applaussüchtig
Applaussüchtig ist eine abwertende Bezeichnung für jemanden, der übermäßig nach Beifall und Anerkennung verlangt. Das Wort ist anschaulich gebildet, aber kein neutraler Fachbegriff für eine Persönlichkeit oder eine medizinische Diagnose.
Was bedeutet applaussüchtig?
Das erste Glied kann wörtlichen Beifall nach einem Auftritt meinen. Ebenso kann Applaus übertragen für Zustimmung, Lob oder öffentliche Bestätigung stehen. Wer jemanden applaussüchtig nennt, kritisiert gewöhnlich, dass diese Anerkennung einen übergroßen Einfluss auf dessen Verhalten hat.
Die bloße Freude über ein gelungenes Werk und den Beifall des Publikums reicht für diesen Vorwurf nicht aus. Die zusätzliche Wertung liegt im behaupteten Übermaß. Für sachliche Texte ist eine genaue Verhaltensbeschreibung daher oft besser.
Beispiele für applaussüchtig
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Der Erzähler zeichnet den Redner als applaussüchtig: Sobald der Beifall nachlässt, wiederholt dieser seine lauteste Pointe.“
Das Beispiel verbindet die Wertung mit einer erkennbaren Orientierung an der Publikumsreaktion.
„Mila nennt ihren Rivalen applaussüchtig, weil er jede Hilfeleistung vor der Gruppe ausführlich erwähnt.“
Der Satz ordnet die Bezeichnung einer Figur zu. Ob ihr Vorwurf gerechtfertigt ist, bleibt zu prüfen.
„Der Künstler freute sich über das Klatschen, bestand aber darauf, das unbequeme Ende beizubehalten; applaussüchtig wirkte er in dieser Szene gerade nicht.“
Freude über Anerkennung wird von einer Unterordnung des eigenen Handelns unter Beifall unterschieden.
Ähnliche Wörter und Unterschiede
- Anerkennungsbedürftig
- Benennt das Bedürfnis nach Anerkennung, ohne notwendig dieselbe Schärfe des Vorwurfs. Applaussüchtig stellt ein als übermäßig bewertetes Verlangen heraus.
- Eitel
- Kann starke Beschäftigung mit dem eigenen Ansehen oder Aussehen meinen. Applaussüchtig bezeichnet genauer die Ausrichtung auf bestätigende Reaktionen.
- Publikumsorientiert
- Kann eine sachliche Beschreibung sein, etwa für verständliche Vermittlung. Rücksicht auf ein Publikum beweist noch kein übersteigertes Beifallsbedürfnis.
Applaussüchtig in einer Charakterisierung
In einer Charakterisierung ist die wertende Herkunft einer solchen Bezeichnung mitzudenken. Wer verwendet sie, und gegen wen? Zeige, ob die Figur ihre Entscheidungen tatsächlich nach Beifall ausrichtet oder ob ein Gegner ihre öffentliche Wirkung lediglich herabsetzen möchte.
Der Erzähler stellt die Figur als stark beifallsorientiert dar: Sie ändert ihren Vorschlag sofort, sobald das Publikum verhalten reagiert. Seine schärfere Bezeichnung ‚applaussüchtig‘ verstärkt diese Kritik.
Eigene Musterformulierung für eine erfundene Szene. Für einen literarischen Text muss die Aussage an einer passenden Textstelle belegt werden.
Herkunft und Wortbildung
Die Zusammensetzung besteht aus Applaus und süchtig. Süchtig bezeichnet neben dem medizinischen Gebrauch auch ein übersteigertes Verlangen. In der hier erläuterten Wortbildung ist diese übertragene, wertende Lesart gemeint.
Schreibung und Grammatik
An der Wortgrenze treffen das Schluss-s von Applaus und das Anfangs-s von süchtig zusammen: applaussüchtig. Das Wort enthält außerdem zwei p. Adjektivische Vergleichsformen sind applaussüchtiger und am applaussüchtigsten; in nüchterner Sprache empfiehlt sich oft eine genauere Umschreibung.
Gebeugte Formen sind beispielsweise applaussüchtiger, applaussüchtige und applaussüchtiges. Die passende Endung hängt unter anderem von Fall, Geschlecht und Begleitwort des Nomens ab. Näheres erklärt die Übersicht zu Adjektiven.
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