abwegig
Form & Grammatik
- Stichwort
- abwegig
- Worttrennung
- ab·we·gig
- Komparativ
- abwegiger
- Superlativ
- am abwegigsten
Abwegig bewertet einen Gedanken, eine Annahme oder einen Vorschlag als verfehlt und wenig einleuchtend. Gemeint ist, dass er vom sachlich Plausiblen oder für die Frage Passenden deutlich abweicht.
Bedeutung und wichtige Unterschiede
Ein Gedanke führt sachlich nicht weiter
Eine abwegige Erklärung passt schlecht zu den bekannten Umständen oder zieht eine nicht überzeugende Schlussfolgerung. Das Wort richtet sich meist auf Ideen und Aussagen, nicht auf einen tatsächlich verlassenen Weg. In einer Diskussion kann es eine deutliche Zurückweisung ausdrücken. Damit die Kritik verständlich wird, sollte der unpassende Gedankenschritt benannt werden.
Nicht jede neue Idee ist abwegig
Ungewöhnliche Vorschläge können einen guten Zusammenhang herstellen, den andere zunächst übersehen. Abwegig bewertet daher mehr als bloße Neuheit. Wer das Wort verwendet, sollte bekannte Voraussetzungen und mögliche Gründe prüfen. Eine Erklärung wird nicht dadurch widerlegt, dass sie ungewohnt klingt oder einer verbreiteten Ansicht widerspricht.
Die Verneinung kann Zustimmung andeuten
‚Das ist nicht abwegig‘ bedeutet häufig, dass ein Gedanke durchaus plausibel oder zumindest erwägenswert ist. Es ist eine zurückhaltende Zustimmung, keine vollständige Bestätigung. In ‚nicht ganz abwegig‘ kann zusätzlich ein Vorbehalt mitschwingen. Der genaue Grad der Zustimmung hängt von Betonung und weiterem Satz ab; eine feste Prozentstufe lässt sich daraus nicht ableiten.
Beispiele und Verwendung
Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.
„Aus einem einzigen leeren Regal auf die Schließung der ganzen Bibliothek zu schließen, wäre abwegig.“
So ist es gemeint: Die Beobachtung trägt die weitreichende Schlussfolgerung im eigenen Beispiel nicht.
„Der Vorschlag klingt ungewöhnlich, ist aber keineswegs abwegig.“
So ist es gemeint: Neuheit und Plausibilität werden ausdrücklich getrennt.
„Dass die Verzögerung mit dem ausgefallenen Drucker zusammenhängt, ist nicht abwegig.“
So ist es gemeint: Die Erklärung wird als plausibel betrachtet, aber noch nicht als sicher bewiesen.
Typische Wortverbindungen
Ein abwegiger Gedanke, eine abwegige Annahme, eine abwegige Vermutung; etwas abwegig finden oder für abwegig halten. ‚Nicht abwegig‘ eignet sich für vorsichtige Zustimmung, ersetzt aber keine Erläuterung dessen, was an einer Annahme überzeugt.
Ähnliche Wörter und Gegenbegriffe
| Wort oder Ausdruck | Unterschied und Verwendung |
|---|---|
| ungewöhnlich | Beschreibt das Abweichen vom Erwarteten. Die Bewertung der sachlichen Plausibilität bleibt zunächst offen. |
| absurd | Ist häufig die stärkere Wertung und hebt Widersinn hervor. Abwegig kann bereits eine schlecht gestützte oder sachlich verfehlte Annahme sein. |
| verworren | Betrifft schwer erkennbare Zusammenhänge. Ein abwegiger Schluss kann dagegen in einem ganz einfachen Satz klar ausgedrückt werden. |
| naheliegend, plausibel | Passende Gegenbegriffe, wenn ein Gedanke zu den bekannten Umständen passt und nachvollziehbar begründet werden kann. |
Grammatik und richtige Schreibung
Abwegig ist ein Adjektiv. Es wird mit e in der Mitte und der Endung -ig geschrieben. Vor einem Nomen wird gebeugt: ‚ein abwegiger Schluss‘, ‚mit abwegigen Vermutungen‘. Bei finden oder halten bleibt die Grundform: ‚Sie findet den Schluss abwegig‘, ‚sie hält ihn für abwegig‘. Die gedankliche Lesart sollte nicht mit der räumlichen Bedeutung von abgelegen verwechselt werden.
