bigott

Bigott ist ein abwertendes Wort mit zwei eng verbundenen Verwendungen. Es kann eine enge, übertriebene Frömmelei kritisieren oder eine scheinheilige Haltung bezeichnen. Religiöser Glaube allein macht eine Person nicht bigott.

Was bedeutet bigott?

In der ersten Lesart geht es um einen als engstirnig bewerteten Glaubenseifer. Die Bezeichnung richtet sich etwa gegen starre Urteile über andere und eine stark nach außen gezeigte Frömmigkeit. Nicht notwendig wird damit behauptet, die Person glaube selbst nicht an ihre Regeln.

In der zweiten Lesart steht der Widerspruch zwischen vorgezeigter Moral und tatsächlichem Verhalten im Mittelpunkt. Eine Figur fordert Regeln von anderen, erlaubt sich selbst aber genau das, was sie öffentlich verurteilt. Diese Scheinheiligkeit kann auch außerhalb ausdrücklich religiöser Zusammenhänge gemeint sein. Welche Lesart passt, muss aus den konkreten Handlungen hervorgehen.

Drei Beispiele mit Erklärung

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der Hausherr verurteilte jede kleine Abweichung vom vorgeschriebenen Ritual und behandelte Andersgläubige als moralisch minderwertig; der Erzähler nennt ihn bigott.“

Das Urteil bezieht sich auf enge Frömmelei und die Herabsetzung anderer. Eine heimliche Regelverletzung ist hier nicht vorausgesetzt.

„Ihre bigotte Empörung wurde sichtbar, als sie fremde Heimlichkeiten anprangerte und zugleich ihre eigene Täuschung verbarg.“

Hier trägt der Gegensatz zwischen öffentlichem Anspruch und eigenem Verhalten die Bedeutung scheinheilig.

„Er nahm seinen Glauben ernst, ließ aber abweichende Überzeugungen gelten; allein seine Frömmigkeit rechtfertigt die Bezeichnung bigott nicht.“

Der Gegenfall grenzt eine religiöse Haltung von der abwertenden Wortbedeutung ab. Der Grad der Religiosität ist nicht das einzige Kriterium.

Ähnliche Wörter und Unterschiede

fromm
Kann eine religiöse Haltung neutral oder anerkennend beschreiben. Bigott enthält dagegen Kritik an Enge, Übertreibung oder Scheinheiligkeit.
heuchlerisch
Betont das Vortäuschen einer Haltung. Bei bigott kann außerdem der besondere Bezug zu demonstrativer Frömmigkeit im Vordergrund stehen.
aufrichtig
Bezeichnet die Ernsthaftigkeit einer Haltung. Aufrichtigkeit widerspricht vorgetäuschter Moral, schließt eine enge Überzeugung aber nicht automatisch aus.

Das Wort ist keine neutrale Bezeichnung einer Religion oder ihrer Mitglieder. Eine literarische Analyse sollte an der jeweiligen Figur bleiben. Wenn nur ihr Gegner sie bigott nennt, ist zunächst dessen Vorwurf belegt; die behauptete Scheinheiligkeit verlangt weitere Hinweise.

Schreibung und Grammatik

Geschrieben wird bigott mit zwei t. Formen: ein bigotter Auftritt, eine bigotte Haltung, ein bigottes Urteil. Die Betonung liegt auf der zweiten Silbe. Die Vergleichsformen lauten bigotter und am bigottesten. Das Substantiv zur Haltung heißt Bigotterie.

Die Beugung vor einem Nomen und den ungebeugten Gebrauch erläutert die Übersicht zu Adjektiven.

Herkunft und Wortbildung

Duden führt das Adjektiv auf französisch bigot zurück. Die weitere Herkunft kennzeichnet das Wörterbuch als ungeklärt. Die heutige Schreibung im Deutschen endet auf -tt, während die französische Ausgangsform nur ein abschließendes t hat.

Verwendung in einer Charakterisierung

Vergleiche moralische Forderungen, öffentliches Auftreten und tatsächlich gezeigte Handlungen. Für die Lesart scheinheilig ist ein Widerspruch besonders wichtig. Für enge Frömmelei sind der Umgang mit abweichenden Überzeugungen und die Strenge der Maßstäbe genauer zu untersuchen.

Die Figur verhält sich bigott, indem sie die heimlichen Treffen der Nachbarin als moralischen Verfall verurteilt, während sie ihre eigenen vergleichbaren Handlungen bewusst vor derselben Öffentlichkeit verbirgt.

Eigene Musterformulierung für eine erfundene Szene. Bei einem literarischen Werk sind passende Textbelege nötig.

Wie du Beobachtungen und Deutung verbindest, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Wortquellen geprüft am 1. Oktober 2026; Beispiele und Anwendungshinweise redaktionell erstellt.

Bigott in der Übersicht der Charaktereigenschaften