unzuverlässig

Unzuverlässig: Erwartungen, Zusagen oder erforderliche Aufgaben nicht verlässlich erfüllend, sodass man sich auf die Person, Angabe oder Sache nicht sicher verlassen kann.

Was bedeutet unzuverlässig?

Unzuverlässig ist jemand in einem bestimmten Zusammenhang, wenn Zusagen und tatsächliches Verhalten nicht verlässlich zusammenpassen. Eine Person bestätigt etwa ihre Teilnahme, erscheint wiederholt nicht und informiert die anderen auch nicht rechtzeitig. Das Problem besteht in der fehlenden Planbarkeit: Andere richten sich nach einer Erwartung, die sich nicht trägt.

Die Bezeichnung sagt zunächst wenig über die Ursache aus. Überforderung, Vergesslichkeit, wechselnde Entscheidungen oder bewusstes Ignorieren einer Absprache können ähnliche Folgen haben. Unzuverlässigkeit ist deshalb nicht automatisch Unehrlichkeit oder böse Absicht. Eine genaue Beschreibung unterscheidet zwischen dem ausgefallenen Beitrag, seiner Erklärung und der Frage, ob rechtzeitige Mitteilung möglich gewesen wäre.

Auch Angaben, Messgeräte oder Erinnerungen können unzuverlässig sein. In einer literarischen Analyse darf das Urteil über eine Figur nicht ohne Weiteres mit der Zuverlässigkeit des Erzählens verwechselt werden. Ein Erzähler kann sich beispielsweise irren, obwohl er seine Termine einhält. Für die Charakterisierung sind konkrete Vereinbarungen und wiederholtes Verhalten die tragfähigeren Anknüpfungspunkte.

Auf den PunktBenennen, worauf kein Verlass ist. Ein gebrochenes Versprechen erklärt die Folge; seine Ursache und eine allgemeine Charakteraussage brauchen zusätzliche Belege.

Beispiele und Verwendung

Er erwies sich bei den Proben als unzuverlässig: Mehrfach blieb sein zugesagter Beitrag ohne Nachricht aus.

So ist es gemeint: Der Bereich und die Wiederholung machen die Bewertung überprüfbar.

Die Fahrplanauskunft war unzuverlässig, weil mehrere angezeigte Verbindungen nicht mehr verkehrten.

So ist es gemeint: Hier betrifft das Wort Informationen, nicht den Charakter eines Menschen.

Nach einem einzigen krankheitsbedingten Ausfall hielt sie das Urteil unzuverlässig für voreilig.

So ist es gemeint: Ein erklärter Ausnahmefall trägt eine allgemeine Bewertung nur begrenzt.

Typische Verbindungen: sich als unzuverlässig erweisen, eine unzuverlässige Auskunft, unzuverlässig arbeiten, im Einhalten von Zusagen unzuverlässig sein.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

vergesslich
Benennt Schwierigkeiten beim Erinnern. Vergesslichkeit kann Ausfälle erklären, ist aber weder die einzige Ursache noch zwangsläufig gleichbedeutend mit Unzuverlässigkeit.
wankelmütig
Betont wechselnde Entschlüsse. Wer Änderungen rechtzeitig mitteilt und verbindliche Zusagen einhält, kann trotz innerer Schwankungen verlässlich handeln.
gewissenhaft
Beschreibt sorgfältiges, verantwortungsbewusstes Vorgehen. Es begünstigt Verlässlichkeit, ersetzt aber nicht den Blick auf die tatsächlich eingehaltene Absprache.

Zuverlässig und verlässlich sind passende Gegenwörter. Pünktlich betrifft nur den vereinbarten Zeitpunkt; auch eine pünktlich gelieferte, unbrauchbare Arbeit kann eine Zusage verfehlen.

Unzuverlässig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Schulgeschichte übernimmt Tarek dreimal den Aufbau der Mikrofone. Zweimal kommt er erst nach Beginn, beim dritten Termin erscheint er gar nicht. Auf Nachfrage erklärt er jeweils, anderes sei dazwischengekommen. Seine Mitschülerin, die einmal krank ist, sagt dagegen früh ab und organisiert Ersatz.

  1. Beobachtung: Tareks zugesagte Aufgabe bleibt wiederholt und ohne rechtzeitige Nachricht unerledigt. Die Mitschülerin macht ihren eigenen Ausfall planbar.
  2. Deutung: Tarek verhält sich in dieser Aufgabe unzuverlässig. Der Vergleich zeigt, dass nicht allein das körperliche Erscheinen, sondern auch verbindliche Kommunikation zählt.
  3. Grenze der Aussage: Über Tareks Verhalten in anderen Bereichen oder seine inneren Motive sagt die Szene wenig. Sie rechtfertigt insbesondere nicht die Behauptung, er wolle die Gruppe absichtlich schädigen.

Musterformulierung

Bei der technischen Vorbereitung erweist sich Tarek als unzuverlässig. Seine wiederholten, unangekündigten Ausfälle zwingen die Gruppe zum Improvisieren. Die frühzeitige Ersatzorganisation seiner Mitschülerin verdeutlicht im Gegensatz dazu, wie eine Verhinderung mit verlässlichem Handeln vereinbar bleibt.

Der Absatz begrenzt das Urteil auf eine Aufgabe und erklärt die Folgen für die Gruppe. Ein begründeter Ausfall wird von der fehlenden Absprache getrennt; Absichten werden nicht hinzuerfunden.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·zu·ver·läs·sig
Verwandtes Nomen
die Unzuverlässigkeit

Die Schreibung enthält ä und ss: unzuverlässig. Das verwandte Nomen lautet Unzuverlässigkeit. Vor einem Nomen wird gebeugt: eine unzuverlässige Auskunft, mit unzuverlässigen Angaben. Die Steigerung setzt einen sinnvollen Vergleichsmaßstab voraus, etwa die Häufigkeit nicht eingehaltener Zusagen.

Grundformunzuverlässig
Komparativunzuverlässiger
Superlativam unzuverlässigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativunzuverlässigerunzuverlässigeunzuverlässigesunzuverlässige
Genitivunzuverlässigenunzuverlässigerunzuverlässigenunzuverlässiger
Dativunzuverlässigemunzuverlässigerunzuverlässigemunzuverlässigen
Akkusativunzuverlässigenunzuverlässigeunzuverlässigesunzuverlässige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder unzuverlässigedie unzuverlässigedas unzuverlässigedie unzuverlässigen
Genitivdes unzuverlässigender unzuverlässigendes unzuverlässigender unzuverlässigen
Dativdem unzuverlässigender unzuverlässigendem unzuverlässigenden unzuverlässigen
Akkusativden unzuverlässigendie unzuverlässigedas unzuverlässigedie unzuverlässigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein unzuverlässigereine unzuverlässigeein unzuverlässigeskeine unzuverlässigen
Genitiveines unzuverlässigeneiner unzuverlässigeneines unzuverlässigenkeiner unzuverlässigen
Dativeinem unzuverlässigeneiner unzuverlässigeneinem unzuverlässigenkeinen unzuverlässigen
Akkusativeinen unzuverlässigeneine unzuverlässigeein unzuverlässigeskeine unzuverlässigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Unzuverlässig entsteht durch un- und zuverlässig. Inhaltlich gehört es zur Verbindung sich auf jemanden oder etwas verlassen. Die Wortbildung enthält kein Urteil darüber, ob die fehlende Verlässlichkeit beabsichtigt ist.

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