absurd
Form & Grammatik
- Lemma
- absurd
- Wortart
- Adjektiv
- Worttrennung
- ab·surd
- Steigerung
- absurd – absurder – am absurdesten
- Beugung
- ein absurder Vorwurf; mit absurden Forderungen
- Gebrauch
- stark wertend: Benenne den Widersinn, statt allein ungewöhnlich zu meinen.
absurd bezeichnet etwas, das einem nachvollziehbaren Sinnzusammenhang in auffälliger Weise widerspricht. Eine absurde Forderung, Behauptung oder Situation wirkt widersinnig und kaum vernünftig zu rechtfertigen.
Bedeutungen
In auffälliger Weise widersinnig
Absurd ist ein starkes Urteil über die fehlende Vernünftigkeit einer Behauptung oder das widersinnige Verhältnis zwischen Bedingungen und Folgen. Ungewohntes ist nicht allein deshalb absurd.
„Es wäre absurd, das unbenutzte Gästezimmer wegen ständiger Überbelegung zu sperren.“
Die angegebene Begründung widerspricht dem beschriebenen Zustand. Würde sich die Belegung ändern, müsste auch das Urteil neu geprüft werden.
Eine absurde Situation kann komisch, bedrückend oder beides zugleich wirken. Das sind mögliche Wirkungen desselben Widersinns, keine automatisch getrennten Bedeutungen. Eine bewusste Übertreibung kann zusätzlich eine Hyperbel sein; absurd ist aber nicht jede Übertreibung und nicht nur Übertreibung.
absurd: Synonyme und andere Wörter
Bei einem erkennbaren Widerspruch
widersinnig · unsinnig
Widersinnig hebt den Gegensatz zum Sinn oder Zweck hervor. Unsinnig ist weiter und kann auch eine bloß nutzlose Handlung bewerten. Absurd klingt meist besonders nachdrücklich.
‚Die Aufnahmebedingung ist absurd.‘ → ‚Die Aufnahmebedingung widerspricht dem Zweck der Aufnahme.‘ Die Umschreibung sollte anschließend den genauen Widerspruch nennen.
Bei einer kaum haltbaren Behauptung
abwegig · unhaltbar
Abwegig bewertet eine Überlegung als weit vom Plausiblen entfernt. Unhaltbar verlangt, dass sie einer Prüfung nicht standhält. Beide Wörter können genauer sein als ein bloßes Ausrufen von absurd.
‚Der Vorwurf ist absurd.‘ → ‚Der Vorwurf ist durch die vorliegenden Angaben nicht zu halten.‘ Die zweite Fassung macht den Prüfmaßstab sichtbar.
Was nicht automatisch absurd ist
Ungewöhnlich betrifft die Erwartung oder Häufigkeit. Verworren beschreibt eine schwer überschaubare Darstellung. Beides kann vorliegen, ohne dass der Gegenstand widersinnig ist.
‚Die Lösung ist ungewöhnlich.‘ lässt offen, ob sie sinnvoll funktioniert. ‚Die Lösung ist absurd.‘ verwirft ihren Sinnzusammenhang bereits sehr deutlich.
Beispiele und Verwendung
Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.
„Es wäre absurd, den leeren Lesesaal wegen Überfüllung zu schließen.“
So ist es gemeint: Die genannte Begründung passt im erfundenen Beispiel offensichtlich nicht zum beschriebenen Zustand.
„Der ungewöhnliche Vorschlag klang zuerst absurd, erwies sich nach der Erklärung aber als praktikabel.“
So ist es gemeint: Ein erster Eindruck kann sich ändern. Neuartigkeit allein ist kein sicherer Maßstab für Widersinn.
„Je mehr Formulare sie zur Vereinfachung des Verfahrens einführten, desto absurder erschien das Ergebnis.“
So ist es gemeint: Die behauptete Vereinfachung steht im Gegensatz zur zunehmenden Belastung. Die Steigerung bewertet diesen wachsenden Widerspruch.
Typische Wortverbindungen
Eine absurde Forderung, ein absurder Vorwurf, eine absurde Situation; absurd wirken, klingen oder erscheinen; etwas absurd finden. Verbindungen mit erscheinen oder wirken kennzeichnen den Eindruck deutlicher als die uneingeschränkte Behauptung ‚Das ist absurd‘.
