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intellektuell

Form & Grammatik

AdjektivFremdwort
Lemma
intellektuell
Wortart
Adjektiv
Worttrennung
in·tel·lek·tu·ell
Steigerung und Gebrauch
intellektuell – intellektueller – am intellektuellsten; Steigerung vor allem bei unterschiedlicher geistiger Ausrichtung, nicht bei bloßer Zuordnung zum Intellekt.

Intellektuell bedeutet den Verstand und die geistige Auseinandersetzung betreffend oder stark betonend. Das Wort kann auch Menschen und Kreise bezeichnen, die sich besonders mit gedanklichen und kulturellen Fragen beschäftigen.

Bedeutungen

Den Verstand betreffend

Intellektuell kann sachlich den Bezug zu Denken, Verstehen oder geistiger Entwicklung beschreiben. Gemeint ist zunächst ein Bereich, nicht automatisch eine besonders hohe Fähigkeit.

„Die Aufgabe fordert eine intensive intellektuelle Auseinandersetzung.“

Die Aufgabe verlangt gedankliche Arbeit. Der Satz schreibt den Bearbeitenden noch keinen bestimmten Bildungsabschluss oder Begabungsgrad zu.

Stark auf Denken und Begriffe ausgerichtet

Eine intellektuelle Haltung betont Begriffe, allgemeine Fragen und gedankliche Zusammenhänge. Das kann anerkennend, neutral oder kritisch gemeint sein. Bei einer Kritik an Einseitigkeit muss deutlich werden, was zu kurz kommen soll.

„Der Entwurf erschien ihr zu intellektuell, weil die Alltagserfahrungen der Beteiligten kaum vorkamen.“

Die Begründung erklärt den kritischen Ton. Intellektuell bedeutet für sich nicht gefühllos oder grundsätzlich wirklichkeitsfern.

Intellektuelle Kreise betreffend

In Verbindungen wie intellektuelle Kreise kann das Wort die Zugehörigkeit zu einem entsprechenden gesellschaftlichen oder kulturellen Umfeld bezeichnen. Gemeint ist dann nicht allein die Denkfähigkeit einer einzelnen Person.

„Die Zeitschrift wurde vor allem in intellektuellen Kreisen diskutiert.“

Der Satz beschreibt das Umfeld der Diskussion. Ob jede dort geäußerte Meinung klug oder gut begründet war, bleibt offen.

intellektuell: Synonyme und andere Wörter

Geistige Beschäftigung

geistig · verstandesmäßig · theoretisch

Geistig ist eine allgemeine Alternative. Verstandesmäßig hebt den Bezug zum Denken hervor. Theoretisch passt zur Arbeit mit Begriffen und Modellen, bezeichnet aber nicht jede intellektuelle Tätigkeit vollständig.

„Die Aufgabe verlangt intellektuelle Auseinandersetzung.“ – „Die Aufgabe verlangt geistige Auseinandersetzung.“ Die zweite Formulierung ist allgemeiner.

Interessen, Wissen und Fähigkeit

gebildet · intelligent · klug

Gebildet beschreibt erworbenes Wissen, intelligent eine Fähigkeit zum Verstehen oder Problemlösen. Klug bewertet ein Urteil oder Handeln. Intellektuelle Interessen beweisen keine dieser Eigenschaften automatisch.

Eine Person kann praktische Probleme schnell lösen, ohne sich besonders für theoretische Debatten zu interessieren. Intellektuell und intelligent sind deshalb keine allgemeinen Synonyme.

Beispiele und Verwendung

Eine Leserin diskutiert nach einem Film dessen Vorstellung von Freiheit. Ihr Interesse richtet sich auf gedankliche Fragen über die Handlung hinaus; darin zeigt sich ein intellektueller Zugang. Sie kann dabei zugleich emotional berührt sein und eigene Erfahrungen einbringen.

Für eine Charakterisierung sollten Interessen, beobachtete Denkhandlungen und Urteilsqualität getrennt beschrieben werden. Das verwandte Nomen lautet Intellekt; die Abgrenzung zu intelligent betrifft besonders den Unterschied zwischen Ausrichtung und Fähigkeit.

Grammatik und Beugung

Intellektuell enthält zweimal ll: nach inte- und am Wortende. Es heißt ein intellektueller Austausch, eine intellektuelle Frage und mit intellektuellen Interessen. Nach sein bleibt die Grundform: Der Zugang ist intellektuell.

Die Steigerung lautet intellektueller, am intellektuellsten. Sie kann eine stärker verstandesbezogene Ausrichtung vergleichen. Bei einer bloßen Zuordnung zum Intellekt steht meist die Grundstufe. Ein intellektueller Austausch enthält eine Beugungsendung und noch keinen Vergleich.

Die Tabellen zeigen die gebeugte Grundstufe. Bei der gemischten Deklination steht der Plural etwa nach keine oder meine; der unbestimmte Artikel ein hat keinen Plural. Markiert sind die tatsächlichen Endungen.

intellektuell: Starke Deklination – ohne Artikel
FallMaskulinumFemininumNeutrumPlural
Nominativintellektuellerintellektuelleintellektuellesintellektuelle
Genitivintellektuellenintellektuellerintellektuellenintellektueller
Dativintellektuellemintellektuellerintellektuellemintellektuellen
Akkusativintellektuellenintellektuelleintellektuellesintellektuelle
intellektuell: Schwache Deklination – nach der, die, das
FallMaskulinumFemininumNeutrumPlural
Nominativintellektuelleintellektuelleintellektuelleintellektuellen
Genitivintellektuellenintellektuellenintellektuellenintellektuellen
Dativintellektuellenintellektuellenintellektuellenintellektuellen
Akkusativintellektuellenintellektuelleintellektuelleintellektuellen
intellektuell: Gemischte Deklination – nach ein, kein oder einem Possessivwort
FallMaskulinumFemininumNeutrumPlural
Nominativintellektuellerintellektuelleintellektuellesintellektuellen
Genitivintellektuellenintellektuellenintellektuellenintellektuellen
Dativintellektuellenintellektuellenintellektuellenintellektuellen
Akkusativintellektuellenintellektuelleintellektuellesintellektuellen

Herkunft

Intellektuell wurde aus französisch intellectuel übernommen, das auf spätlateinisch intellectualis zurückgeht. Es gehört zur Wortfamilie von Intellekt.

Intellektuell in einer Charakterisierung

Gedanken und Erfahrungen verbinden

In einer erfundenen Leserunde fragt Selma nach der Aufführung eines Stücks, welche Vorstellung von Verantwortung den Entscheidungen der Figuren zugrunde liegt. Sie vergleicht zwei Deutungen und prüft Gegenargumente. Als jemand eine eigene Erfahrung schildert, bezieht sie diese in die Diskussion ein.

Die Auseinandersetzung mit Begriffen und Deutungen stützt einen intellektuellen Zugang. Dass Selma persönliche Erfahrungen aufgreift, spricht gegen die pauschale Behauptung, sie denke gefühllos oder nur wirklichkeitsfern. Ein allgemeines Intelligenzurteil folgt aus der Szene nicht.

Die Deutung begründen

Selma verfolgt einen intellektuellen Zugang zum Stück: Sie untersucht den Begriff der Verantwortung, vergleicht Deutungen und nimmt Gegenargumente auf. Ihre Einbeziehung persönlicher Erfahrungen zeigt zugleich, dass begriffliche Arbeit und Erfahrungsbezug miteinander verbunden sein können.

Bei einer eigenen Charakterisierung müssen die Beobachtungen am vorliegenden Werk belegt werden. Das Beispiel oben ist eigens erfunden.