gottesfürchtig
Gottesfürchtig beschreibt einen Menschen, der Gott mit Ehrfurcht begegnet und sein Leben an den als göttlich verstandenen Geboten ausrichten möchte.
Was bedeutet gottesfürchtig?
Gottesfürchtig verbindet eine religiöse Haltung mit dem Anspruch, entsprechend zu handeln. Es geht nicht allein darum, an die Existenz Gottes zu glauben. Die Person erkennt eine göttliche Autorität an und will ihr im eigenen Leben gerecht werden. Welche Gebote damit im Einzelnen gemeint sind, ergibt sich aus der dargestellten Religion und Situation.
Der Bestandteil Furcht darf nicht einfach als alltägliche Ängstlichkeit gelesen werden. Im Begriff Gottesfurcht steht Ehrfurcht im Mittelpunkt. Angst vor Schuld oder Strafe kann in einem konkreten Text hinzukommen, ist aber nicht die vollständige Bedeutung des Adjektivs. Deshalb kann auch eine mutige und entschlossene Figur als gottesfürchtig beschrieben werden.
Das Wort begegnet häufig in religiösen und historischen Zusammenhängen. Es kann eine Selbstbeschreibung, ein anerkennendes Urteil oder die Erwartung einer Gemeinschaft ausdrücken. Aus dem Etikett allein lässt sich nicht ableiten, wie eine Figur tatsächlich mit anderen umgeht. Ebenso beweist die Anschuldigung mangelnder Gottesfurcht zunächst nur, dass jemand religiöse Maßstäbe anlegt.
Drei Beispiele für gottesfürchtig
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Als gottesfürchtige Frau lehnt sie den Betrug ab, weil sie ihn mit ihrem Glauben nicht vereinbaren kann.“
Die Überzeugung beeinflusst eine konkrete Entscheidung. Der Satz erklärt, woran sich die religiöse Haltung in dieser Szene zeigt.
„Der gottesfürchtige Handwerker widerspricht dem mächtigen Auftraggeber und beruft sich dabei auf sein Gewissen.“
Ehrfurcht vor Gott führt hier gerade nicht zum Nachgeben gegenüber einem Menschen. Religiöse Haltung und Mut schließen sich nicht aus.
„Im Dorf gilt er als gottesfürchtig; seine heimlichen Geschäfte stehen jedoch im Widerspruch zu diesem Ruf.“
Der Satz trennt die öffentliche Zuschreibung vom Verhalten. Ob der Ruf berechtigt ist, muss am weiteren Text geprüft werden.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- gläubig
- Bezeichnet im religiösen Sinn Glauben. Gottesfürchtig hebt darüber hinaus die ehrfürchtige Haltung und die Orientierung an göttlichen Geboten hervor.
- fromm
- Überschneidet sich stark mit gottesfürchtig. Fromm kann religiöse Lebensführung allgemeiner bezeichnen; gottesfürchtig benennt die Beziehung zu Gott ausdrücklich.
- furchtsam
- Beschreibt eine Neigung zu Angst und Zurückscheuen. Das ist keine passende Kurzdefinition für gottesfürchtig.
Schreibung und Grammatik
Das Adjektiv wird zusammengeschrieben: gottesfürchtig. Es heißt ein gottesfürchtiger Mensch, eine gottesfürchtige Familie und gottesfürchtiges Handeln. Prädikativ bleibt die Form unverändert: Sie ist gottesfürchtig. Das Nomen Gottesfurcht ist feminin. Die Wortgruppe Ehrfurcht vor Gott beschreibt den Bezug oft verständlicher, wenn Leser mit dem älteren Ausdruck wenig vertraut sind.
Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.
Herkunft und Wortbildung
Die heutige Wortbildung steht in der Familie von Gott und Gottesfurcht; -ig kennzeichnet das Adjektiv. Für das Substantiv Gottesfurcht nennt Duden eine Lehnübersetzung des lateinischen timor dei. Diese Herkunftsangabe betrifft das Nomen. Sie erklärt den religiösen Bedeutungszusammenhang, ohne eine bestimmte Entstehungszeit des Adjektivs festzulegen.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Beleg: Die Figur begründet ihre Weigerung, einen Unschuldigen zu verraten, mit ihrer Verantwortung vor Gott und nimmt dafür einen eigenen Nachteil hin. Hier lässt sich Gottesfurcht an Entscheidung und Begründung zeigen. In der Analyse sollte klar bleiben, ob die religiöse Erklärung von der Figur selbst stammt oder ihr vom Erzähler zugeschrieben wird.
Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.
