unbefriedigt

Unbefriedigt: In einem Bedürfnis, Wunsch oder Anspruch noch nicht erfüllt oder zufriedengestellt; bei Personen einen entsprechenden Zustand beschreibend.

Was bedeutet unbefriedigt?

Unbefriedigt kann ein Bedürfnis selbst oder die Person betreffen, deren Erwartungen nicht erfüllt sind. Jemand bleibt nach einer Erklärung unbefriedigt, weil eine wichtige Frage offen ist, oder empfindet eine Tätigkeit als zu wenig erfüllend.

Das Wort ist nicht auf sexuelle Bedürfnisse beschränkt. Sein genauer Bezug sollte genannt werden. Als Charakterbeschreibung eignet es sich meist eher für einen Zustand als für eine feste Eigenschaft: Die fehlende Erfüllung kann sich ändern, sobald der betreffende Anspruch geklärt oder erfüllt wird.

Auf den PunktUnbefriedigt verlangt die Frage: Welches Bedürfnis oder welcher Anspruch bleibt offen?

Beispiele und Verwendung

Nach der ausweichenden Antwort blieb sie intellektuell unbefriedigt.

So ist es gemeint: Die gewünschte Erklärung fehlt.

Sein unbefriedigter Wunsch nach Anerkennung bestimmte das Gespräch.

So ist es gemeint: Das unerfüllte Bedürfnis wird ausdrücklich benannt.

Die Gäste gingen satt, aber von der einfallslosen Aufführung unbefriedigt nach Hause.

So ist es gemeint: Körperliche Versorgung und ästhetische Erwartung sind verschiedene Bereiche.

Typische Verbindungen: unbefriedigt bleiben, ein unbefriedigtes Bedürfnis, sich unbefriedigt fühlen, von einer Erklärung unbefriedigt sein.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

unzufrieden
Ist breiter und bezeichnet eine negative Bewertung der bestehenden Lage.
frustriert
Betont Enttäuschung oder Ärger über vereitelte Erwartungen.
unerfüllt
Liegt bei Wünschen und Bedürfnissen nahe, beschreibt aber nicht in jedem Satz die Person selbst.

Befriedigt und erfüllt sind passende Gegensätze. Satt wäre nur beim körperlichen Hunger der genaue Gegenbegriff.

Unbefriedigt in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte möchte Jonas verstehen, warum die Bibliothek schließt. Auf der Versammlung hört er nur allgemeine Dankesworte und die Bitte um Vertrauen. Er notiert seine unbeantworteten Fragen und bleibt nach dem Applaus sitzen. Als ihm später konkrete Zahlen gezeigt werden, kann er die Entscheidung nachvollziehen, obwohl er sie weiterhin bedauert.

  1. Beobachtung: Jonas erhält zunächst keine Antwort auf seine Sachfragen und sucht anschließend nach konkreteren Informationen.
  2. Deutung: Er bleibt durch die erste Erklärung unbefriedigt, weil sein Bedürfnis nach Verständnis offen ist.
  3. Grenze der Aussage: Sein späteres Verständnis zeigt, dass unbefriedigt nicht dauernde Nörgelei bedeutet. Nachvollziehen und Gutheißen bleiben zudem verschieden.

Musterformulierung

Jonas bleibt nach der Versammlung unbefriedigt, da die allgemeinen Worte seine konkreten Fragen zur Schließung nicht beantworten. Erst die späteren Zahlen ermöglichen ihm eine Einordnung. Seine Reaktion verweist damit auf einen offenen Informationsbedarf und nicht auf grundsätzliche Ablehnung.

Der Absatz benennt den unerfüllten Anspruch und zeigt, wodurch sich der Zustand verändert.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·be·frie·digt
Verwandtes Nomen
die Unbefriedigtheit

Unbefriedigt ist hier ein Adjektiv auf der Grundlage des Partizips befriedigt. Es heißt unbefriedigte Wünsche und mit unbefriedigten Erwartungen.

SteigerungAbstufungen wie unbefriedigter sind bei einem subjektiven Zustand möglich. Meist ist die genaue Ergänzung hilfreicher: in seinem Informationsbedürfnis weiterhin unbefriedigt.

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativunbefriedigterunbefriedigteunbefriedigtesunbefriedigte
Genitivunbefriedigtenunbefriedigterunbefriedigtenunbefriedigter
Dativunbefriedigtemunbefriedigterunbefriedigtemunbefriedigten
Akkusativunbefriedigtenunbefriedigteunbefriedigtesunbefriedigte
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder unbefriedigtedie unbefriedigtedas unbefriedigtedie unbefriedigten
Genitivdes unbefriedigtender unbefriedigtendes unbefriedigtender unbefriedigten
Dativdem unbefriedigtender unbefriedigtendem unbefriedigtenden unbefriedigten
Akkusativden unbefriedigtendie unbefriedigtedas unbefriedigtedie unbefriedigten
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein unbefriedigtereine unbefriedigteein unbefriedigteskeine unbefriedigten
Genitiveines unbefriedigteneiner unbefriedigteneines unbefriedigtenkeiner unbefriedigten
Dativeinem unbefriedigteneiner unbefriedigteneinem unbefriedigtenkeinen unbefriedigten
Akkusativeinen unbefriedigteneine unbefriedigteein unbefriedigteskeine unbefriedigten

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Unbefriedigt verneint den durch befriedigen bezeichneten Zustand. Ein Bedürfnis, Wunsch oder Anspruch ist noch nicht erfüllt. Welcher Bereich gemeint ist, muss der Zusammenhang zeigen; das Wort hat nicht ausschließlich eine sexuelle Bedeutung.

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