wohlgesinnt
Wohlgesinnt: Jemandem gegenüber freundlich eingestellt und ihm grundsätzlich Gutes wünschend. Die Bezeichnung betrifft eine Haltung zu einer Person oder Gruppe, nicht die Zustimmung zu jeder ihrer Handlungen.
Was bedeutet wohlgesinnt?
Wohlgesinnt ist eine Person, die einer anderen mit einer günstigen, freundlichen Haltung begegnet. Sie wünscht ihr nichts Schlechtes und ist eher bereit, ihre Sicht anzuhören oder ihr eine faire Gelegenheit zu geben. Das Wort beschreibt damit eine Beziehung: Wer ist wem wohlgesinnt?
Eine solche Haltung kann mit Kritik verbunden sein. Wer jemandem wohlgesinnt ist, darf einen Fehler benennen, einen Vorschlag ablehnen oder vor einem problematischen Vorhaben warnen. Entscheidend ist, ob die Kritik aus erkennbarer Feindseligkeit erfolgt oder dem anderen helfen soll. Eine bloße freundliche Formel reicht als Beleg für die innere Haltung nicht aus.
Wohlgesinnt sagt zudem nicht, dass jede Unterstützung gerecht wäre. Eine Figur kann einer bestimmten Person wohlgesinnt sein und andere dabei unfair behandeln. In einer Charakterisierung sind daher sowohl der Adressat der freundlichen Haltung als auch ihre Folgen für weitere Beteiligte zu betrachten.
Beispiele und Verwendung
Obwohl sie ihm wohlgesinnt war, warnte sie ihn vor dem überstürzten Entschluss.
So ist es gemeint: Die Warnung widerspricht der freundlichen Absicht nicht.
Der neue Nachbar erwies sich als wohlgesinnt und hörte ihre Erklärung ohne voreiligen Vorwurf an.
So ist es gemeint: Eine faire Gesprächsbereitschaft macht die Haltung sichtbar.
Die Leitung war dem Bewerber wohlgesinnt, musste seine Unterlagen aber nach denselben Regeln wie alle anderen prüfen.
So ist es gemeint: Eine günstige persönliche Haltung ersetzt keine sachlichen Kriterien.
Typische Verbindungen: jemandem wohlgesinnt sein, ein wohlgesinnter Zuhörer, einer Gruppe wohlgesinnt gegenüberstehen.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- freundlich
- Kann unmittelbar den Ton oder das Auftreten beschreiben. Wohlgesinnt richtet den Blick stärker auf die zugrunde liegende Einstellung.
- entgegenkommend
- Betont ein konkretes Eingehen auf Wünsche, etwa durch ein Zugeständnis. Wohlgesinnt legt noch keine bestimmte Handlung fest.
- gütig
- Verbindet Wohlwollen oft mit milder Nachsicht. Eine wohlgesinnte Person kann auch streng und deutlich beraten.
Feindselig oder übelgesinnt sind passende Gegensätze. Kritisch ist kein allgemeines Gegenwort, weil Kritik wohlmeinend erfolgen kann.
Wohlgesinnt in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Erzählung zeigt Tarek seiner früheren Lehrerin einen Plan für eine Ausstellung. Sie hört aufmerksam zu, lobt die durchdachte Auswahl und weist klar darauf hin, dass ein wichtiger Raum noch nicht zugesagt ist. Statt ihn bloß abzuweisen, schlägt sie vor, zunächst diesen Punkt zu klären und danach gemeinsam weiterzuarbeiten.
- Beobachtung: Die Lehrerin nimmt das Vorhaben ernst, nennt eine tatsächliche Schwäche und bietet weitere Zusammenarbeit an.
- Deutung: Sie erscheint Tarek wohlgesinnt, obwohl sie seinen Plan nicht uneingeschränkt billigt.
- Grenze der Aussage: Das Angebot belegt keine Pflicht, jede weitere Arbeit zu übernehmen. Ebenso folgt daraus keine Bevorzugung gegenüber anderen Personen.
Musterformulierung
Die frühere Lehrerin ist Tarek wohlgesinnt. Ihre Kritik am ungeklärten Raum richtet sich auf die Umsetzbarkeit seines Vorhabens und wird mit einem konstruktiven nächsten Schritt verbunden. Die deutliche Warnung ist deshalb kein ausreichendes Zeichen von Ablehnung.
Der Absatz erschließt die Haltung aus mehreren zusammenpassenden Handlungen. Er setzt Freundlichkeit nicht mit einer kritiklosen Zusage gleich.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- wohl·ge·sinnt
- Verwandtes Nomen
- das Wohlwollen; eine freundliche Gesinnung
Wohlgesinnt wird zusammengeschrieben und hat in -sinnt ein doppeltes n. Die Person steht im Dativ: Sie ist ihm wohlgesinnt, eine mir wohlgesinnte Kollegin. Daneben ist wohlgesonnen als umgangssprachliche Form gebräuchlich. Für einen sachlichen Text ist wohlgesinnt die unauffällige Wahl.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | wohlgesinnter | wohlgesinnte | wohlgesinntes | wohlgesinnte |
| Genitiv | wohlgesinnten | wohlgesinnter | wohlgesinnten | wohlgesinnter |
| Dativ | wohlgesinntem | wohlgesinnter | wohlgesinntem | wohlgesinnten |
| Akkusativ | wohlgesinnten | wohlgesinnte | wohlgesinntes | wohlgesinnte |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der wohlgesinnte | die wohlgesinnte | das wohlgesinnte | die wohlgesinnten |
| Genitiv | des wohlgesinnten | der wohlgesinnten | des wohlgesinnten | der wohlgesinnten |
| Dativ | dem wohlgesinnten | der wohlgesinnten | dem wohlgesinnten | den wohlgesinnten |
| Akkusativ | den wohlgesinnten | die wohlgesinnte | das wohlgesinnte | die wohlgesinnten |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein wohlgesinnter | eine wohlgesinnte | ein wohlgesinntes | keine wohlgesinnten |
| Genitiv | eines wohlgesinnten | einer wohlgesinnten | eines wohlgesinnten | keiner wohlgesinnten |
| Dativ | einem wohlgesinnten | einer wohlgesinnten | einem wohlgesinnten | keinen wohlgesinnten |
| Akkusativ | einen wohlgesinnten | eine wohlgesinnte | ein wohlgesinntes | keine wohlgesinnten |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Wohlgesinnt verbindet wohl mit gesinnt, das eine innere Einstellung bezeichnet. Die Bildung sagt also etwas darüber, wie jemand einem anderen gegenüber eingestellt ist. Sie enthält keine feste Vorgabe, welche konkrete Hilfe daraus folgen muss.
