. Sein Freund Vladimir erscheint. Sie sind erfreut, sich zu sehen, wissen aber nicht, wie sie sich verhalten sollen. Es entsteht ein dahin plätschernder Dialog, in dessen Verlauf die verschiedensten Themen angesprochen werden. Als ob sich Estragon der Aussichtslosigkeit des Dialogs bewusst ist, schlägt er seinem Freund Vladimir vor, zu gehen. Dieser allerdings weist darauf hin, dass sie nicht gehen können, da sie ja auf Godot warten. Bei dem folgenden Dialog handelt es sich um eine zentrale Stelle des Stücks Warten auf Godot, die im Verlauf der Handlung sowohl im ersten als auch im zweiten Akt wortwörtlich wiederholt wird:
Der zentrale Dialog des Werkes
Estragon: „Komm, wir gehen.“
Vladimir: „Wir können nicht.“
Estragon: „Warum nicht?“
Vladimir: „Wir warten auf Godot.“
Estragon: „Ach ja.“
Ohne den Grund für ihr Warten zu kennen, harren die Beiden weiter aus. Es herrscht Unklarheit über den genauen Ort und die Zeit des verabredeten Treffens. Nach einer Szene, in der sich Estragon und Vladimir liebevoll Gogo und Didi nennen, überlegen sie, sich aufzuhängen. Doch sie erinnern sich, dass es zunächst ratsam wäre, die „Antwort“ von Godot zu hören. Um welche Antwort und um was für eine Frage es sich handelt, wird nicht aufgelöst. Vladimir und Estragon können sich schlichtweg nicht mehr erinnern.
Kurz darauf sind sie damit beschäftigt, ein einfaches Essen zu teilen, als die Figuren Pozzo und Lucky auftreten. Lucky wird von Pozzo über die Bühne gescheucht. Lucky ist schwer beladen und es wird deutlich, dass Pozzo ein Machtverhältnis gegenüber Lucky einnimmt. Pozzo spricht Kommandos und Befehle aus, die der völlig erschöpfte Lucky ausführen muss. Pozzo bezeichnet Lucky mehrmals als Schwein und beschimpft ihn. Als sich Pozzo zum Essen niederlässt, inspizieren Vladimir und Estragon den erschöpften Lucky. Sie erkennen, dass Lucky um seinen Hals ein Seil trägt, mit dem Pozzo ihn zuvor wie ein Tier geführt hat. Sie betrachten Lucky ausführlich und versuchen Pozzo darauf hinzuweisen, dass ihrer Meinung nach ein Mensch nicht wie ein Tier geführt werden sollte. Sie ringen sich zu der Bezeichnung „Skandal“ durch, um damit Pozzos Verhalten gegenüber Lucky zu benennen.
Als Vladimir gehen möchte, erinnert Pozzo ihn daran, dass er noch auf Godot warten müsste. Alle Figuren langweilen sich, weswegen Pozzo Lucky zur Unterhaltung tanzen und „laut denken“ lässt. In dem entstehenden Monolog zerfallen alle Überreste der Kultur zu Müll. Verschiedene philosophische Probleme und Fragestellungen werden in der Absurdität ihrer Unlösbarkeit nebeneinander gestellt und in ihrer Aussichtslosigkeit entblößt. Als Pozzo schließlich weiter gezogen ist, taucht ein Junge auf. Er operiert als Bote von Godot, wobei nicht offensichtlich ist, ob er tatsächlich von Godot geschickt wurde. Der Bote, ein einfacher Ziegenhirte, berichtet nur, dass Godot heute nicht mehr kommen würde, ganz sicher aber am nächsten Tag kommen wird. Da zur selben Zeit die Nacht anbricht, beschließen Vladimir und Estragon, ihr Warten für den heutigen Tag aufzugeben.
ZWEITER AKT
Der zweite Akt spielt einen Tag später zur selben Zeit am selben Ort, der Landstraße mit dem einen Baum. Im Gegensatz zum Vortag trägt der Baum nun vier oder fünf Blätter. Zu Beginn steht die Begegnung mit einem Hund im Zentrum. Estragon kann sich an die gestrige Begegnung mit Pozzo und Lucky nicht erinnern. Er sagt, dass für ihn alle Tage gleich aussehen und die Vergangenheit keine Rolle spielt. Sie warten noch immer auf Godot. Wie im ersten Akt wiederholen sich ihre mal distanzierten, mal freundschaftlichen Beziehungsverhältnisse. Um sich die Zeit des Wartens zu vertreiben, machen sie Gymnastikübungen. An einer Stelle finden Estragon und Vladimir Luckys Hut. Sie setzen ihn auf. Dann betreten Pozzo und Lucky die Bühne. Pozzo ist erblindet und Lucky stumm geworden. Im Gegensatz zum Vortag wird nun Pozzo von seinem Diener geführt, da er nichts mehr sehen kann. Als Pozzo stürzt, diskutieren Vladimir und Estragon, ob sie Pozzo wieder aufhelfen sollen. Sie helfen ihm auf. Auch Pozzo kann sich nicht an die Begegnung des gestrigen Tages erinnern. Er ist der Meinung, dass die genaue Zeitbestimmung im Leben keine Rolle spielt. Er verlässt die Bühne.
Am Ende des 2. Akts taucht der Junge vom Vorabend wieder auf und überbringt die gleiche Botschaft wie zuvor: Godot lässt ausrichten, dass er heute nicht kommen kann, aber sicher am nächsten Tag kommen werde, um Vladimir und Estragon zu treffen. Aus diesem Grund beschließen sie, das Warten für den heutigen Tag zu beenden. Sie diskutieren noch einmal die Möglichkeit, sich zu erhängen. Da sie aber keinen geeigneten Strick zur Verfügung haben, lassen sie es. Sie verlassen die Bühne.
  • Vladimir, ein Landstreicher
  • Estragon, ein Landstreicher
  • Pozzo, Landbesitzer
  • Lucky, sein Diener
  • Junge, ein Ziegenhirte, Boto von Godot