Steigerung: Abwegig – abwegiger – am abwegigsten. Die Formen vergleichen, wie wenig passend oder plausibel verschiedene Annahmen erscheinen. Eine Begründung bleibt trotzdem nötig; die stärkere Endung allein macht eine Widerlegung nicht überzeugender.
BeugungstabellenDie Formen nach Fall, Geschlecht und Artikel vergleichen.
| Fall | Maskulinum Singular | Femininum Singular | Neutrum Singular | Plural alle Geschlechter |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | abwegiger | abwegige | abwegiges | abwegige |
| Genitiv | abwegigen | abwegiger | abwegigen | abwegiger |
| Dativ | abwegigem | abwegiger | abwegigem | abwegigen |
| Akkusativ | abwegigen | abwegige | abwegiges | abwegige |
| Fall | Maskulinum Singular | Femininum Singular | Neutrum Singular | Plural alle Geschlechter |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | abwegige | abwegige | abwegige | abwegigen |
| Genitiv | abwegigen | abwegigen | abwegigen | abwegigen |
| Dativ | abwegigen | abwegigen | abwegigen | abwegigen |
| Akkusativ | abwegigen | abwegige | abwegige | abwegigen |
| Fall | Maskulinum Singular | Femininum Singular | Neutrum Singular | Plural alle Geschlechter |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | abwegiger | abwegige | abwegiges | abwegigen |
| Genitiv | abwegigen | abwegigen | abwegigen | abwegigen |
| Dativ | abwegigen | abwegigen | abwegigen | abwegigen |
| Akkusativ | abwegigen | abwegige | abwegiges | abwegigen |
Die Tabellen zeigen die Adjektivformen vor einem Nomen. Ein unbestimmter Artikel wie ein hat keinen Plural; die Pluralspalte der gemischten Beugung gilt etwa nach keine oder meine. Ohne Artikel gelten dort die starken Formen. Das Nomen erhält gegebenenfalls zusätzlich seine eigene Fallendung.
Eine Vermutung prüfen, statt eine Person abzuwerten
Eigene, erfundene Situation: In einer erfundenen Schulgeschichte fehlt ein Heft. Finn verdächtigt eine Mitschülerin allein deshalb, weil sie am Vortag kurz neben dem Tisch stand.
Beobachtung und Wortwahl: Die bloße räumliche Nähe belegt keine Wegnahme. Eine Analyse kann den Schluss als schlecht gestützt kennzeichnen, ohne daraus sofort eine dauerhafte Eigenschaft Finns abzuleiten.
Finns Verdacht beruht auf einer abwegigen Schlussfolgerung. Dass seine Mitschülerin neben dem Tisch stand, belegt weder, dass sie das Heft gesehen hat, noch dass sie es mitnahm. Er behandelt eine mögliche Gelegenheit wie einen Nachweis. Die Szene macht damit deutlich, wie rasch er in diesem Moment von einer Beobachtung zu einer persönlichen Beschuldigung übergeht.
Warum das funktioniert: Der Absatz nennt die fehlenden Zwischenschritte. Dadurch wird nachvollziehbar, weshalb der Verdacht nicht trägt. Für die Charakterisierung bleibt zunächst eine situationsbezogene Aussage über Finns Vorgehen, keine umfassende Festlegung seiner Persönlichkeit.
Grenze der Aussage: Neue Informationen könnten den Verdacht verändern. Die Kritik richtet sich auf die bisherige Begründung, nicht auf eine behauptete sichere Kenntnis des tatsächlichen Geschehens. Auch die Mitschülerin wird durch dieses Sprachbeispiel keiner realen Handlung beschuldigt.
Kurz geprüft
Bedeutet ‚nicht abwegig‘ dasselbe wie ‚zweifelsfrei bewiesen‘?
Antwort und Erklärung
Nein. Die Formulierung räumt einer Idee Plausibilität ein. Ob sie tatsächlich zutrifft, ist eine weitere Frage, die zusätzliche Informationen verlangen kann.
Weitere Wörter für deinen Text findest du in der Adjektivliste mit Wortauswahl und Vergleichen. Die Grundregeln erklärt der Beitrag Adjektive: Verwendung, Beugung und Steigerung.