Grammatik und Beugung
Absurd ist ein Adjektiv. Geschrieben wird es mit d am Ende, das in der gebeugten Form absurde gut erkennbar bleibt. Vor einem Nomen erhält es eine Endung: ‚ein absurder Vorwurf‘. Nach sein, wirken oder finden steht die Grundform: ‚Sie findet den Vorwurf absurd.‘ Substantivierter Gebrauch wird großgeschrieben, etwa ‚das Absurde an dieser Regel‘.
Steigerung: Absurd – absurder – am absurdesten. Die Steigerung vergleicht den wahrgenommenen Grad des Widersinns. Bei einer Argumentation sollte der Vergleich nicht nur behauptet werden: Benenne, welcher zusätzliche Widerspruch oder welche weitere unpassende Folge hinzukommt.
| Fall | Maskulinum Singular | Femininum Singular | Neutrum Singular | Plural alle Geschlechter |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | absurder | absurde | absurdes | absurde |
| Genitiv | absurden | absurder | absurden | absurder |
| Dativ | absurdem | absurder | absurdem | absurden |
| Akkusativ | absurden | absurde | absurdes | absurde |
| Fall | Maskulinum Singular | Femininum Singular | Neutrum Singular | Plural alle Geschlechter |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | absurde | absurde | absurde | absurden |
| Genitiv | absurden | absurden | absurden | absurden |
| Dativ | absurden | absurden | absurden | absurden |
| Akkusativ | absurden | absurde | absurde | absurden |
| Fall | Maskulinum Singular | Femininum Singular | Neutrum Singular | Plural alle Geschlechter |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | absurder | absurde | absurdes | absurden |
| Genitiv | absurden | absurden | absurden | absurden |
| Dativ | absurden | absurden | absurden | absurden |
| Akkusativ | absurden | absurde | absurdes | absurden |
Die Tabellen zeigen die Adjektivformen vor einem Nomen. Ein unbestimmter Artikel wie ein hat keinen Plural; die Pluralspalte der gemischten Beugung gilt etwa nach keine oder meine. Ohne Artikel gelten dort die starken Formen. Das Nomen erhält gegebenenfalls zusätzlich seine eigene Fallendung.
Herkunft
Absurd stammt aus lateinisch absurdus. Das lateinische Wort konnte zunächst etwas Missklingendes und darüber hinaus etwas Unpassendes oder Widersinniges bezeichnen. Im heutigen Deutschen steht gewöhnlich der Widersinn im Vordergrund; ein unschöner Klang allein wird damit nicht automatisch als absurd beschrieben.
Eine absurde Regel im Text erklären
Eigene, erfundene Situation: In einer erfundenen Geschichte gibt eine Bibliothek neue Ausweise nur an Personen aus, die bereits einen gültigen Ausweis vorzeigen. Ausnahmen für neue Mitglieder sind nicht vorgesehen.
Beobachtung und Wortwahl: Die Voraussetzung setzt gerade das voraus, was das Verfahren erst ermöglichen soll. Dieser Kreislauf verhindert den Zugang der neuen Mitglieder und macht die Regel im Beispiel widersinnig.
Die Aufnahmebedingung ist für neue Mitglieder absurd: Um erstmals einen Ausweis zu erhalten, sollen sie einen bereits vorhandenen Ausweis nachweisen. Voraussetzung und Ziel des Verfahrens blockieren sich damit gegenseitig. Die Szene zeigt eine Verwaltung, die an der eigenen Regel festhält, obwohl diese den vorgesehenen Zugang unmöglich macht.
Warum das funktioniert: Der Absatz nennt den Widerspruch ausdrücklich und leitet die Wirkung der Szene daraus ab. Er bleibt bei der erfundenen Regel und behauptet nicht, dass jede bürokratische Anforderung sinnlos wäre. So wird die starke Wertung nachvollziehbar.
Grenze der Aussage: Im tatsächlichen Zusammenhang könnte ein anderer Nachweis gemeint oder eine Ausnahme vorgesehen sein. Vor einem Urteil müssen deshalb die vollständigen Bedingungen gelesen werden. Das Beispiel lässt solche Ausnahmen ausdrücklich weg, um den Sprachgebrauch zu zeigen.
Kurz geprüft
Ist eine neue Idee schon absurd, wenn sie überraschend klingt?
Nein. Überraschung betrifft die Erwartung, absurd eine starke Bewertung des Sinnzusammenhangs. Erst die Prüfung von Voraussetzungen, Gründen und möglichen Folgen zeigt, ob das Urteil gerechtfertigt ist.
Weitere Wörter für deinen Text findest du in der Adjektivliste mit Wortauswahl und Vergleichen. Die Grundregeln erklärt der Beitrag Adjektive: Verwendung, Beugung und Steigerung.