Samuel Becketts Stück Warten auf Godot ist ein beeindruckendes Werk, das den Verlust der Sprache seiner Figuren zum zentralen Thema macht. So sehr das unauflösbare Warten der Figuren Vladimir und Estragon zu betrachten ist, muss sich mit den Operationen und Verfahrensweisen der Sprache auseinandergesetzt werden, um Interpretationsansätze zu finden.

Wenn in diesem Zusammenhang vom Verlust der Sprache die Rede ist, ist gemeint, dass die handelnden Figuren zwar durchaus miteinander Sprechen, die Dialoge aber seltsam entleert anmuten. Aus dem kargen Stil Becketts lässt sich ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber der Sprache ableiten, das in seiner häufigen Wiederholung von Sätzen und Satzteilen zum Ziel hat, sich dem alltäglichen Sprachgebrauch zu widersetzen und sich diesem gewissermaßen zu entziehen.

Dabei kann die generelle Abwesenheit von poetischen Verfahren der Ästhetisierung der Sprache auch als historische Verdeutlichung der europäischen Nachkriegszeit gedeutet werden.

Samuel Barclay Beckett wurde 1906 in Dublin (Irland) geboren. Er hatte zunächst die britische Staatsbürgerschaft, erhielt aber nach der Unabhängigkeit Irlands 1921 die irische. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa lebte er ab 1937 vollkommen in Paris.

Er begann anstatt auf Englisch auf Französisch zu schreiben und übersetzte seine Texte häufig selbst von der einen in die andere Sprache. Im Jahr 1969 wurde Samuel Beckett mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Das Stück Warten auf Godot zählt zu seinen bekanntesten Stücken und verhalf dem Dichter des Absurden Theaters zum internationalen Durchbruch.

Das Stück erklärt nicht, warum Vladimir und Estragon in einer „gottverlassenen Gegend“ auf Godot warten. Niemand weiß, wer oder was Godot ist. Nichtsdestotrotz verkörpert das Warten die existenzielle Suche der Figuren nach einem Sinn oder auch einem erlösenden Messias.

In der Dramatik seiner absurden Verfahrensweise entblößt das Stück diese Illusion der Ankunft eines heilbringenden Propheten. Dabei gelingt es Samuel Beckett, sich nicht über seine Figuren lustig zu machen, sondern sie in ihrer Hoffnungslosigkeit als verletzliche und gefährdete Existenzen darzustellen. In dieser Perspektive lässt sich das Stück an die Philosophie des Existenzialismus und die Literatur des Absurden anknüpfen, deren Zusammenhang insbesondere durch Albert Camus Sisyphus-Mythos verdeutlicht werden kann.