intellektuell

Intellektuell: Den Verstand und die geistige Auseinandersetzung betreffend oder stark betonend; bei Personen häufig durch Interesse an anspruchsvollen gedanklichen Fragen geprägt.

Was bedeutet intellektuell?

Intellektuell bezeichnet eine Ausrichtung auf Denken, Begriffe und geistige Auseinandersetzung. Eine Person beschäftigt sich beispielsweise mit politischen Ideen, philosophischen Fragen oder der Deutung von Kunst und versucht, Zusammenhänge begrifflich zu klären. Entscheidend ist die Art der Beschäftigung, nicht ein bestimmter Schulabschluss.

Intellektuell ist nicht dasselbe wie intelligent. Intelligent bewertet vor allem eine Fähigkeit zum Verstehen, Lernen oder Lösen von Problemen. Intellektuell beschreibt eher Interessen, Tätigkeiten oder eine geistige Haltung. Wer praktische Zusammenhänge schnell erfasst, muss sich nicht für theoretische Debatten interessieren; wer darüber gern spricht, ist nicht automatisch besonders urteilsfähig.

Das Wort kann anerkennend, neutral oder kritisch gemeint sein. Eine intellektuelle Auseinandersetzung kann sorgfältig und anregend sein. Der Vorwurf eines bloß intellektuellen Zugangs kritisiert dagegen häufig, dass Gefühle, Erfahrungen oder praktische Folgen zu wenig berücksichtigt würden. In einer Analyse sollte deutlich werden, welche Wertung der jeweilige Zusammenhang trägt.

Auf den PunktIntellektuell beschreibt einen geistigen Schwerpunkt. Es ist weder ein sicherer Nachweis besonderer Intelligenz noch ein notwendiger Gegensatz zu Gefühl und Praxis.

Beispiele und Verwendung

Sie suchte eine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Film und diskutierte seine Vorstellung von Freiheit.

So ist es gemeint: Das Interesse richtet sich auf gedankliche Fragen über die Handlung hinaus.

Seine intellektuellen Interessen waren breit, doch beim Aufbau des Regals half ihm vor allem praktische Erfahrung.

So ist es gemeint: Geistige Interessen und praktische Fertigkeiten werden unterschieden.

Die Kritik nannte den Entwurf zu intellektuell, weil die alltäglichen Erfahrungen der Betroffenen kaum vorkamen.

So ist es gemeint: Das Wort enthält hier eine Kritik an einer einseitigen Gewichtung.

Typische Verbindungen: intellektuelle Interessen, eine intellektuelle Auseinandersetzung, intellektuell geprägt, intellektuelle Fähigkeiten.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

gebildet
Hebt erworbenes Wissen und kulturelle Kenntnisse hervor. Intellektuell beschreibt stärker die geistige Ausrichtung oder Tätigkeit.
Theoretisch
Bezieht sich auf Begriffe, Modelle und allgemeine Erklärungen; nicht jede theoretische Tätigkeit ist eine umfassende intellektuelle Haltung.
klug
Bewertet ein Urteil oder Handeln als verständig und angemessen. Das kann sich auch ohne theoretische Beschäftigung zeigen.

Praktisch oder gefühlsbetont kann einen anderen Schwerpunkt benennen. Beide Eigenschaften können jedoch mit einer intellektuellen Haltung zusammengehen.

Intellektuell in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Leserunde fragt Selma nach der Aufführung eines Stücks, welche Vorstellung von Verantwortung den Entscheidungen der Figuren zugrunde liegt. Sie vergleicht zwei Deutungen und prüft Gegenargumente. Als ein anderer Teilnehmer von einer eigenen Erfahrung erzählt, bezieht sie diese in die Diskussion ein.

  1. Beobachtung: Selma lenkt das Gespräch auf einen allgemeinen Begriff und untersucht unterschiedliche Deutungen.
  2. Deutung: Ihr Zugang ist intellektuell, weil sie sich ausdrücklich mit gedanklichen Zusammenhängen auseinandersetzt.
  3. Grenze der Aussage: Die Einbeziehung einer persönlichen Erfahrung spricht gegen einen rein abstrakten oder gefühllosen Zugang. Ein allgemeines Intelligenzurteil folgt aus der Szene nicht.

Musterformulierung

Selma verfolgt einen intellektuellen Zugang zum Stück. Sie untersucht den Begriff der Verantwortung, vergleicht Deutungen und nimmt Gegenargumente auf. Zugleich bezieht sie die persönliche Erfahrung eines Teilnehmers ein, sodass ihre geistige Auseinandersetzung nicht als grundsätzlich wirklichkeitsfern erscheint.

Die Analyse benennt konkrete Denkhandlungen und zeigt die mögliche Verbindung von begrifflicher Arbeit und Erfahrung. Sie verwechselt geistige Interessen nicht mit einem pauschalen Urteil über Begabung.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
in·tel·lek·tu·ell
Verwandtes Nomen
der Intellekt; die Intellektualität

Intellektuell enthält zweimal ll: nach inte- und am Wortende. Vor Nomen wird regulär gebeugt, etwa ein intellektueller Austausch. Die Steigerung kann eine stärkere geistige Ausrichtung vergleichen. Bei einer bloßen Zuordnung zum Intellekt ist die Grundform häufig ausreichend.

Grundformintellektuell
Komparativintellektueller
Superlativam intellektuellsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativintellektuellerintellektuelleintellektuellesintellektuelle
Genitivintellektuellenintellektuellerintellektuellenintellektueller
Dativintellektuellemintellektuellerintellektuellemintellektuellen
Akkusativintellektuellenintellektuelleintellektuellesintellektuelle
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder intellektuelledie intellektuelledas intellektuelledie intellektuellen
Genitivdes intellektuellender intellektuellendes intellektuellender intellektuellen
Dativdem intellektuellender intellektuellendem intellektuellenden intellektuellen
Akkusativden intellektuellendie intellektuelledas intellektuelledie intellektuellen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein intellektuellereine intellektuelleein intellektuelleskeine intellektuellen
Genitiveines intellektuelleneiner intellektuelleneines intellektuellenkeiner intellektuellen
Dativeinem intellektuelleneiner intellektuelleneinem intellektuellenkeinen intellektuellen
Akkusativeinen intellektuelleneine intellektuelleein intellektuelleskeine intellektuellen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Wort wurde über französisch intellectuel vermittelt und geht auf spätlateinisch intellectualis zurück. Es gehört zur Wortfamilie von Intellekt. Die heutige Verwendung umfasst sowohl einen sachlichen geistigen Bezug als auch die Bewertung einer stark verstandesbetonten Haltung.

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