angeblich
Angeblich kennzeichnet eine Behauptung, die die sprechende oder schreibende Person nicht als gesichert übernimmt. Etwas soll so sein, doch seine Richtigkeit ist aus ihrer Sicht nicht bestätigt oder wird angezweifelt.
Bedeutung und wichtige Unterschiede
Eine fremde Aussage wird auf Abstand gehalten
Mit angeblich zeigt eine Person, dass sie eine Information wiedergibt, ohne deren Wahrheit zu bestätigen. Häufig klingt Skepsis mit. Das Wort beweist jedoch nicht, dass die Information falsch ist; es markiert zunächst die Haltung zur Information.
Die Stellung verändert den Bezug
Ein angeblicher Helfer stellt infrage, ob die Person wirklich in dieser Rolle handelt. Der Helfer kam angeblich am Morgen bezieht den Vorbehalt auf die Aussage über sein Kommen. Welche Teilinformation bezweifelt wird, sollte im Satz möglichst klar bleiben.
Eine Quelle nennen kann genauer sein
In einem sachlichen Bericht ist es oft hilfreich, die Auskunftsperson ausdrücklich zu nennen. Nach Aussage der Veranstalter beginnt die Probe um neun gibt die Herkunft der Information an. Angeblich setzt demgegenüber häufig einen zusätzlichen skeptischen Ton.
Beispiele und Verwendung
Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.
„Der Raum sei angeblich schon reserviert, doch eine Bestätigung lag nicht vor.“
So ist es gemeint: Die Information wird als ungesichert beschrieben. Der zweite Teil nennt den Grund für den Vorbehalt.
„Der angebliche Gewinn erwies sich im weiteren Verlauf der erfundenen Geschichte als Werbetrick.“
So ist es gemeint: Erst die zusätzliche Information klärt hier, dass die ursprüngliche Behauptung nicht zutrifft.
„Sie war angeblich mit dem Zug gekommen.“
So ist es gemeint: Ohne weitere Angaben bleibt offen, wer dies behauptet und weshalb daran gezweifelt wird.
Typische Wortverbindungen
Ein angeblicher Vorteil, ein angeblicher Zeuge, eine angebliche Zusage; etwas angeblich wissen oder angeblich bereits erledigt haben. Bei Personenbezeichnungen kann das Wort die genannte Rolle ausdrücklich infrage stellen.
Ähnliche Wörter und Gegenbegriffe
| Wort oder Ausdruck | Unterschied und Verwendung |
|---|---|
| nach eigener Aussage / laut Auskunft | Nennt die Herkunft einer Information. Diese Formulierungen können eine sachlichere Distanz herstellen, ohne denselben Unterton des Zweifels zu setzen. |
| vermeintlich | Betont häufig, dass etwas dafür gehalten wird, was es tatsächlich nicht ist. Angeblich lässt den Wahrheitsgehalt zunächst eher offen. |
| vermutlich | Kennzeichnet eine Vermutung. Sie kann auf eigenen Beobachtungen beruhen und muss keine fremde Behauptung wiedergeben. |
| bestätigt / nachweislich | Mögliche Gegenbeschreibungen, wenn der Sachverhalt ausdrücklich als gesichert gelten kann. |
Grammatik und richtige Schreibung
Angeblich wird mit b und zusammengeschrieben. Vor einem Nomen ist die Form gebeugt: eine angebliche Zusage. Als unveränderter Kommentar zu einer Aussage lautet es etwa Die Probe fällt angeblich aus. Im Unterschied zu vielen beschreibenden Adjektiven ist die isolierte Formulierung Die Zusage ist angeblich keine gewöhnliche vollständige Aussage.
Steigerung: Im normalen Gebrauch wird angeblich nicht gesteigert. Einen stärkeren Zweifel drückt man ausdrücklich aus, etwa mit kaum glaubhaft oder durch die Erklärung, welche Bestätigung fehlt.
| Fall | Maskulinum Singular | Femininum Singular | Neutrum Singular | Plural alle Geschlechter |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | angeblicher | angebliche | angebliches | angebliche |
| Genitiv | angeblichen | angeblicher | angeblichen | angeblicher |
| Dativ | angeblichem | angeblicher | angeblichem | angeblichen |
| Akkusativ | angeblichen | angebliche | angebliches | angebliche |
| Fall | Maskulinum Singular | Femininum Singular | Neutrum Singular | Plural alle Geschlechter |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | angebliche | angebliche | angebliche | angeblichen |
| Genitiv | angeblichen | angeblichen | angeblichen | angeblichen |
| Dativ | angeblichen | angeblichen | angeblichen | angeblichen |
| Akkusativ | angeblichen | angebliche | angebliche | angeblichen |
| Fall | Maskulinum Singular | Femininum Singular | Neutrum Singular | Plural alle Geschlechter |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | angeblicher | angebliche | angebliches | angeblichen |
| Genitiv | angeblichen | angeblichen | angeblichen | angeblichen |
| Dativ | angeblichen | angeblichen | angeblichen | angeblichen |
| Akkusativ | angeblichen | angebliche | angebliches | angeblichen |
Die Tabellen zeigen die Adjektivformen vor einem Nomen. Ein unbestimmter Artikel wie ein hat keinen Plural; die Pluralspalte der gemischten Beugung gilt etwa nach keine oder meine. Ohne Artikel gelten dort die starken Formen. Das Nomen erhält gegebenenfalls zusätzlich seine eigene Fallendung.
Information und Gewissheit im Bericht trennen
Eigene, erfundene Situation: Eine erfundene Schülerin hört von einem Mitschüler, die Theaterprobe sei verschoben. Auf dem offiziellen Aushang steht noch die alte Uhrzeit.
Beobachtung und Wortwahl: Es gibt eine mündliche Auskunft und einen widersprechenden Aushang. Die Schülerin weiß noch nicht, welche Information aktuell ist.
Nach Toms Aussage beginnt die Probe eine Stunde später. Eine Bestätigung der Spielleitung liegt jedoch noch nicht vor; der Aushang nennt weiterhin die bisherige Uhrzeit. Die angebliche Verschiebung sollte deshalb vor dem Aufbruch überprüft werden.
Warum das funktioniert: Die Passage nennt zuerst die Quelle und die fehlende Bestätigung. Erst dann fasst angeblich den offenen Status zusammen. Die Unsicherheit wird nachvollziehbar, statt nur Misstrauen anzudeuten.
Grenze der Aussage: Der Widerspruch beweist nicht, dass Tom täuscht. Er könnte eine neuere Auskunft erhalten haben, oder der Aushang könnte noch nicht aktualisiert sein.
Kurz geprüft
Beweist der Satz „Er ist angeblich krank“, dass die Person ihre Krankheit nur vortäuscht?
Antwort und Erklärung
Nein. Das Wort zeigt den Vorbehalt der sprechenden Person. Ob die Aussage stimmt oder falsch ist, lässt sich daraus allein nicht ableiten.
Weitere Wörter für deinen Text findest du in der Adjektivliste mit Wortauswahl und Vergleichen. Die Grundregeln erklärt der Beitrag Adjektive: Verwendung, Beugung und Steigerung.
