allgemeingültig

Allgemeingültig bezeichnet eine Regel, Aussage oder einen Maßstab, die beziehungsweise der für sämtliche Fälle des gemeinten Bereichs gelten soll. Das Wort macht einen umfassenden Geltungsanspruch; es liefert noch keinen Beweis dafür.

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Bedeutung und wichtige Unterschiede

Ein umfassender Geltungsbereich

Eine allgemeingültige Regel soll nicht nur bei einem einzelnen Beispiel funktionieren. Entscheidend ist, worauf sich das Wort alle bezieht: auf eine bestimmte Aufgabe, ein Modell oder einen ausdrücklich genannten Sachbereich. Ohne diese Grenze kann eine scheinbar klare Aussage zu weit reichen.

Gültigkeit ist nicht Beliebtheit

Dass viele Menschen eine Aussage kennen oder wiederholen, macht sie nicht allgemeingültig. Umgekehrt kann eine wenig bekannte Regel in ihrem klar festgelegten Bereich ohne Ausnahme gelten. Beim Schreiben sollte deshalb nicht mit Zustimmung begründet werden, was eigentlich begründet oder nachgewiesen werden müsste.

Grenzen bei Deutungen

Bei literarischen Figuren, Gefühlen oder Gestaltungsfragen sind häufig mehrere begründete Deutungen möglich. Eine Beobachtung an einer einzelnen Geschichte sollte nicht ohne Weiteres zur allgemeingültigen Aussage über alle Menschen werden.

Beispiele und Verwendung

Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.

„Aus dem Verhalten einer einzigen Figur lässt sich keine allgemeingültige Aussage über Freundschaft ableiten.“

So ist es gemeint: Ein Einzelbeispiel wird von einer umfassenden Verallgemeinerung unterschieden.

„Für dieses Wortspiel gilt die allgemeingültige Regel, dass jeder Beitrag mit dem letzten Buchstaben des vorherigen beginnt.“

So ist es gemeint: Der Geltungsbereich ist das vereinbarte Spiel. Die Regel beansprucht nichts über andere Spiele.

„Die Anleitung nennt eine Faustregel, aber kein allgemeingültiges Verfahren.“

So ist es gemeint: Eine brauchbare Orientierung darf Ausnahmen haben; der stärkere Ausdruck würde eine weiter gehende Verlässlichkeit versprechen.

Typische Wortverbindungen

Eine allgemeingültige Regel, ein allgemeingültiger Maßstab, eine allgemeingültige Aussage; etwas als allgemeingültig darstellen oder seine Allgemeingültigkeit begründen.

Ähnliche Wörter und Gegenbegriffe

Die passende Wortwahl hängt von der Bedeutung ab
Wort oder AusdruckUnterschied und Verwendung
allgemein bekanntBeschreibt den Bekanntheitsgrad, nicht die Gültigkeit einer Aussage.
allgemein anerkanntBeschreibt Zustimmung. Anerkennung und Begründbarkeit sind verschiedene Fragen.
bedingt gültig / fallbezogenGrenzt die Geltung ausdrücklich ein. Eine konkrete Aussage kann einen Einzelfall zutreffend erfassen, ohne allgemeingültig zu sein.

Grammatik und richtige Schreibung

Zulässig sind allgemeingültig und allgemein gültig. Bei der Zusammenschreibung erhält das ganze Adjektiv die Endung: eine allgemeingültige Regel. In der getrennten Form wird nur gültig gebeugt: eine allgemein gültige Regel. Die Tabellen zeigen die zusammengeschriebene Form.

Steigerung: Im präzisen Sinn für alle Fälle geltend wird das Wort gewöhnlich nicht gesteigert. Soll der Geltungsbereich erweitert werden, ist eine weiter reichende Regel oder eine Regel für mehr Fälle klarer als eine pauschale Steigerung.

allgemeingültig – Starke Beugung: ohne Artikel
FallMaskulinum
Singular
Femininum
Singular
Neutrum
Singular
Plural
alle Geschlechter
Nominativallgemeingültigerallgemeingültigeallgemeingültigesallgemeingültige
Genitivallgemeingültigenallgemeingültigerallgemeingültigenallgemeingültiger
Dativallgemeingültigemallgemeingültigerallgemeingültigemallgemeingültigen
Akkusativallgemeingültigenallgemeingültigeallgemeingültigesallgemeingültige
allgemeingültig – Schwache Beugung: nach der, die, das
FallMaskulinum
Singular
Femininum
Singular
Neutrum
Singular
Plural
alle Geschlechter
Nominativallgemeingültigeallgemeingültigeallgemeingültigeallgemeingültigen
Genitivallgemeingültigenallgemeingültigenallgemeingültigenallgemeingültigen
Dativallgemeingültigenallgemeingültigenallgemeingültigenallgemeingültigen
Akkusativallgemeingültigenallgemeingültigeallgemeingültigeallgemeingültigen
allgemeingültig – Gemischte Beugung: nach ein, kein oder einem Possessivwort
FallMaskulinum
Singular
Femininum
Singular
Neutrum
Singular
Plural
alle Geschlechter
Nominativallgemeingültigerallgemeingültigeallgemeingültigesallgemeingültigen
Genitivallgemeingültigenallgemeingültigenallgemeingültigenallgemeingültigen
Dativallgemeingültigenallgemeingültigenallgemeingültigenallgemeingültigen
Akkusativallgemeingültigenallgemeingültigeallgemeingültigesallgemeingültigen

Die Tabellen zeigen die Adjektivformen vor einem Nomen. Ein unbestimmter Artikel wie ein hat keinen Plural; die Pluralspalte der gemischten Beugung gilt etwa nach keine oder meine. Ohne Artikel gelten dort die starken Formen. Das Nomen erhält gegebenenfalls zusätzlich seine eigene Fallendung.

Eine Verallgemeinerung sorgfältig begrenzen

Eigene, erfundene Situation: In einer erfundenen Kurzgeschichte vertraut die Hauptfigur einer Freundin ein Geheimnis an. Die Freundin behält es für sich.

Beobachtung und Wortwahl: Die Handlung zeigt Verlässlichkeit in dieser konkreten Situation. Sie belegt nicht, dass jede Freundschaft genauso funktioniert.

Das Schweigen der Freundin bestätigt in dieser Szene das Vertrauen der Hauptfigur. Daraus folgt jedoch keine allgemeingültige Aussage über Freundschaft. Der Text zeigt vielmehr an einem einzelnen Verhältnis, wie ein gegebenes Versprechen eingehalten wird.

Warum das funktioniert: Die Formulierung unterscheidet zwischen dem, was die Szene tatsächlich zeigt, und einer übergreifenden Behauptung. Das macht die Deutung belastbarer.

Grenze der Aussage: Eine einzelne Gegenbeobachtung kann eine ausnahmslose Behauptung erschüttern. Für eine vorsichtig formulierte Tendenzaussage gelten andere Anforderungen.

Kurz geprüft

Ist eine häufig verwendete Faustregel automatisch allgemeingültig?

Antwort und Erklärung

Nein. Eine Faustregel kann als Orientierung nützlich sein und dennoch Ausnahmen zulassen. Allgemeingültigkeit behauptet für den genannten Bereich mehr als bloße Nützlichkeit oder Verbreitung.

Weitere Wörter für deinen Text findest du in der Adjektivliste mit Wortauswahl und Vergleichen. Die Grundregeln erklärt der Beitrag Adjektive: Verwendung, Beugung und Steigerung.